Ethikbank-Chef im Interview
„Sachliche Kritik muss auch erlaubt sein“

Bei der Volksbank Eisenberg und ihrer Tochter Ethikbank sind am Mittwoch Filialen und Telefone verwaist: Mitarbeiter und Chef Klaus Euler protestieren in Berlin. Der überzeugte Genossenschaftsbanker erklärt, warum.

FrankfurtAusgerechnet vor dem eigenen Lobbyverband machen am Mittwoch die Mitarbeiter der Volksbank Eisenberg aus Thüringen ihrem Unmut über zu viel Regulierung und zu niedrige Zinsen Luft. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) allerdings hält wenig vom Streik. Er könne die Aktion nicht nachvollziehen, im Zweifel ernte man Mitleid, sagte BVR-Präsident Uwe Fröhlich kürzlich. Das sieht der Chef der Volksbank Eisenberg und ihrer Tochter, der bundesweit tätigen Ethikbank - eine auf alternative Geldanlagen spezialisierte Direktbank, ganz anders.

Herr Euler, wie kamen Sie denn auf die Idee eines Streiks? Eigentlich streiken ja nur die Beschäftigten, wenn Gewerkschaften Streiks organisieren, nicht aber ein ganzes Unternehmen.
Es war nicht meine Idee, sondern die einiger Mitarbeiter, die mit der ganzen täglichen Bürokratie zurecht kommen müssen. Sie haben vorgeschlagen, dass in diesem Fall einmal der Arbeitgeber und alle Arbeitnehmer streiken sollen. Ein Beispiel für die Bürokratie: Wir sind mitten in der Umsetzung der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Künftig müssen wir jedem Kreditnehmer bei einer ganz normalen Baufinanzierung im Laufe des Kreditvergabeprozesses rund 290 Seiten Papier aushändigen. Der Gesetzgeber erwartet, dass der Kunde das alles liest und auch versteht.

Was genau haben Sie jetzt vor?
Bei der Volksbank Eisenberg sind die vier Filialen geschlossen, auch bei der Ethikbank ist am Mittwoch niemand erreichbar – weder persönlich noch per Telefon oder E-Mail. Wir sind am Morgen um 6 Uhr mit dem Bus in Richtung Berlin gestartet. Unsere rund 70 Mitarbeiter sind dabei. Der Vorstand hat einen Termin beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Und wir werden heute Vormittag vor dem BVR demonstrieren.

Der BVR scheint nicht so glücklich mit dem Streik zu sein. Und Sie hatten kritisiert, dass die Idee der Genossenschaftsbanken sterbe und der BVR zuschaue.
Der BVR ist und bleibt unser Interessenvertreter. Aber sachliche Kritik muss auch erlaubt sein.

Eigentlich müssten Sie doch in Frankfurt vor der EZB oder in Brüssel vor der EU-Kommission demonstrieren.

Unser Job ist es, auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. Wir müssen tun, was wir für richtig halten. Jetzt wollen wir erreichen, dass das Thema – diese Fehlentwicklungen aus Sicht mittelständischer Banken – und ihre dramatischen Folgen mehr und öffentlich diskutiert wird. Dafür ist Berlin das richtige Ziel.

Fürchten Sie nicht, dass Sie Kunden verärgern, wenn heute niemand bei Ihnen erreichbar ist?
Gar nicht. Wir erwarten keine negative Reaktion. Die Kunden haben im Vorfeld großes Verständnis gezeigt. Manche haben sogar angerufen und gefragt, ob sie uns unterstützen können. Die Kunden merken ja auch, dass es durch die Regulierung viel zu viel Bürokratie gibt.

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