Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Commerzbank unter Geldwäsche-Verdacht

Mehrere Commerzbank-Manager stehen im Verdacht, Geld im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekomfirmen gewaschen zu haben. Deutsche und Schweizer Ermittler haben Büros durchsucht. Prominentester Verdächtiger ist Ex-Personalvorstand Andreas de Maizière, der vergangene Woche zurückgetreten war.

HB/WSJ/oli FRANKFURT. Ein Commerzbank-Sprecher bestätigte am Montag, dass das Ausscheiden de Maizières, der lange für das Mittel- und Osteuropageschäft zuständig war, in Zusammenhang mit den Ermittlungen stehe. „Es hat auch damit zu tun“, sagte er. „Herr De Mazière hat die Verantwortung für Verfehlungen von Mitarbeitern übernommen.“ Vergangene Woche hatte die Commerzbank "persönliche Gründe" für den Rücktritt genannt. Das gelte weiterhin. Die Geldwäsche-Ermittlungen seien zeitlich mit den persönlichen Gründen zusammengefallen. Der Sprecher sagte weiter, das Institut kenne die einzelnen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht. Es gehe bei den Ermittlungen um einzelne Personen, nicht jedoch um das Geldhaus an sich. Wie der Wirtschaftsdienst vwd unterdessen meldet, will die Commerzbank bis zur bereits angekündigten Vertragsauflösung Ende September an ihrem Personalvorstand festhalten.

Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft konzentrieren sich die Untersuchungen auf Ex-Personalvorstand de Maizière sowie sechs weitere Männer. Geschäftsräume der Commerzbank sowie zehn weitere Objekte in Deutschland seien am vergangenen Dienstag und Mittwoch durchsucht und dabei Unterlagen sichergestellt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Samstag. Zur Größenordnung des Falls sagte die Sprecherin nur, es gehe um höhere Summen. Es sei auch nicht auszuschließen, dass weitere Institute in den Fall verwickelt seien. Die Ermittlungen würden voraussichtlich Monate dauern. Der Schaden sei noch nicht abzuschätzen.

Nach Angaben der Commerzbank werden fünf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Geldwäsche verdächtigt. Diese hätten in den 90er-Jahren für die Bank in Osteuropa gearbeitet. Bei den Ermittlungen, die bereits vergangenes Jahr aufgenommen worden waren, geht es laut den Ermittlern um veruntreutes Geld aus dem Verkauf russischer Telekommunikationsunternehmen. Über eine Gesellschaft in Frankfurt sei das Geld jahrelang gewaschen und ins Ausland geschleust worden. Dabei soll ein Fondssystem zur Tarnung aufgebaut worden sein. Bei der Commerzbank habe es Konten gegeben. „Es ist ein kompliziertes Firmengeflecht“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Auch in Zürich sind in der vergangenen Woche Räume der Commerzbank durchsucht worden. Zahlreiche Unterlagen wurden beschlagnahmt und nach Deutschland geschickt, wie die Staatsanwaltschaft in der Schweiz bestätigte. Grundlage seien „Verdachtsmomente auf Untreue-Handlungen zum Nachteil der Russischen Föderation, wobei Vermögenswerte über Scheingesellschaften, verdeckte Treuhand-Verträge und Beteiligungsverhältnisse“ in verschiedene Fonds überführt worden seien.

Der 55-jährige de Maizière war vor einer Woche „aus persönlichen Gründen“ als Personalvorstand der Commerzbank zurückgetreten. In Finanzkreisen war zunächst spekuliert worden, der Manager habe als Spätfolge der schlagzeilenträchtigen Kündigung der Betriebssrenten vor anderthalb Jahren seinen Hut nehmen müssen. De Maizière war zeitweise für das Mittel- und Osteuropa-Geschäft der Commerzbank zuständig gewesen. Die Staatsanwaltschaft hält ihn jedoch nicht für den Alleinverantwortlichen, sondern spricht von einer Gruppe von Tätern, die über mehrere Jahre agiert habe. De Maizière war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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