Entscheidung gefallen: Federico Ghizzoni wird neuer Unicredit-Chef

Entscheidung gefallen
Federico Ghizzoni wird neuer Unicredit-Chef

Neuer Chef der italienischen Großbank Unicredit wird der bisherige stellvertretende Vorsitzende Federico Ghizzoni. Der 54-jährigen Osteuropa-Experte ist seit 30 Jahren bei der Bank, er galt als Wunschkandidat von Unicredit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl.
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HB ROM/WARSCHAU. Die Mailänder Großbank Unicredit hat nach dem erzwungenen Rücktritt von Alessandro Profumo einen neuen Spitzenmann: Wie Unicredit nach einer Verwaltungsratssitzung in Warschau am Donnerstag mitteilte, wird der bisher für das Osteuropageschäft zuständige Federico Ghizzoni neuer Vorstandschef der Bank.

Die Wahl wurde von Unicredit-Sprecherin Paola Di Raimondo in Mailand bestätigt. Die Entscheidung für Ghizzoni sei einstimmig gefallen.

Der 54-jährige Ghizzoni, der seit 1980 für die Unicredit arbeitet, hat seit mehreren Jahren Verantwortung für das wichtige Osteuropa-Geschäft, das in der Wirtschaftskrise große Probleme hatte. Mittlerweile entspannt sich die Lage in der Region aber wieder, was auch die Unicredit in der Bilanz spürt.

Darum will der neue UniCredit-Chef das Mittel- und Osteuropa-Geschäft der italienischen Großbank künftig auf größere Länder konzentrieren. Im Blickfeld seien Länder wie Polen, die Tschechische Republik, Russland und die Türkei, sagte Federico Ghizzoni. UniCredit müsse vor allem organisch wachsen, aber auch Übernahmen seien nicht ausgeschlossen.

Zuletzt war Unicredit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl nach dem Abgang Profumos Mitte der vergangenen Woche eingesetzt worden, um als Interimschef nach einem Nachfolger zu suchen. Wie es hieß, strebte er dabei eine bankinterne Lösung an.

Rampl war früher Chef bei der HypoVereinsbank, die die Unicredit vor fünf Jahren übernommen hat und bei der heute das Investmentbanking der Gruppe gebündelt ist. Er kann mit der Personalie rasch Ergebnisse vorweisen und sich damit wieder auf die Kontrolle der Bank konzentrieren. Viele Unicredit-Aktionäre und die italienische Zentralbank hatten zuletzt Druck gemacht, schnell einen Nachfolger für Profumo zu finden. Teilweise wurde ein zu starker deutscher Einfluss befürchtet.

Profumo war zuvor 13 Jahre an der Spitze der Unicredit und hat mit zahlreichen Übernahmen aus einem regionalen Institut eine der größten Banken Europas geformt - mit Schwerpunkten in Italien, Deutschland und Osteuropa. Zum Verhängnis wurden ihm der starke Einfluss Libyens bei der Unicredit sowie die zuletzt vergleichsweise schwachen Ergebnisse der Bank.

Die italienische Zentralbank hatte nach dem Rücktritt von Profumo eine schnelle Lösung an der Spitze der Großbank angemahnt. Sie müsse in Einklang mit den Vorschriften stehen, hielt die Zentralbank fest. Zudem hatte die Banca d'Italia auch die Protokolle der Verwaltungsratssitzung vom 22. September angefordert. Sie will Einzelheiten der Übergabe in Erfahrung bringen und verlangt Aufklärung auch über die Details der Abfindung für Profumo, der nach Medienberichten bis zu 40 Mio. Euro erhalten soll.

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