Ermittlungen gegen Großbanken: Ich weiß, was du letzten Sommer manipuliert hast

Ermittlungen gegen Großbanken
Ich weiß, was du letzten Sommer manipuliert hast

Weltweit arbeiten Finanzaufseher an der Aufdeckung eines Devisenskandals. Dabei durchforsten sie Mails und Chats von Bankmitarbeitern und verhängen womöglich Milliardenstrafen. Im Visier sind auch HSBC und Deutsche Bank.
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DüsseldorfChat-Protokolle und E-Mails der Mitarbeiter von Banken sind die Schätze, die Milliarden wert sind. Ob im Streit um Ratingagenturen, den Ermittlungen wegen manipulierter Zinssätze oder jetzt in den Ermittlungen wegen möglicher Devisenmarktmanipulation: Die Finanzaufseher dieser Welt stützten sich vor allem auf verräterische Kommunikation von Händlern und Mitarbeitern. Fundstücke mit Sprengkraft lesen sich so:

Aktuell durchforsten die Ermittler unter Leitung des US-Justizministeriums solche Protokolle nach Verstößen auf dem Devisenmarkt, dem größten Finanzmarkt der Welt. Noch ist unklar, welche Vorfälle es genau gegeben hat, aber mehrere große Banken haben bereits leitende Mitarbeiter beurlaubt. Marktführer im weltweiten Devisenhandel ist die Deutsche Bank – eine Sonderprüfung durch die deutsche Finanzaufsicht Bafin gilt daher als möglich.

Finanzaufseher nehmen Kreisen zufolge beispielsweise einen Gruppen-Chat von leitenden Händlern bei Banken wie Barclays, Citigroup, Royal Bank of Scotland und UBS unter die Lupe. Die Prüfung der Chat-Protkolle finde im Zusammenhang mit einer möglichen Marktmanipulation statt. Am Montag bestätigte die britisch-asiatische Großbank HSBC ebenfalls Teil der Untersuchung zu sein. „Wir kooperieren bei den Ermittlungen, die sich in einem frühen Stadium befinden“, so das Institut. Es wird in der Branche spekuliert, dass die Strafen sogar höher ausfallen könnten als in den Libor-Verfahren. Wegen dieser Manipulationen waren außergerichtliche Vergleich in Höhe von einer Milliarde Dollar pro Bank keine Seltenheit.

Dass die Behörden verräterische Kurznachrichten finden können, liegt in den strengen Auflagen der US-Börsenaufsicht begründet. Ein Bilanzbetrug hatte um die Jahrtausendwende den US-Energiehändler Enron in die Pleite gestürzt. Als Folge wurden für Wirtschaftsprüfer und Banken die Vorschriften verschärft, welche Kommunikation sie archivieren müssen. Nach der Finanzkrise die Vorgaben noch weiter konkretisiert. Bankmitarbeiter sind seitdem zum offenen Buch für die Behörden geworden: E-Mails, professionelle Chaträume in Handelscomputern, soziale Netzwerke, die Webnutzung – alles wird protokolliert (Einige der einschlägigen Regeln dazu: 17a-4 SEC, 204-2 SEC, FINRA).

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  • Haftstrafen sind das einzige Mittel.
    Geldstrafen belohnen den Staat, der die Gelder erhält, für dessen nicht durchgeführte Bankaufsicht ..
    ein perfides Spiel und die Kunden müssen ohnedies für alles zahlen!

  • Dagegen sind nur Haftstrafen sinnvoll. Strafgelder werden sowieso wieder auf die Kunden übertragen!
    Und der Staat, der seine Aufsichtsfunktion nicht ausgeübt hat, sollte sich nicht erdreisten, auf das Eigentum der Bürger loszugehen, so wie es der IWF, die BC Group und auch das DIW schon gefordert haben.
    Da müssten sogar die Politiker für die Unterlassung der Aufsichtsfunktion noch haftbar gemacht werden. Schließlich ist dieser ganze Mist nicht erst seit gestern bekannt.

  • Im Bankensystem konnte man sich bisher fast immer kollektiv mit Geldstrafen frei kaufen.
    Meiner Meinung nach, sollten die Millionen oder Milliarden die an Geldbußen bezhalt werden, von den Bankern in Sozialstunden abgeleistet werden! Das heißt, sie müssten (auch persönlich) für den Rest ihres Lebens dafür bezahlen! Das wäre gerecht!

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