EU-Beschluss
Blessing von Boni-Deckelung wenig beunruhigt

Der Beschluss der EU, die Boni von Bankern zu begrenzen, trifft nicht nur auf Ablehnung. Einige Geldinstitute wie Commerzbank und HSH Nordbank reagieren gelassen auf diesen Schritt.
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BerlinDie europäische Einigung auf eine Begrenzung der Banker-Boni trifft neben vielfältiger Kritik auch auf Verständnis in der deutschen Banken-Landschaft. Commerzbank-Chef Martin Blessing sagte am Freitag in Berlin, von allen derzeit heiß diskutierten Regulierungsthemen sei dies dasjenige, das ihn am wenigsten beunruhige. Der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Thomas Mirow, räumte ein, dass man aus politischen Gründen wohl diesen Weg gehen müsste. Er äußerte aber Zweifel daran, ob dieser Schritt die Banken weniger risikoträchtig mache. Die deutsche Regierung begrüßte die Einigung auf das Regulierungspaket für Banken in Brüssel, das die Deckelung der Bonuszahlungen beinhaltet.

Das Europäische Parlament hatte sich in der Nacht zum Donnerstag mit der irischen EU-Präsidentschaft und der Kommission unter anderem darauf verständigt, dass ab nächstem Jahr die variable, erfolgsabhängige Vergütung von Bank-Managern begrenzt werden soll. Im Grundsatz soll sie das Fixgehalt nicht mehr übersteigen. Stimmen die Aktionäre zu, soll der Bonus aber maximal doppelt so hoch ausfallen können. Die Regelung ist Teil eines umfassenden Pakets, das auch höhere Kapitalanforderungen an Banken (Basel III) umfasst. Ziel all dessen ist es, die Banken und das Bankensystem weniger krisenanfällig zu machen.

Commerzbank-Chef Blessing verwies auf einer Veranstaltung der „Hertie School of Governance“ darauf, dass sich die Politik nach der reinen ordnungspolitischen Lehre aus solchen Preisbildungsprozessen an Märkten heraushalten sollte. Schaue er sich aber die Realität an, dann habe er Zweifel, ob die Märkte immer alles 100-prozentig richten könnten.

HSH-Nordbank-Aufsichtsratschef Mirow räumte ein, er könne nachvollziehen, das man aus politischen Gründen diesen Weg der Boni-Beschränkung gehe. Ob er aber die erhoffte Wirkung zeige, daran zweifle er. Vermutlich würden nun die Fixbehälter, die Bezugsgröße für die Boni, erhöht oder auch verstärkt Vergütungszahlungen über neue Gesellschaften in Ländern geleitet, etwa in der Karibik, in denen es keine Beschränkungen gibt.

Für problematischer als die Bonus-Begrenzung hält Blessing nach eigenen Worten die Pläne für eine Abtrennung risikoreicher Investmentgeschäfte von traditionellen Kundengeschäften und mehr noch, die geplanten strafrechtlichen Verschärfungen für die Haftung von Banken-Managern bei hochriskanten Geschäften.

Die Bundesregierung begrüßte die jüngsten Fortschritte auf europäischer Ebene bei der Banken-Regulierung. Der Kompromiss dazu sein ein wichtiger Schritt nach vorne, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus. Es sei versucht worden, den Bedenken der EU-Mitgliedstaaten so weit wie möglich Rechnung zu tragen, sagte Kotthaus. „Wir werden jetzt sehen, wie sich der Finanzministerrat am Dienstag dazu aufstellt.“ Ziel der Bundesregierung sei es, die Beratungen über das Paket, die sogenannte CRD-IV-Richtlinie, schnellstmöglich abzuschließen.

Ziel des Regulierungspakets ist die bessere Absicherung der Banken gegen Risiken, damit nicht wieder die Steuerzahler Banken mit Milliarden vor der Pleite retten müssen. Widerstand gegen die neuen Bonus-Regeln kommt noch aus Großbritannien mit seinem Finanzstandort London. Auch der Verband der der privaten Banken in Deutschland hatte von einer „unangemessenen Bevormundung der Eigentümer“ gesprochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EU-Beschluss: Blessing von Boni-Deckelung wenig beunruhigt"

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  • @Santos
    Wie Dumm muss man denn sein, dass man die deutsche Staatsbuergerschaft nicht entzogen bekommt?
    Es ist doch einzig und alleine den banken ueberlassen, wie sie mit ihrem Geld umgehen!
    Voraussetzungf ist alleine, dass sie ihre Verluste nicht der allgemeinheit aufbuerden, sondern denjenigen, denen die Bank gehoert, oder die Anteile an diesen Zockerbuden haben! Alles Andere ist Marktwirtschaft und ok!
    Was jetzt aber passiert, juckt keinen einzigen banker, weil es ein absolut abgekartetes Spiel ist und in vollem Einverstaendnis der Betroffenen und ohne irgendeinen Nachteil fuer sie diese Nebelkerze fuers Volk fabriziert wurde!
    Aber der deutsche Trottel begreift ja sowieso nichts, weshalb die ganze Muehe ein solches Paket zu schnueren, eh nur fuer die anderen Voelker gemacht wurde!

  • Boni sollte es üblicherweise nur für erfolgreiches Handeln geben; daß Herr Blessing daher von einer Deckelung dieser Boni wenig beunruhigt ist, überrascht daher nicht, schließlich sollte er gar nicht zum Kreis der Betroffenen gehören.

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