Eskalation der Euro-Krise
Das große Zittern der US-Banken

An der Wall Street fürchten sich die Banker längst nicht mehr nur vor den Problemen im eigenen Lande. Die Eskalation der Euro-Krise gibt auch jenseits des großen Teiches Anlass zur Furcht.

New YorkAn der Wall Street geht die Angst um. "Einige Banken haben das Vertrauen ihrer Investoren verloren und das kann böse enden", sagt ein Investmentbanker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die größten Sorgenkinder der US-Finanzszene sind derzeit Branchenprimus Bank of America und die zweitgrößte Investmentbank, Morgan Stanley. Sie stehen jeweils für einen der beiden Hauptkrisenherde an US-Finanzmeile.

Bank of America ist Ziel von milliardenschweren Schadensersatzklagen wegen angeblicher Betrügereien in den Zeiten des Hypothekenbooms. Morgan Stanley rückte erst kürzlich in den Fokus, weil sich Spekulationen hielten, das Engagement der Investmentbank in Frankreich und die Geschäfte mit den wegen der Griechenland-Krise angeschlagenen französischen Banken könne das Traditionshaus in den Abgrund reißen.

Die Gemeinsamkeit: Das Management beider Banken beteuert, die Probleme im Griff zu haben. "Aber es glaubt ihnen keiner, weil die Risiken so komplex sind, dass sie keiner durchschaut und allgemein Panik herrscht", sagt Dick Bove, Analyst bei Rochedale Securities. Und den anderen Banken gehe es letztlich ähnlich, nur seien sie derzeit nicht so im Fokus.

Nach außen demonstriert die Wall Street relative Gelassenheit und Einigkeit. Die Analysten der großen Institute schreiben in ihren Studien fast durchweg, dass sie - etwa für Morgan Stanley und deren Engagement von rund 29,3 Milliarden Dollar in Frankreich - keine Probleme sehen. "Angesichts einer Kapital- und Liquiditätsausstattung von allein 182 Milliarden Dollar in Barreserven dürfte Morgan Stanley signifikantem Stress in den Märkten widerstehen können", urteilt Goldman-Sachs-Analyst Dan Harris in seiner jüngsten Studie. Mit Blick auf die Branche heißt es trotz deren Risiken von geschätzt 641 Milliarden Dollar gegenüber Europa in der gleichen Analyse entwarnend: "Die US-Banken sind mit übermäßig viel Liquidität ausgestattet und haben kurzfristig minimalen Bedarf an Refinanzierung."

Hinter vorgehaltener Hand hört man an der Wall Street aber andere Töne. "Wenn Griechenland insolvent wird und Frankreich und seine Banken in den Abgrund reißt, weiß niemand, welche Geschäftspartner ausfallen und wo sich überall Löcher auftun. Da kann man zehnmal behaupten, das Gesamtengagement der US-Banken gegenüber Europa sei abgesichert und überschaubar", sagt der Analyst einer großen Finanzadresse in New York.

Schlimm sei, dass die US-Banken versuchten, ihr Engagement in europäischen Wertpapieren zu verkaufen. "Am liebsten würde man demnächst vor die Aktionäre treten und sagen, dass man gar kein Europa-Risiko mehr hat." Gleichzeitig würden die europäischen Institute in Dollar gehandelte Portfolios in den USA abstoßen, um sich Liquidität zu verschaffen. Dadurch drehe sich die Abwärtsspirale an den Märkten immer schneller. Weil weder Banker noch Investoren wüssten, wie lange das anhalte, glaube niemand irgendwelchen Prognosen. Deshalb halte der Kursverfall der US-Bankaktien an.

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