Erst Buchprüfung, dann Stresstest
Aufseher schauen bei Euro-Banken zweimal hin

Die Aufseher sind sich einig: Erst werden die Bücher der großen europäischen Banken geprüft, der ursprünglich für diesen September geplante Stresstest folgt dann 2014. Die deutsche Kreditwirtschaft begrüßt den Vorstoß.
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FrankfurtDie EU-Bankenaufsicht EBA hat ihren nächsten Stresstest für die großen europäischen Banken auf das kommende Jahr verschoben. Dennoch müssen sich die Institute innerhalb der nächsten zwölf Monate zweimal kurz hintereinander auf Herz und Nieren prüfen lassen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB), die Mitte 2014 offiziell die Aufsicht über die rund 130 wichtigsten Banken in den 17 Euro-Ländern übernehmen soll, will vor dem Stresstest die Bücher dieser Institute gründlich prüfen lassen. Damit will sie unliebsame Überraschungen in den Bilanzen vermeiden und sicherstellen, dass in den Büchern schlummernde Altlasten nicht vom geplanten EU-Abwicklungsfonds getragen werden müssen.

Eigentlich hatte die EBA ihren Stresstest für September 2013 geplant, die Vorbereitungen sind bereits angelaufen. Doch die Aufseher fürchteten, dass unterschiedliche Ergebnisse bei der EBA und der EZB mehr Verwirrung stiften als sie zur Beruhigung der Finanzmärkte beitragen könnten. Nun sollen beide Prüfungen aufeinander aufbauen, wie die EBA erklärte. Die Buchprüfung der EZB betrifft rund 25 deutsche Banken, am Belastungstest der EBA nimmt rund ein Dutzend teil. Während bei ersterer nur die Bücher genau unter die Lupe genommen werden, prüft die EBA, wie die Banken Krisenszenarien bestehen würden.

Die deutsche Kreditwirtschaft begrüßt die Verschiebung des Stresstests. „Dies ermöglicht eine Erhebung auf Basis der Daten unter den neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel III), die in den Instituten bis 1. Januar 2014 umzusetzen sind“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes Deutsche Kreditwirtschaft. „Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Stresstestergebnisse.“

Der genaue Zeitplan soll erst festgezurrt werden, wenn das Gesetz über die Bankenunion verabschiedet ist. EZB-Ratsmitglied Yves Mersch sagte am Freitag in London, die Bestandsaufnahme der Bilanzen könne zwischen Sommer 2013 und Anfang 2014 stattfinden. Doch bis dahin haben die Bankenaufseher bei der EZB ihre Arbeit noch gar nicht aufgenommen. Um die Glaubwürdigkeit der Resultate zu erhöhen, könnten für die größten Institute auch unabhängige Experten hinzugezogen werden. Für alle anderen sind die nationalen Aufseher zuständig - nach einheitlichen Bewertungsmaßstäben.

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  • Es muss das Prinzip gelten:

    Wer zuständig ist, muss verantwortlich sein.
    Wer nicht verantwortlich ist, kann nicht zuständig sein.

    Würde dieses Prinzip in Deutschland in der Praxis gelten, wäre vieles besser und viele, um nicht zu sagen alle Behörden, arbeitslos!

  • Sie haben Recht!

    Wenn man eine effiziente Bankenaufsicht machen wollte, dann müsste man zu allererst die Grundlagen, auf denen sie aufbauen soll, bereinigen. Das ist ihr und mein Vorschlag auch.

    Bankenaufsicht baut sehr stark auf der Bilanzierung auf. Hier müsste der Hebel angesetzt und Lobbyregelungen entrümpelt werden.

    Es ist jedermann bekannt, dass Investoren und Banken gewaltige Summen an Eigenkapital in Staatsanleihen verloren haben und de EZB immer größer werdende Pakete an Staatsanleihen aufkaufen muss. Solange die Politik diese Verluste, diese Rsiken aufsichtsrechtlich versucht zu negieren, brauchen wir über das Thema Bankenaufsicht erst garnicht nachzudenken.

    Der Bundestag will der Universalbank den Garaus machen. Das ist nicht korrekt, aber zur Rettung der Einlagen unumgänglich. Wenn fortan das Trennbankenprinzip gelten soll, dann muss man es auch richtig umsetzen! Es muss verhindert werden, dass die kommerzielle Bank nicht zum Aderlass für die Investmentbank benutzt wird. Das Hedgeaccounting oder Paragr. 39 IAS muss z.G. der Investmentbank unterbunden werden. Dazu ist fachliches Know how erforderlich.

    Das eigentliche Problem liegt m.E. darin, dass der Einfluss der Lobbyisten unkontrolliert Überhand genommen hat. Lobbyismus ist ja im Grunde nicht schlecht, aber er darf nicht kriminell unterwandert werden. Die beratenden Berufe haben den Lobbyismus als Marketing für eigenes Beratungsangebot entdeckt. Die staatliche Bürokratie war und ist nicht in der Lage kriminelles von sachlichem Handeln zu unterscheiden. Derzeit ist diese staatliche Bürokratie wegen Unfähigkeit voll entbehrlich.

    Es gibt zuviele, die ein Interesse an einer ineffizienten Bankenaufsicht, vergleichbar einem schwachen Bundesrechnungshof haben.

    Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen, Ministerien und Aufsichtsbehörden müssen entrümpelt, die Abgeordnetenkorruption im Strafgesetzbuch endlich verankert werden. Es muss das Prinzip der Verantwortlichkeit eingeführt werden.

  • Das Geschäftsmodell der groosen Banken ist BILANZBETRUG.
    Wer will da was überprüfen, in diesen Büchern die nichts mehr hergeben ausser modifizierten Lügen unterschiedlichster Couleur. Die wahren Risiken tauchen in den Bilanzen doch gar nicht auf. Im Übrigen sind bis 2014 die Aktienkurse doch um mindestens 40 Prozent eingebrochen und Japan völlig am Ende.
    Viel Spaß noch ihr Regulierer.

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