Erleichterter Zugang zum britischen Markt Lloyd’s geht auf deutsche Makler zu

Die Versicherungsbörse Lloyd’s of London geht auf deutsche Kunden zu. „Wir wollen deutschen Maklern den Zugang zu Lloyd’s erleichtern“, sagte Rolf Tolle in Köln auf einer Veranstaltung des Lloyds-Versicherers Liberty. Er ist „Franchise Performance Director“ bei Lloyd’s, was in etwa einem Aufsichtsratschef entspricht.
  • Rita Lansch

KÖLN. Lloyd’s ist kein Versicherungsunternehmen, sondern eine Börse. Wer dort handeln will, braucht eine Zulassung wie an jeder Wertpapierbörse auch. Bei Lloyd’s wickeln 64 zugelassene Versicherer (Syndikate) mit rund 160 zugelassenen Maklerhäusern ihre Geschäfte ab: Sie zeichnen Risiken, die ihnen von Maklern im Auftrag der Kunden angeboten werden. Das System hat eine sehr alte Tradition und zeigt immer wieder enorme Flexibilität, wenn es darum geht, außergewöhnliche Risiken abzudecken. Vor einigen Jahren durchlebte der Markt allerdings eine schwere Finanzkrise.

Tolle will erreichen, dass ausgewählte deutsche Makler direkt mit diesen Syndikaten ins Geschäft kommen können – bisher geht das in der Regel nur über britische Makler. „Ich glaube, dass wir dann auch sehr viel mehr Geschäft aus Deutschland reinbekommen“, sagt Tolle. Er weiß, dass die Kunden nach Alternativen zu den beherrschenden Anbietern suchen.

Im Jahr setzt der Marktplatz Lloyd’s gut 22 Mrd. Euro an Versicherungsbeiträgen um. Davon stammen bisher nur etwa 400 Mill. Euro aus Deutschland. Lloyd’s- Chef Lord Peter Levene versucht, den Anteil seit Jahren zu steigern. Eines der wesentlichen Hindernisse dabei ist das komplizierte Zulassungssystem. Es verteuert letztlich für die Kunden auch das Geschäft, weil der Lloyd’s-Broker für seine Dienste eine zusätzliche Courtage (Maklerprovision) verlangt.

„Der Londoner Markt tickt völlig anders als der deutsche“, sagt Hans-Werner Rhein vom führenden Makler in Deutschland, Aon Jauch & Hübener. Um Geschäft bei Lloyd’s zu platzieren, muss er seine Londoner Aon-Kollegen einschalten. Er selbst hat dort keine Zulassung. Kleinere Makler haben gar kein Londoner Büro. Sie können allenfalls mit zugelassenen Lloyd’s-Brokern kooperieren.

Tolle, der selbst Deutscher ist, hat es nicht einfach mit seinem Bemühen, den traditionsbewussten Londoner Markt zu öffnen. Für die feine Gesellschaft der Lloyd’s-Broker sind seine Vorschläge eine Revolution; sie seien „not amused“, sagen Kenner. Schließlich funktioniert das Zulassungssystem bei Lloyd’s seit mehr als 200 Jahren.

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