EU-Finanzkrise
Griechenland kostet Commerzbank Millionen

Die Rettung Griechenlands belastet die Commerzbank offenbar wohl mehr als jede andere europäische Großbank. Das Bankhaus hat laut Insidern im zweiten Quartal im großen Stil griechische Staatsanleihen abgeschrieben.
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Frankfurt Die zweitgrößte deutsche Bank habe im zweiten Quartal auf ihren drei Milliarden Euro schweren Bestand griechischer Staatsanleihen mehr als 700 Millionen Euro abgeschrieben, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Wertberichtigung dürfte nach Schätzungen von Analysten den Gewinn vor Steuern fast vollständig auffressen. Die Bank legt am kommenden Mittwoch ihre Quartalszahlen vor. Sie wollte sich am Donnerstag nicht zum Umfang der Abschreibungen äußern.

Der größte Teil der griechischen Papiere der Commerzbank - zumeist langlaufende Bonds mit einer Restlaufzeit von mindestens 15 Jahren - liegt im Bankbuch, wo sie bisher noch zu Buchwerten angesetzt werden konnten. Nach der Umschuldung Griechenlands fordern die Wirtschaftsprüfer aber Abschreibungen. Französische Banken, die viele dieser Papiere in den Büchern halten, hatten nur die Staatsanleihen wertberichtigt, die bis Ende 2020 fällig werden. BNP Paribas schrieb 534 Millionen Euro ab, Societe Generale 395 Millionen Euro. Die Begrenzung auf bestimmte Laufzeiten ist bei den Prüfern aber umstritten.

Die Commerzbank hat den Kreisen zufolge deshalb auch länger laufende Papiere in die Wertkorrektur einbezogen. Die Deutsche Bank, die das Rettungspaket maßgeblich mitgeschnürt hatte, schrieb auf ihre Anleihen 21 Prozent ab - insgesamt 155 Millionen Euro. Die Commerzbank habe sich dazu entschlossen, in Teilen noch mehr abzuschreiben, sagten zwei Insider. Bankchef Martin Blessing könne daran gelegen sein, die Belastungen 2011 zu verbuchen, um auf der sicheren Seite zu sein und das Gewinnziel von vier Milliarden Euro für das kommende Jahr nicht zu gefährden. Für das laufende Jahr hat sich die Commerzbank nur auf eine nicht näher bezifferte Steigerung des Gewinns festgelegt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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