Ergo
Oletzky kämpft um seine Glaubwürdigkeit

Ergo-Chef Torsten Oletzky hat sich in einer Mail an alle Mitarbeiter des Versicherungsriesen gewendet. Darin verteidigt er die Informationspolitik und den Weg vor die Gerichte. In der Branche gilt er als angeschlagen.
  • 20

DüsseldorfEs klingt wie ein Eingeständnis: "Wir müssen uns [...] kritisch fragen, ob wir selbst bei den Incentive-Reisen hätten offensiver kommunizieren müssen." Das schreibt Ergo-Chef Torsten Oletzky in einem internen Brief an seine Mitarbeiter. Er erklärt die Informationspolitik von Ergo wie folgt: "Bei der breiten internen und externen Kommunikation mussten wir uns sinnvollerweise fokussieren." Damit meint Oletzky "auf die Zukunft gerichtete Maßnahmen, die unser Versicherungsgeschäft betrafen". Was nicht darin vorkommt sind die vom Handelsblatt aufgedeckten Lustreisen.

Neben dem Brief an seine Mitarbeiter hat Ergo in seinem Intranet noch ein Interview mit Oletzky veröffentlicht, in dem er nochmals zu der Berichterstattung im Handelsblatt Stellung bezieht. Beide Dokumente finden Sie in diesem Artikel zum Download.

Brief an die Mitarbeiter von Torsten Oletzky

Fakt ist, dass Ergo Mitarbeiter mit Lustreisen belohnt hat. Im vergangenen Jahr tat Ergo den feucht-fröhlichen Kurztrip nach Budapest als Ausnahme ab – und versprach Transparenz. Doch angesichts des juristischen Vorgehens gegen das Handelsblatt entpuppt sich die selbstverordnete Klartext-Initiative als unglaubwürdige Image-Kampagne.

Das Handelsblatt hat jüngst weitere Lustreisen aufgedeckt – dieses Mal nach Mallorca und in ein Swinger-Hotel auf Jamaica – und belegt die Berichterstattung mit internen Revisionsberichten der Ergo, die der Redaktion zugespielt wurden. Die Berichte stellte das Handelsblatt auf der noch jungen iPad-App „Handelsblatt Morning Briefing“ zum Download zur Verfügung. „Wir machen Berichterstattung, aber wir wollen den Lesern und Leserin auch zeigen, dass sie sich selbst ein Urteil bilden können“ erklärt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart den Schritt im Interview mit dem NDR-Medienmagazin Zapp. „Ich glaube, dass das einen Mehrwert hat, wenn man selbst Originaldokumente durchstöbern kann.“

Interview mit ERGOnet

Doch genau das will Ergo verhindern und bemüht dafür das Urheberrecht. Durch eine einstweilige Verfügung musste das Handelsblatt einen Revisionsbericht zu der Budapest-Reise aus dem Netz nehmen. Der Verlag darf den Revisionsbericht „HMI-Wettbewerbsreise - Budapest 2007“ nicht mehr verbreiten. Drei weitere Revisionsberichte sind von der Unterlassungserklärung allerdings nicht betroffen und können weiterhin abgerufen werden.

Kommentare zu " Ergo: Oletzky kämpft um seine Glaubwürdigkeit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Über Ergo wird man in den nächsten Wochen noch sehr viel lesen.
    Derzeitig ist man dort damit beschäftigt, viele Mitarbeiter zu entfernen. Diese haben jedoch Wissen, welches sehr brisant ist.Es wird weiterhin sehr spannend bleiben.

  • Also ich denke sehr wohl, dass die investigativen Journalisten der Bild und des Handelsblattes, welche die verschiedenen Skandale bei Wulff und Ergo aufgedeckt haben, einen Super-Journalisten-Job getan haben. Ohne das Handelsblatt wären die ganzen fragwürdigen Riester Verträge etc. doch nie nochmal überprüft worden.
    Wie kann man Fan von einer Versicherung sein, welche so eine hanebüchene Vertuschungskultur duldet - s. Oletzky und Griese welche lange vor den HB Anfragen von den Skandalen wussten und untätg geblieben sind.
    Kann auch nicht nachvollziehen, wenn Sie als "heimlicher Ergo Fan" im Stürmer-Duktus gegen HMI Vertreter hetzen, welche auch zum Konzern gehören.

    Das Handelsblatt steht handwerklich seit Generationen erfolgreich dar, verglichen mit den Konkurrenten.

    Die Journalisten haben sich die Massenschadensfälle der Ergo nicht ausgedacht, sondern da war überall was dran. Wenn die Verantwortlichen bei der Ergo und MR so lange so fragwürdig wirtschaften, kann man der wahrheitsgemäß berichtenden Presse hier keinen Vorwurf machen. Die Schäden an der Marke Ergo resultieren jedenfalls nicht aus der Presse, sondern der mangelnden Kontrolle im Konzern und der Aufarbeitung bestehender Verfehlungen durch Oletzky, Griese und von Bomhard. Wenn man überlegt, dass solche erwiesenen Vertuscher für die Altersvorsorge von Millionen Menschen weltweit verantwortlich sind, kann einem angst und bange werden. Bei den aufgedeckten Missständen handelt es sich jedenfalls nicht um Phantasien oder Petitessen, sondern um schwerwiegende Fehlverhalten. Ohne das Handelsblatt wäre die Ergo Revision auch gar nicht auf den Trichter gekommen. Budapest war jahrelang bekannt, das hätte man lange vorher diskret aufarbeiten können und müssen.
    Hoffe, als Aktionär der Münchener Rück, aber dass Oletzky und von Bomhard endlich Ihre Hausaufgaben gemacht haben und professionell statt unglaubwürdig agieren. Dann braucht auch keiner mehr gegen die Presse hetzen.

  • Sorry, aber das ist nun wirklich hanebüchener Unfug. Und wenn ich etwas von vorbildlicher gesellschaftlicher Verantwortung lesen muss, kann ich nur lachen. Das ist pseudo-investigativer Journalismus, der - zugegeben erfolgreich - den Stil der Bild kopiert und damit versucht, seine wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Dass dabei der ehemals gute Ruf langfristig Schaden nimmt, wenn man mit den größten Lumpen der HMI paktiert und sich Typen wie CV ausliefert, scheint kurzfristig niemanden mehr zu interessieren.
    Auf kurz oder lang wird Steingart das Ding an die Wand fahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%