Ergo Oletzky kämpft um seine Glaubwürdigkeit

Ergo-Chef Torsten Oletzky hat sich in einer Mail an alle Mitarbeiter des Versicherungsriesen gewendet. Darin verteidigt er die Informationspolitik und den Weg vor die Gerichte. In der Branche gilt er als angeschlagen.
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Torsten Oletzky hat sich in einem Brief an seine Mitarbeiter gewendet. Quelle: dpa

Torsten Oletzky hat sich in einem Brief an seine Mitarbeiter gewendet.

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DüsseldorfEs klingt wie ein Eingeständnis: "Wir müssen uns [...] kritisch fragen, ob wir selbst bei den Incentive-Reisen hätten offensiver kommunizieren müssen." Das schreibt Ergo-Chef Torsten Oletzky in einem internen Brief an seine Mitarbeiter. Er erklärt die Informationspolitik von Ergo wie folgt: "Bei der breiten internen und externen Kommunikation mussten wir uns sinnvollerweise fokussieren." Damit meint Oletzky "auf die Zukunft gerichtete Maßnahmen, die unser Versicherungsgeschäft betrafen". Was nicht darin vorkommt sind die vom Handelsblatt aufgedeckten Lustreisen.

Neben dem Brief an seine Mitarbeiter hat Ergo in seinem Intranet noch ein Interview mit Oletzky veröffentlicht, in dem er nochmals zu der Berichterstattung im Handelsblatt Stellung bezieht. Beide Dokumente finden Sie in diesem Artikel zum Download.

Fakt ist, dass Ergo Mitarbeiter mit Lustreisen belohnt hat. Im vergangenen Jahr tat Ergo den feucht-fröhlichen Kurztrip nach Budapest als Ausnahme ab – und versprach Transparenz. Doch angesichts des juristischen Vorgehens gegen das Handelsblatt entpuppt sich die selbstverordnete Klartext-Initiative als unglaubwürdige Image-Kampagne.

Das Handelsblatt hat jüngst weitere Lustreisen aufgedeckt – dieses Mal nach Mallorca und in ein Swinger-Hotel auf Jamaica – und belegt die Berichterstattung mit internen Revisionsberichten der Ergo, die der Redaktion zugespielt wurden. Die Berichte stellte das Handelsblatt auf der noch jungen iPad-App „Handelsblatt Morning Briefing“ zum Download zur Verfügung. „Wir machen Berichterstattung, aber wir wollen den Lesern und Leserin auch zeigen, dass sie sich selbst ein Urteil bilden können“ erklärt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart den Schritt im Interview mit dem NDR-Medienmagazin Zapp. „Ich glaube, dass das einen Mehrwert hat, wenn man selbst Originaldokumente durchstöbern kann.“

Doch genau das will Ergo verhindern und bemüht dafür das Urheberrecht. Durch eine einstweilige Verfügung musste das Handelsblatt einen Revisionsbericht zu der Budapest-Reise aus dem Netz nehmen. Der Verlag darf den Revisionsbericht „HMI-Wettbewerbsreise - Budapest 2007“ nicht mehr verbreiten. Drei weitere Revisionsberichte sind von der Unterlassungserklärung allerdings nicht betroffen und können weiterhin abgerufen werden.

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20 Kommentare zu "Ergo: Oletzky kämpft um seine Glaubwürdigkeit"

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  • Über Ergo wird man in den nächsten Wochen noch sehr viel lesen.
    Derzeitig ist man dort damit beschäftigt, viele Mitarbeiter zu entfernen. Diese haben jedoch Wissen, welches sehr brisant ist.Es wird weiterhin sehr spannend bleiben.

  • Also ich denke sehr wohl, dass die investigativen Journalisten der Bild und des Handelsblattes, welche die verschiedenen Skandale bei Wulff und Ergo aufgedeckt haben, einen Super-Journalisten-Job getan haben. Ohne das Handelsblatt wären die ganzen fragwürdigen Riester Verträge etc. doch nie nochmal überprüft worden.
    Wie kann man Fan von einer Versicherung sein, welche so eine hanebüchene Vertuschungskultur duldet - s. Oletzky und Griese welche lange vor den HB Anfragen von den Skandalen wussten und untätg geblieben sind.
    Kann auch nicht nachvollziehen, wenn Sie als "heimlicher Ergo Fan" im Stürmer-Duktus gegen HMI Vertreter hetzen, welche auch zum Konzern gehören.

