Ergo-Exzesse
Versicherer betonen entschieden ihre Unschuld

Die 44 privaten Krankenversicherer distanzieren sich von dem Sex-Skandal in der Ergo.
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Frankfurt„Die Exzesse eines einzelnen Unternehmens haben mit seriösem Versicherungsvertrieb nichts zu tun“, sagte der wiedergewählte Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte, in Berlin. „Solche Praktiken gehören nicht in unsere Branche“, sagte der Manager, der auch Vorstandsvorsitzender des Versicherers Signal Iduna ist. Für ihn sei klar, dass durch diesen Einzelfall das Ansehen des gesamten Versicherungs-Außendienstes in Mitleidenschaft gezogen werden könne.

Vermittler der zur Ergo gehörenden Vertriebsgesellschaft Hamburg-Mannheimer International (HMI) hatten in Budapest mit mindestens 20 Prostituierten eine Sex-Party gefeiert. Der Vorfall wird in der Branche scharf verurteilt, er hat aber eine Debatte über das Verhalten von Vermittlern und deren Entlohnung ausgelöst. In der Kritik steht insbesondere das Prinzip, Berater über Provisionen zu bezahlen.

Schulte reagierte auf diese Debatte mit dem Hinweis, dass ein qualifizierter Vertrieb bei dem sehr beratungsintensiven Produkt der Krankenversicherung besonders wichtig sei. „Die Provisionen sind die Existenzgrundlage qualifizierter Vermittler und sichern somit eine gute Kundenbetreuung“, erklärte Schulte. Er räumte allerdings ein, dass die PKV-Branche das Problem hoher Abschlussaufwendungen erkannt habe. Im Interesse des Verbraucherschutzes müssten hier Übertreibungen vermieden werden. Eine verbindliche Regelung und Obergrenzen für Provisionen durch den PKV-Verband lehnte er allerdings aus kartellrechtlichen Gründen ab, hier sei der Gesetzgeber gefordert.

Die privaten Krankenversicherer profitieren in diesem Jahr von neuen gesetzlichen Regelungen, wie dem Wegfall der dreijährigen Wartefrist für Mitglieder der Krankenkassen. Dadurch seien bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres netto 40000 Versicherte aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gewonnen worden. Das ist relativ viel. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gewannen die privaten Krankenversicherer unter dem Strich 84700 Vollversicherte hinzu. Insgesamt haben sie nun rund 8,9 Millionen Versicherte. In der GKV werden 70 Millionen Menschen betreut.

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