„Es macht mich krank“
Insider rechnet mit Goldman Sachs ab

Es ist eine beispiellose Attacke: Ein scheidender Mitarbeiter von Goldman Sachs rechnet öffentlich mit den Praktiken der Investmentbank ab. Er beschreibt eine Kultur, in der Kunden rücksichtslos abgezockt werden.
  • 28

New York/WashingtonDass Goldman Sachs spätestens seit der Finanzkrise ein Imageproblem hat, ist erst einmal nichts Neues. Die sagenumwobene Investmentbank sei raffgierig, so das Klischee, beeinflusse die Politik nach ihren Wünschen und erziele ihre Gewinne nicht selten auf Kosten der eigenen Kunden. „Eine Vampirkrake im Antlitz der Menschheit“, nannte der Journalist Matt Tiabbi das Institut in einem Aufsehen erregenden Artikel. Bislang kam solche Kritik stets von außen, von Regulierern, Kunden, Medien oder aus der Occupy-Bewegung.

Jetzt aber hat erstmals ein Insider öffentlich mit Goldman Sachs abgerechnet – und zwar mit maximaler Wucht. In einem Aufsatz für die „New York Times“ vom Mittwoch prangert ein hochrangiger Angestellter eine „giftige und zerstörerische“ Kultur an, die bei seinem Arbeitgeber herrsche. Es gehe nur noch darum, aus jedem Geschäft so viel Geld wie möglich herauszupressen, ohne Rücksicht auf die Interessen der Kunden, kritisiert Greg Smith, ehemals verantwortlich für das US-Derivategeschäft in Europa, Nahost und Afrika. Er habe deshalb nach zwölf Jahren seine Firma verlassen. Der Vorstand des Unternehmens wies die Vorwürfe in einer E-Mail an die Beschäftigten des Unternehmens zurück.

„Es macht mich krank, wie kaltschnäuzig die Leute darüber sprechen, wie sie ihre Kunden abzocken“, hatte Smith geschrieben. Im vergangenen Jahr habe er es fünf Mal erlebt, dass Goldman-Mitarbeiter ihre Kunden in E-Mails „Muppets“ nannten. „Ich erlebe Meetings, in denen nicht eine einzige Minute lang danach gefragt wird, wie wir Kunden helfen können.“ Interessant sei lediglich, wie man an ihnen das meiste Geld verdienen könne. Schuld daran seien die falschen Anreize: Karriere mache bei Goldman, wer die meisten Schrottpapiere verkaufe – zu möglichst hohen Gewinnen.

Die Kritik passt zu den Vorwürfen, Goldman habe Kunden zweifelhafte Produkte als lohnende Investition verkauft und gleichzeitig auf den Wertverfall der Papiere gewettet. In diesem Zusammenhang wurden Manager der Bank vor einen Kongressausschuss zitiert, und es hagelte Klagen gegen die Firma. In einem Vergleich zahlte Goldman vor zwei Jahren mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Seite 1:

Insider rechnet mit Goldman Sachs ab

Seite 2:

„Ich wusste, es ist Zeit zu gehen“

Kommentare zu " „Es macht mich krank“: Insider rechnet mit Goldman Sachs ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • 1)Beziehung zwieschen GS und Stantard and Poors
    2)Griechische SWAPS 2001("geheime Schulden-Maastrich Kriterien") und GS.Belgien ebenso,Portugal auch.Wer moch?
    3)Reise von Leute der GS nach Griechenland(nur?) und Erpressung der gr Regierung für mehr SWAPS.
    3)Ablehnung der gr Regierung.
    4)Kurz danach Herabstufung Griechenlands von St.and P.
    Pandoras Box ist geöffnet.
    4)Aktionäre von St.and P? Von Goldman Sachs?

  • Früher war es durchaus auch üblich, dass die Kunden nicht auf alternative, besser verzinsliche Geldanlagen hingewiesen wurden, weil die Sparkassenvorstände nach der Höhe der Spareinlagen bezahlt wurden.

    Das sind 50 Jahre her.

    Wenn Sie es so wollen, dann war es nie anders. Nur Begriffe wurden ausgetauscht.

  • Glauben Sie nicht, dass es bei anderen Instituten anders wäre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%