    Das Handelsblatt steht handwerklich seit Generationen erfolgreich dar, verglichen mit den Konkurrenten.

    Die Journalisten haben sich die Massenschadensfälle der Ergo nicht ausgedacht, sondern da war überall was dran. Wenn die Verantwortlichen bei der Ergo und MR so lange so fragwürdig wirtschaften, kann man der wahrheitsgemäß berichtenden Presse hier keinen Vorwurf machen. Die Schäden an der Marke Ergo resultieren jedenfalls nicht aus der Presse, sondern der mangelnden Kontrolle im Konzern und der Aufarbeitung bestehender Verfehlungen durch Oletzky, Griese und von Bomhard. Wenn man überlegt, dass solche erwiesenen Vertuscher für die Altersvorsorge von Millionen Menschen weltweit verantwortlich sind, kann einem angst und bange werden. Bei den aufgedeckten Missständen handelt es sich jedenfalls nicht um Phantasien oder Petitessen, sondern um schwerwiegende Fehlverhalten. Ohne das Handelsblatt wäre die Ergo Revision auch gar nicht auf den Trichter gekommen. Budapest war jahrelang bekannt, das hätte man lange vorher diskret aufarbeiten können und müssen.
    Hoffe, als Aktionär der Münchener Rück, aber dass Oletzky und von Bomhard endlich Ihre Hausaufgaben gemacht haben und professionell statt unglaubwürdig agieren. Dann braucht auch keiner mehr gegen die Presse hetzen.

  • Sorry, aber das ist nun wirklich hanebüchener Unfug. Und wenn ich etwas von vorbildlicher gesellschaftlicher Verantwortung lesen muss, kann ich nur lachen. Das ist pseudo-investigativer Journalismus, der - zugegeben erfolgreich - den Stil der Bild kopiert und damit versucht, seine wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Dass dabei der ehemals gute Ruf langfristig Schaden nimmt, wenn man mit den größten Lumpen der HMI paktiert und sich Typen wie CV ausliefert, scheint kurzfristig niemanden mehr zu interessieren.
    Auf kurz oder lang wird Steingart das Ding an die Wand fahren.

  • Dass von Bomhard Oletzky dauerhaft stützen kann, bezweifle ich. Oletzkys Ergo Strategie ist bislang grandios gescheitert. Dass Oletzky die Budapester Geschichte so lange verschwiegen hat, bleibt unverzeihlich. Außerdem ist die Münchener Rück nicht das Privatunternehmen des Herrn von Bomhard, wo er nach Gutsherrenart alle normalen Regeln außer Kraft setzen kann. Wie von Bomhard seine Absolution gegenüber den Vertuschern Oletzky und Griese rechtssicher begründen will, ist mir unerklärlich. Wenn Du Dir mal die Budapester Revisionsberichte durchliest, kriegt eine Ahnung vom Qualitätsanspruch beim Konzern. Hoffe, dass von Bomhard ein paar ehrliche und ernstzunehmende Vorstände im Konzern findet, welche das Ruder noch rumreissen können.

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    Keine weiteren Fragen. Soviel zum Thema Pressefreiheit und "wir wollen nur aufklären". Aber sich aufregen, wenn andere das gleiche Recht für sich in Anspruch nehmen.

  • Und wieder ein Artikel, den die Welt nicht braucht. Apropos "Glaubwürdigkeit" - die hat das Handelsblatt verspielt. Ich bin auch Aktionär und finde es eindrucksvoll, dass der Vorstandsvorsitzende nach wie vor hinter Oletzky steht. Aber darüber wird im Handelsblatt nicht gesprochen - Spiegel-Leser wissen mehr: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lustreisen-munich-re-chef-bomhard-verteidigt-ergo-chef-oletzky-a-853608.html

  • Ihre (!) Eingangsfragebverstehe ich leider nicht. um Thema Urheberrecht und seine Inanspruchnahme sowie zum meines Wissens nach nicht ausgesprochenen Verbot des Zitierens habe ich bereits etwas geschrieben. Die gesellschaftliche Verantwortung einer Zeitung mit einer Leserschaft in der Größenordnung einer Kleinstadt möchte ich nicht weiter kommentieren. Und, um auch darauf einzugehen, nein, den Rev-Bericht habe ich nicht gelesen. Jedoch die dazu veröffentlichten Auszüge. Bevor Missverständnisse aufkommen: Die darin geschiderten Vorgänge sind inakzeptabel. Da nach Ihren Worten aber eine Versicherung ja nur "halbwegs seriös" sein muss, verstehe ich Ihre Aufregung nicht. (Ironie aus)

