Erster Auftritt nach Rücktritt
Der neue Anshu Jain

Anshu Jain erfindet sich neu: Bei seinem ersten großen Auftritt nach dem Rücktritt als Co-Chef der Deutschen Bank gibt Anshu Jain eher einen Makrostrategen als einen Investmentbanker.

LondonSie reden sich langsam warm und sind nach einer Viertelstunde noch immer nicht bei den Themen, auf die viele unter den Zuhörern eigentlich warten. Erst wird der Mann zur allgemeinen Lage auf den Finanzmärkten gefragt, zu Turbulenzen in den Schwellenländern und sinkenden Rohstoffpreisen. Es folgen Themen wie mögliche Risiken im Anleihegeschäft, Liquiditätsengpässe und steigende Volatilität. Und während die ersten unter den Zuhörern schon zu ihren Blackberries greifen und sich ablenken, spricht Bloomberg-Chefredakteur John Micklethwait seinen Interviewpartner endlich auf das ein, was einem bei diesem Mann zuerst einfällt: die Deutsche Bank, sein einstiger Arbeitgeber.

Es ist Anshu Jain, der ehemalige Co-Chef des Frankfurter Geldhauses, der an diesem Dienstag auf dem Podium in einem Konferenzsaal der Nachrichtenagentur in London sitzt. Beim „Bloomberg Most Influential Summit“ ist er an diesem Morgen der erste unter den hochrangigen Rednern aus der Finanzbranche, der auf die Bühne darf. Und es ist sein erster großer Auftritt seit seinem Rücktritt bei der Deutschen Bank Mitte des Jahres.

Im dunklen Anzug und einem weißen Hemd sitzt er auf der Bühne. Erst streicht er immer wieder seine blaue Krawatte glatt, doch nach und nach entspannt er sich, als er über die Weltwirtschaft sinniert. In den USA habe sich eigentlich nichts an der guten Wirtschaftslage geändert, in Europa seien die Wachstumserwartungen etwas höher. In Asien und den anderen Schwellenländern sei das Bild dagegen deutlich komplexer.

„Aber nein, ich will nicht alarmistisch klingen“, betont er. Die Lage sei nicht so schlimm wie vor der Asienkrise Ende der 90-er Jahre. Und auch die Anleihemärkte, die etlichen Experten und Investoren Sorgen bereiten, seien eigentlich in einem guten Zustand. „Aber man muss sie eben ganz genau beobachten“, sagt Jain. Denn ihre Robustheit und ihr Zustand sei seit der Finanzkrise noch nicht auf die Probe gestellt worden.

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