EU-Finanzminister
Bangen um Stresstest-Ergebnisse

Am Freitag sollen der europäische Bankenstresstest vorgestellt werden – doch schon jetzt wird klar, wer zittern muss.
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Brüssel/Madrid Wenige Tage vor der Veröffentlichung des diesjährigen Banken-Stresstests zeichnen sich die ersten Durchfall-Kandidaten ab. Einem Bericht der spanischen Zeitung „ABC“ zufolge sind allein sechs Institute des Landes durch die Belastungsprobe gerasselt, davon fünf der kapitalschwachen Sparkassen. Auch die österreichische ÖVAG gilt als Wackelkandidat. Insgesamt wird mit einer zweistelligen Zahl von Durchfallern unter den 91 Teilnehmern gerechnet. Institute, die den Test nicht oder nur knapp bestanden haben, sollen nach dem Willen der EU ihre Eigenkapitalquoten binnen weniger Monate erhöhen, um sich besser gegen Krisen zu wappnen.

Die EU-Finanzminister wurden am Dienstag in Brüssel vorab über die Ergebnisse informiert, erst am Freitagabend sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Minister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte nach dem Treffen: „Wenn in Deutschland ein Finanzinstitut betroffen sein solte, wären wir mit dem Restrukturierungsgesetz gut vorbereitet.“ Reuters-Informationen aus Bankenkreisen zufolge haben alle deutschen Banken die Hürde von fünf Prozent hartem Kernkapital auch unter widrigen Umständen übersprungen, die beiden Landesbanken HSH und NordLB liegen aber nur knapp darüber.

Grünes Licht für HSH Nordbank

Die HSH Nordbank sieht Finanzkreisen zufolge dennoch keine Notwendigkeit, frisches Kapital aufzunehmen. Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte die Maßnahmen zum Abbau der Risiken in der Bilanz, die die Hamburger Landesbank der EU angeboten hatte, nicht in dem Stresstest berücksichtigt. Die EU-Kommission gab am Dienstag vorläufig grünes Licht für ihre Restrukturierung. Die NordLB hatte bereits frisches Kapital aufgenommen. Auch die italienischen Banken und ihre Aufseher haben bereits Entwarnung gegeben.

Die neu geschaffene EU-Bankenaufsicht EBA wird dafür kritisiert, dass sie im Stresstest der Einfachheit halber von einer bis Ende 2012 unveränderten Bilanzsumme der 91 teilnehmenden Banken ausgeht. Die geplante detaillierte Veröffentlichung der Risikopositionen von Banken und von hypothetischen Geschäftsprognosen für dieses und das nächste Jahr hat vor allem die deutschen Bankenverbände auf den Plan gerufen. Das schaffe „weder mehr Vertrauen noch mehr Transparenz“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, am Dienstag. Sie erlaube Spekulanten sogar, gegen die einzelnen Banken zu wetten.

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"Noch nie dagewesene Menge an Daten"

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