Entscheidung für Handelssystem Xetra Deutsche Börse gewinnt in Wien

Die Deutsche Börse hat im Kampf um den Aufbau eines internationalen Handelsnetzes einen wichtigen Etappensieg errungen. Die boomende Wiener Börse mit ihren Kooperationen und Beteiligungen in Osteuropa wird weiterhin das Frankfurter Aktienhandelssystem Xetra nutzen.
Das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse wird nicht nur in Frankfurt eingesetzt. Foto: dpa Quelle: dpa

Das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse wird nicht nur in Frankfurt eingesetzt. Foto: dpa

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FRANKFURT. „Wir haben den Xetra-Vertrag mit der Deutschen Börse bis Ende 2012 verlängert“, sagte der Wiener Börsenvorstand Michael Buhl dem Handelsblatt. Der laufende Vertrag wäre Mitte 2008 ausgelaufen. Damit hat das fast zehn Jahre alte Xetra-System neue Chancen, demnächst auch Kunden in Osteuropa zu gewinnen. „Da wir uns für unseren Markt für Xetra entschieden haben, werden wir sicher in Osteuropa als Botschafter für dieses Aktienhandelssystem auftreten“, sagte Buhl. Die Wiener Börse hält gemeinsam mit österreichischen Firmen die Mehrheit an der Börse Budapest und hat Kooperationen mit acht weiteren Börse Südosteuropas.

Die Frankfurter Börse hatte mit der internationalen Expansion – diverse Übernahmeprojekte scheiterten – ebenso wenig Glück wie mit der Xetra-Vermarktung. Bislang läuft Xetra lediglich in Wien und Dublin. Der große Konkurrent, die skandinavische Börsengruppe OMX, betreibt dagegen mehrere Dutzend Handelsplätze weltweit. Dies hat OMX so attraktiv gemacht, dass die US-Technologiebörse Nasdaq sie nun kauft. Der Schritt der Nasdaq sei das „Tüpfelchen auf dem i“ gewesen, sich gegen die OMX zu entscheiden sagte Buhl. Schließlich binde eine Fusion viele Kapazitäten, die dann für andere Projekte fehlten. Außerdem öffne der Eintritt einer US-Börse in den europäischen Markt dem rigiden US-Recht ein Einfallstor. Die Folgen seien unabsehbar. OMX musste sich im Kampf um Wien den Frankfurtern geschlagen geben – auch weil Frankfurt finanzielle Zugeständnisse gemacht habe, sagte Buhl.

Experten begrüßten den Vertragsabschluss. „Für die Deutsche Börse wäre es ein heftiger Imageverlust gewesen, wenn sie Wien als Kunden verloren hätte. Jetzt kann sie auf dem neuen Vertrag aufbauen und vielleicht weitere Systeme etwa in Osteuropa verkaufen“, sagte ein Analyst.

Die Philosophie hinter dem Verkauf von Xetra an andere Börsen ist relativ simpel. Frankfurt versucht, die Handelsgeschäfte der Kunden auf den eigenen Computern laufen zu lassen, und lastet sie dadurch besser aus. Da die Fixkosten praktisch unverändert bleiben, sind die Gebühren pro Transaktion hoch profitabel.

Der neuerliche Vertragsabschluss könnte auch zu einer Intensivierung der Kooperation auf anderen Gebieten führen. „Wir haben laufend Gespräche mit Frankfurt, konkrete Projekte gibt es aber derzeit nicht“, sagte Buhl. Eine Fusion der beiden Nachbarbörsen gilt hingegen als unwahrscheinlich, da sich die Wiener Börse im Besitz ortsansässiger Banken und Unternehmen befindet und ihre Eigenständigkeit regelmäßig herausstellt.

Die Deutsche Börse ist derzeit mit Millionenaufwand dabei, das Ende 1997 eingeführte Xetra-System auszubauen. Unter anderem soll ab 2008 der Handel der Optionsscheinbörse „Alex“ statt übers Parkett auf Xetra laufen. Ein Beitritt zu „Alex“ – ein Gemeinschaftsunternehmen der Börsen Frankfurt und Zürich – kann sich Buhl grundsätzlich vorstellen: „Das ist nicht ausgeschlossen, aber das ist eine Frage der Strukturen, die sich dort entwickeln, und wie das Projekt insgesamt reüssiert.“ Vorerst bleibt der noch überschaubare Wiener Derivatehandel aber auf einem vor Jahren von der OMX gekauften System: „Das ist für uns die günstigere Variante“, sagte der kostenbewusste Buhl.

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