Erste Group: Österreichische Bank holt ungarischen Staat an Bord

Erste Group
Österreichische Bank holt ungarischen Staat an Bord

Die österreichische Bank erste Group zieht die Konsequenzen aus den jahrelangen Verlusten im Ungarn-Geschäft. Das Institut holt den ungarischen Staat und die Entwicklungsbank EBRD an Bord.
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Budapest/WienNach langen Querelen über hohe Steuern und staatliche Zwangsmaßnahmen beendet die Erste Group ihren Streit mit der ungarischen Regierung: Ungarn und die europäische Entwicklungsbank EBRD beteiligen sich mit jeweils bis zu 15 Prozent an der Ungarn-Tochter des Sparkassen-Spitzeninstituts. Eine entsprechende Absichtserklärung haben die Partner am Montag in Budapest unterzeichnet. Im Gegenzug kündigte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban an, die Bankensteuer ab 2016 in mehreren Schritten zu senken. Die Aussicht auf geringere Abgaben in Ungarn beflügelte die Aktien von Branchenprimus OTP sowie von Erste Group und Raiffeisen Bank International.

Das Bündnis der Erste Group mit dem Staat kommt überraschend. Wie viele ihrer Konkurrenten schreibt das Sparkassenspitzeninstitut in dem Land seit Jahren Verluste. Grund dafür sind die vergleichsweise hohen Bankensteuern sowie wiederholte Zwangsmaßnahmen der Regierung bei umstrittenen Fremdwährungskrediten. Die Banken mussten hier hohe Zusatzkosten schultern. Allein im dritten Quartal 2014 schrieb die Erste Group in Ungarn einen Verlust von 228 Millionen Euro.

Doch all das scheint nun Geschichte: Die ungarische Regierung habe zugesagt, „stabile und berechenbare Rahmenbedingungen zu schaffen“, erklärte die Erste. Ungarn verpflichte sich, „keine neuen Gesetze oder Maßnahmen umzusetzen, welche die Profitabilität des Bankensektors negativ beeinflussen könnten“. Im Gegenteil – Ungarn werde die Bankensteuer 2016 um 60 Milliarden Forint (umgerechnet 196 Millionen Euro) senken, kündigte Ministerpräsident Viktor Orban an. Zudem wolle der Staat in den kommenden drei Jahren sämtliche seiner Mehrheitsbeteiligungen an ungarischen Banken an private Investoren verkaufen.

Damit vollzieht die ungarische Regierung eine radikale Kehrtwende. Bis vor kurzem hatte Orban noch erklärt, einen großen Teil des Bankensystems in ungarische Hände bringen zu wollen, um den Einfluss der ausländischen Kreditgeber zurückzudrängen. Im Zuge dessen hatte der Staat zuletzt auch die Übernahme der BayernLB-Tochter MKB angekündigt.

Für die österreichischen Banken sind die neuen Töne höchst willkommen: Sie sind seit Jahrzehnten in dem Land vertreten. Für viele Institute war Ungarn der erste Auslandsmarkt im Osten, den sie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erschlossen haben. Die Aktien von Erste Group und Raiffeisen Bank International legten am Montag jeweils mehr als zwei Prozent zu.

Der Einstieg von EBRD und ungarischem Staat bei der Erste-Tochter soll nun innerhalb der kommenden sechs Monate über die Bühne gehen. Welchen Preis die neuen Eigentümer bezahlen, ist noch offen. Die Mehrheit an dem Institut halte auch künftig die Erste Group, teilte diese mit. Die Entwicklungsbank EBRD werde ihren Anteil nach Ablauf einer Frist wieder abstoßen. Zudem habe sich die Erste habe im Rahmen des Abkommens verpflichtet, die ungarische Wirtschaft mit einem Kreditprogramm von insgesamt 550 Millionen Euro zu stützen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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