Entwicklung der Vorstandsgehälter übertrifft die der Aktienkurse und Finanzergebnisse: Wall-Street-Firmen entlohnen ihre Chefs äußerst großzügig

Entwicklung der Vorstandsgehälter übertrifft die der Aktienkurse und Finanzergebnisse
Wall-Street-Firmen entlohnen ihre Chefs äußerst großzügig

Die US-Wertpapierhandelshäuser haben die Gehälter ihrer Chefs im vergangenen Jahr kräftig aufgestockt. Gleichzeitig stieg die Wertentwicklung der Unternehmen gemessen am Börsenkurs nur mäßig.

NEW YORK. Die Chefs der vier größten Broker erhielten zusammen 110 Mill. Dollar (84,6 Mill. Euro). Die vier Firmen - Merrill Lynch, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Lehman Brothers - sind die größten, die bisher ihre Vorstandsgehälter offen gelegt haben. Im Durchschnitt stiegen die Top-Manager-Gehälter um 33 Prozent. Die Aktienkurse dagegen stiegen im selben Zeitraum nur um rund 4,7 Prozent.

Die Vorstandsgehälter setzen sich in der Regel aus dem Grundgehalt sowie mehreren Boni in bar und auf Aktienbasis zusammen. Das größte bisher veröffentlichte Kompensations-Paket ist das des Merrill-Lynch-Chefs Stan O?Neal mit insgesamt 32 Mill. Dollar, gefolgt vom Goldman-Sachs-Kollegen Henry Paulson Jr. (29,8 Mill. Dollar), dem Lehman-Chef Richard Fuld (26,3 Mill.) und schließlich Philip Purcell von Morgan Stanley (22 Mill. Dollar).

Dabei hatte Morgan Stanley eigentlich durch eine besonders schlechte Entwicklung der Aktie die Wertentwicklung der gesamten Branche nach unten gezogen: Um 8,2 Prozent fielen die Morgan-Anteile im Bilanzjahr 2004 (30.11.). Purcells Vorstandsgehalt dagegen stieg um 46 Prozent.

Doch auch bei den Firmen mit besserer Aktienentwicklung wie Lehman Brothers übertrifft die Steigerung des Chef-Gehalts noch die des Börsenkurses: Die Lehman-Aktie stieg um 16 Prozent, also deutlich besser als die 500 Unternehmen des Standard&Poors-Indexes (plus elf Prozent). Doch Vorstandschef Fuld übertraf diese Entwicklung noch mit seiner 33-prozentigen Gehaltsaufbesserung.

Bei einigen Handelshäusern, deren Veröffentlichung der Vorstandsgehälter noch bevor steht, könnte es sogar noch deutlicher aussehen: James E. Cayne, der Chef von Bear Stearns, dessen Gehalt Ende Februar veröffentlicht wird, ist traditionell der bestbezahlte Wall-Street-Chef. Im vergangenen Jahr verdiente er 39,3 Mill. Dollar. Er kann sich nun darauf berufen, dass die Bear-Stearns-Aktie im vergangenen Jahr um 35 Prozent zulegte und der Gewinn pro Aktie um 14,6 Prozent stieg.

Die Entwicklung der Vorstandsgehälter zeigt, dass an der Wall Street die Aktienentwicklung für die Vorstandsgehälter nur eine sekundäre Rolle spielt. Primäre Größe sind die Gewinne im Vorjahr. Die festen Gehälter sind traditionsgemäß relativ niedrig, während die gewinnabhängigen Boni am Jahresende besonders groß sind. Diese Boni sind traditionell an das Finanzergebnis gekoppelt, weniger an die Aktienentwicklung. Und die Gewinne wiederum, so erklären die Broker zur Zeit, waren im vergangenen Jahr deutlich besser als es sich im Aktienkurs widergespiegelt. Bear Stearns, Merrill und Goldman machten Rekord-Gewinne. Analyst Guy Moszkowski erklärt die enttäuschende Aktienentwicklung mit Faktoren, die außerhalb des Einflussbereichs der Top-Manager lagen: Unsicherheit vor den US-Wahlen und durch den Irak-Krieg sowie ein zunächst nur lustlos angelaufenes Emissions- und M&A-Geschäft. "Dadurch entwickelte sich der Aktienkurs nicht so gut wie angesichts der Ergebnisse eigentlich zu erwarten gewesen wäre", sagt Moszkowski.

Dennoch: Das Ausmaß der diesjährigen Erhöhungen verrät auch, dass die Broker-Chefs sich inzwischen ein Wettrennen liefern. Denn in diesem Jahr haben ihre Firmen die Richtlinien geändert und berücksichtigen jetzt stärker, was die Kollegen in der Branche verdienen. Morgan und Merrill erhöhten die Gehälter im Rahmen eines Vergleichs mit den Wettbewerbern. Goldman richtete sich nach den Unternehmen in der "Fortune 50"-Liste. Diese Vergleiche haben wesentlich dazu beigetragen, dass in vielen Unternehmen die Top-Gehälter das Niveau des High-Tech-Booms erreichen, was man vom Aktienkurs nicht sagen kann. sia

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