Entschädigungs-Verweigerung
Die Isländer sind sympathisch, aber im Unrecht!

Die Isländer proben den Aufstand gegen Europa. Sie wollen keine Entschädigungen für ausländische Opfer ihrer Banken zahlen. Sie haben unsere Sympathie. Recht haben sie nicht.

Die machen uns Spaß, diese Isländer: "Hurra, wir zahlen nichts!" rufen sie mit ansteckender Begeisterung und stimmen mit einem kräftigen Nein dagegen, die Entschädigung irgendwelcher Ausländer zu bezahlen, die ihr Geld bei einer isländischen Pleitebank verloren haben. Den 320000 Wikinger-Nachfahren auf Europas nordwestlichstem Außenposten ist damit etwas gelungen, wonach sich viele der 500 Millionen EU-Bürger sehnen: Sie weigern sich, die Zeche zu zahlen, auch wenn Politik und Banken das Gegenteil beschlossen haben.

"Recht so!" sagt sich da der deutsche Steuerzahler, der erst die eine oder andere Landesbank über Wasser halten musste, um dann als Aktionär der Hypo Real Estate enteignet zu werden. "Glückwunsch, liebe Isländer", sagt sich auch der steuerzahlende Bürger in einem der durch eigenen Fleiß prosperierenden Staaten der Euro-Zone, der erst mit Stirnrunzeln die Griechenland-Rettung von seinem Geld erlebte, sich dann über Irland entsetzte und nun bei Portugal nur noch mit leerem Blick vor sich hinstarrt.

Die Volksabstimmung in Island hat damit das Zeug, zu einem Symbol zu werden: für Wut, die nicht ohnmächtig bleibt, das Verlangen nach Gerechtigkeit und die Enttäuschung über hilflose Politiker und wahnwitzige Banker. Die Isländer wagen etwas, was sich die EU-Bürger schon längst nicht mehr zutrauen: aufzustehen und Nein zu sagen, wenn Politik und Wirtschaft gemeinsame Sache machen und den Bürgern in die Tasche greifen.

Und sie fahren damit gar nicht schlecht. Es ist ja nicht die erste Abstimmung über diese Entschädigung, bei der die Isländer "Nein" gesagt haben. Vor mehr als einem Jahr hatte die Regierung in Reykjavik ihrem Volk zum ersten Mal ein ähnliches Abkommen vorgelegt. Es scheiterte damals an einer noch wuchtigeren Ablehnung als bei diesem Mal. In den Monaten danach war neu verhandelt worden und siehe: Die Konditionen veränderten sich zugunsten der Insulaner.

Statt einer Verzinsung von 5,5 Prozent wurden nur noch drei Prozent fällig. Statt bis 2024 zahlen zu müssen, hieß das Zahlungsziel für die letzte Tranche nun 2046. Jeder Schuldner, der nach einer ersten Zahlungverweigerung derartige Vergünstigungen rausholt, dürfte neidisch werden auf das Verhandlungsgeschick der Isländer. Und jeder Schuldner, der innerhalb eines Jahres so einen Erfolg einfahren kann, sagt sich: "Da geht noch mehr." Entsprechend lassen es die Isländer jetzt auf einen langwierigen Prozess ankommen. Schlechter als die jetzt verworfene Lösung wird das neue Ergebnis schon nicht aussehen.

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