  • Was soll der Kommentar? Das Handelsblatt ist in vorbildlicher Art und Weise ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen und hat fragwürdige Dinge ans Tageslicht gebracht.
    Hast Du Dir mal den verbotenen, von Rechtsschreibefehlern nur so strotzenden, Revisionsbericht zu Budapest durchgelesen?
    Oletzky und Griese haben über viele Jahre hinweg ihre eigene Revision und ihre Aufsichtsräte hintergangen und es versäumt, das Schadenspotenzial aus Budapest zu regulieren.
    Finde es übrigens total super, wenn solche katastrophalen Zustände und Bearbeitungsniveaus durch die Presse ans Tageslicht gebracht werden, vor allem, wenn interne Dokumente den Sachverhalt objektiv schildern.

    Oletzky zieht sich mit seiner Salami Taktik nur auf fragwürdige und unglaubwürdige Ausreden zurück.

    Warum erklärt Oletzky nicht mal, wieso er den Budapester Skandal so lange gegenüber seinem Aufsichtsrat von Bomhard und seiner Revision totgeschwiegen hat?

    Oletzky will mit seinem Verweis auf das Urheberrecht doch nur verhindern, dass alle Welt erfährt, was für Zustände bei der Ergo herrschen. Eine Versicherung die eine gesellschaftspolitische Verantwortung für die Altersvorsorge trägt, muss auch halbwegs seriös arbeiten. Der von der Ergo verbotene Revisionsbericht hat gezeigt, wie wenig ernst Oletzky und von Bomhard Ihre Verantwortung übernehmen.

  • Das Handelsblatt macht übrigens nicht nur Schule. Es macht auch keinen Hehl daraus, was es von einer Aufweichung des Urheberrechtes hält. Nämlich gar nichts. Verständlich. Man möchte als schreibendes Volk natürlich seine verbalen Ergüsse geschützt wissen. Ich sag nur "Mein Kopf gehört mir". Warum nun ausgerechnet nur die Ergüsse eines Journalisten schutzwürdig sind, die eines Menschen, der einen Revisionsbericht schreibt, allerdings nicht - ich weiß es nicht. Zugegeben, ich bin kein Rechtsexperte. Wohl aber in der Lage, mit Begriffen wie Schöpfungshöhe, kleine Münze und ähnlichen etwas anzufangen. Vor allem aber sehe ich im derzeitigen Urheberrecht nirgends die ausschließliche Behauptung, dass nur ein journalistischer Text den Schutz des Gesetzes genießt. Insofern sollte man, sollte auch das Handelsblatt es ebenfalls der ERGO erst einmal zugestehen, sich auf dieses Urheberrecht zu beziehen. Und, nicht uninteressant: So wie ich die Sache sehe, möchte ERGO Ihnen lediglich die Veröffentlichung des ganzen Berichtes untersagen. Nicht aber das Zitieren daraus! Was keine Abkehr von der versprochenen Transparenz ist. Sollte es übrigens tatsächlich zu einer gerichtlichen Klärung der Urheberfragen kommen und dem HB entsprochen werden, gehe ich davon aus, dass dieser Revisionsbericht den Lesern kostenlos gezeigt wird. Wäre für mich jedenfalls nur schwer nachvollziehbar, wenn man mit der, dann zwar nicht urheberrechtlich geschützten aber durchaus wertschöpfenden Arbeit anderer auch noch so Geld verdient.

  • Bin als Aktionär der Münchener Rück entsetzt über die Vorgehensweise von Dr. Oletzky und Herrn Griese. Oletzky hat seinem Aufsichtsratsvorsitzenden und seiner Revision die Budapester Vorfälle über ein Jahr lang verschwiegen. Der Ergo Vorstand Griese hat Budapest 3,5 Jahre straflos verschwiegen. Die Ergo hat kein Kommunikationsproblem, sondern ein Management- und Haftungsproblem. Das schlimme sind nicht die lässlichen Sünden im Umgang mit Budapest, sondern die Untätigkeit und das jahrelange Vertuschen, welche die Marke Ergo schwer beschädigt haben. Befürchte als Aktionär der Münchener Rück, dass wir auf die Ergo Beteiligung noch erhebliche Abschreibungen vornehmen müssen, wie es die Swiss Re bei AWD auch tun musste. von Bomhard sollte endlich glaubwürdig handeln und die Vertuschungskünstler und unfähigen Manager in die Haftung nehmen!

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