Ergo und Sexualmoral
Budapester Lustreisen landen im Museum

Die Sex-Reisen für Ergo-Mitarbeiter verursachten vor Jahren einen Skandal. Jetzt haben sie dem Versicherer einen Platz in der Geschichte gesichert. Ein Museum stellt die Orgien nach – als Signal für die Gesellschaft.
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LeipzigDie Incentive-Reise der Ergo-Versicherung ist im Haus der Geschichte angekommen. In der aktuellen Ausstellung „Schamlos? Sexualmoral im Wandel“ zeigt das Museum in Leipzig rund 900 Objekte, an denen die Rolle und das Verständnis von Sex in der deutschen Gesellschaft abzulesen ist.

Einige davon stammen aus dem Wettbewerb, den die Ergo-Tochter Hamburg Mannheimer 2007 für ihre besten freien Versicherungsvertreter auslobte. Im Frühjahr wechselt die Ausstellung ins Haus der Geschichte in Bonn.
„Wir haben uns bei der Ausstellung für den Fall Ergo entschieden, um zu zeigen, dass Prostitution nicht nur in die Schmuddelecke der Gesellschaft gehört“, sagt Kornelia Lobmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung.

Dass auch seriöse Unternehmen ihren Mitarbeitern zur Belohnung Prostituierte zuführten, zeige, wie die Sexualmoral in der Gesellschaft zumindest in Teilbereichen wirklich aussehe.

Besucher der Schamlos-Ausstellung lernen, dass die Deutschen 14,3 Milliarden Euro bei Prostituierten ausgeben – dreimal mehr als in Fitness-Studios. 18 Prozent aller Männer zahlen regelmäßig für Sex. Einige Städte nehmen seit Jahren Sex-Steuern von den Prostituierten.
Auch bei der Hamburg Mannheimer gab es 2007 keinerlei Hemmungen. Für die Freiluft-Orgie wurden in der historischen Gellert-Therme in Budapest Himmelbetten aufgestellt, Prostituierte mit farbigen Armbändchen gekennzeichnet und nach jedem Dienst am Unterarm abgestempelt.

Anschließend stand in der Mitarbeiterzeitung: „Ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der dabei war und nicht sofort wieder loslegen möchte.“

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„Unsäglich und unentschuldbar“

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  • Es ist ein Unterschied, ob eine Modemarke mit eigenem Geld oder eine Versicherung mit fremdem Geld umgeht.

    Was ungeklärt ist, ist die Tatsache wie die BAFin als Aufsichtsbehörde mit dieser Kenntnis umgegangen ist und ob sie diese betriebsfremden Kosten als betriebliche Ykosten akzeptierte?

    Meine Meinung: das gehört sich nicht und stellt die Versicherungsvertreter auf ein noch tieferes Niveau als sie ohnehin schon sind. Zugegeben, hier werden die schwärzesten Schafe nochmals schwarz angepinselt. Aber es gehört durchaus zu den Aufgaben eines Versicherungsvorstandes derartige Vorkommnisse zu unterbinden.

    Es geht nicht allein um die Herren und Damen, die an dieser Lustreisen teilgenommen haben, es geht auch um die, deren spezielle Aufgabe es ist, diese Herren und Damen zu überwachen. So wie es sich ansieht, haben diese - wie die Präsidentin der BAFin ebenfalls - ihre Verpflichtung nicht eineinhalb erkannt.

    Lassen Sie mich nochmals auf die Bewertungsreserven der Versicherten kurz eingehen.

    Es ist wohl unterstrittig, dass die Lebensversicherungen bei der Interpretation "Bewertungsreserven" die Versicherten über den Tisch gezogen haben. Aber das hat ihnen nicht ausgereicht. Deshalb wollen sie eigens in einem Gesetz festgeschrieben, legitimiert haben, dass der Versicherte gänzlich leer ausgeht. Ich erkläre mir dies nur so, dass den Herrschaften durchaus klar ist, was sie tun und per Gesetz nochmals bestätigt haben wollen, dass diese ihre Untreue gesetzlich erlaubt und damit legal ist.

    Wenn Sie argumentieren, dass diese 100.000 € für die Lustreisen der Vertriebler nichts gegen die ca. 80 Mrd. € sind, um die die Versicherten erleichtert werden, stimme ich Ihnen vorbehaltlos zu.

    Wenn es also etwas im Museum aufzubewahren gilt, dann wäre es dieses besagte Lebensversicherungsreformgesetz.

  • Können Sie berichten?

  • Ihnen kann ich leider nicht ganz zustimmen.

    Es hat mir den Anschein, dass hier nur die Versicherungsgesellschaft/en in den Dreck gezogen werden.
    Wenn nun eine Führungetage eines Modemarkenherstellers ebenfalls solche Reisen machen, dann sollten diese doch ebenfalls auch von den Gesetzesänderungen betroffen sein, denn Sie haben vielleicht auch den Geschäftsführern Geld gezahlt, weil sie mal ein Hemd gekauft haben.

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