Erschließung neuer Märkte: Die Kuhpolice für zehn Dollar

Erschließung neuer Märkte
Die Kuhpolice für zehn Dollar

Große Versicherer wie AIG und Allianz haben das kleinteilige Geschäft in Schwellen- und Entwicklungsländern entdeckt, weil es große Wachstumschancen bietet. Um diese Märkte zu erobern, denken sich die Anbieter ganz neue Policen aus: Für Prämien ab 50 Cent versichern sie alles vom Fernsehgerät bis zu den Begräbniskosten. Aber es ist nicht so, dass das Geschäft ohne Hürden wäre.

Es fängt an wie die typische Geschichte mit der Garage. Der US-Versicherungsriese American International Group (AIG) hat im vergangenen Jahr in der staubigen indischen Stadt Jhalawar ein Büro eröffnet, eben von der Größe einer Garage. Bald ist hier folgendes Angebot zu finden: eine Police, mit der eine Kuh für eine Jahresprämie von zehn Dollar gegen vorzeitiges Ableben versichert wird.

Große Versicherer wie AIG und Allianz haben das kleinteilige Geschäft in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Indien, Rumänien oder Nicaragua entdeckt, weil es große Wachstumschancen bietet. Dazu müssen die Versicherer den Menschen in abgelegenen Gebieten erst einmal beibringen, was ein Versicherungsvertrag ist. Und manchmal, wie im Norden Ugandas, gibt es Gegenden, wo in der örtlichen Sprache überhaupt kein Wort für „Versicherung“ existiert.

Um diese Märkte zu erobern, denken sich die Anbieter ganz neue Policen aus: Für Prämien ab 50 Cent versichern sie alles vom Fernsehgerät bis zu den Begräbniskosten. Dabei verzichten sie sogar auf Kleingedrucktes, denn sie verkaufen bisweilen Lebensversicherungen an Personen, die ihr Geburtsdatum nicht kennen - und ohne medizinische Prüfung, weil es die in weiten Landstrichen einfach nicht gibt.

Die Anbieter verlassen sich nicht völlig auf ihre Vertreter, sondern sie arbeiten in manchen Bereichen mit Nonprofit-Organisationen zusammen, die Mikrokredite vertreiben. Viele dieser Organisationen vermitteln ihren wenig zahlungskräftigen Kunden mit dem Darlehen eine Art Restschuldversicherung, die greift, wenn der Kreditnehmer stirbt. So hat AIG zum Beispiel rund 2,25 Millionen Lebenspolicen an Mikrokredit-Kunden verkauft, vorwiegend in Uganda, Mexiko, Indien und Brasilien.

Das Thema „Micro-Finance“ hat Konjunktur. Der Pionier auf diesem Gebiet, der Bangladescher Mohammed Junus erhielt vergangenes Jahr für das Konzept seiner Grameen Bank den Friedensnobelpreis. Und die großen Banken wie auch die Versicherer sind auf den Zug aufgesprungen.

Die Versicherungsbranche nahm 2005 weltweit rund 3,4 Billionen Dollar an Prämien ein. Das Wachstum betrug insgesamt nur 2,5 Prozent, wie die Swiss Re ermittelte, der weltgrößte Rückversicherer. Das liegt daran, dass der Hälfte des Marktes auf reife Volkswirtschaften wie USA und Japan entfällt, wo das Wachstum weitgehend ausgereizt ist. Zum Vergleich: Die Steigerungsraten in den Schwellenländern waren mit fast sieben Prozent fast dreimal so hoch. In den aufstrebenden Ländern boomt die Wirtschaft, und so können sich immer mehr Menschen Autos oder sogar Häuser leisten. Das alles will versichert sein.

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