EU: Sparkasse Köln-Bonn darf sich umbauen

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Sparkasse Köln-Bonn darf sich umbauen

Die EU-Kommission hält die Pläne zur Umstrukturierung der Sparkasse Köln-Bonn für gut und genehmigt dementsprechend die staatlichen Beihilfen in Höhe von 650 Milliarden Euro. Das Institut sei für die Zukunft überlebensfähig, teilten die Wettbewerbshüter in Brüssel mit.
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BRÜSSEL. Künftig wird sich die zweitgrößte Sparkasse Deutschlands auf das Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittelständischen Unternehmenkonzentrieren – Dienstleistungen, die für eine Retailbank typisch sind.

Aus all jenen Geschäftsfeldern und Tochtergesellschaften, die nicht zum Kerngeschäft gehören wird sich das rheinische Institut auf Geheiß der Wettbewerbskontrolleure zurückziehen; dazu gehören zum Beispiel Eigenhandel und Investitionen in strukturierte Produkte. Außerdem wird die Sparkasse ihre Verwaltungskosten deutlich senken. Insgesamt wird die Bilanzsumme der Sparkasse Köln-Bonn durch die Umstrukturierungsmaßnahmen bis Ende 2014 um 17 Prozent gegenüber Ende 2008 verringert.

Mit einer Bilanzsumme von 30 Mrd. Euro ist die Sparkasse Köln-Bonn die zweitgrößte Sparkasse Deutschlands. Sie betreut Privat- und Firmenkunden. Zudem ist die im Wirtschaftsraum Köln-Bonn angesiedelte Sparkasse in der Projektfinanzierung, im Kapitalmarktgeschäft und in anderen Bereichen des Finanzsektors wie der Vermögensverwaltung tätig.

„Der Umstrukturierungsplan sieht auch Änderungen im Bereich der Unternehmensführung vor, damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“, sagte der für Wettbewerbspolitik zuständige Kommissionsvizepräsident Joaquín Almunia. „Die Kreditvergabe an die Realwirtschaft, insbesondere an mittelständische Firmen, wird durch den Umstrukturierungsplan sichergestellt.“ Der konstruktive Dialog mit den deutschen Behörden habe es der Kommission ermöglicht, das richtige Gleichgewicht zu finden.

Im Zuge der Finanzkrise hatte das Geldinstitut zur Stärkung seiner Kapitalbasis eine Kapitalzufuhr in Höhe von 650 Mio. Euro erhalten. Diese Kapitalspritze erfolgte in Form von Genussscheinen und einer stillen Einlage, für die die Investoren eine Vergütung, aber kein Stimmrecht erhalten. Die Genussrechte sind mit einem Kupon von acht Prozent ausgestattet. Die Vergütung für die stille Beteiligung entspricht 12-Monats-Euribor plus 7,25.

Im November 2009 hatt die Kommission eine Untersuchung eingeleitet, um nach den EU-Beihilfevorschriften zu prüfen, ob die geplanten Maßnahmen mit dem Binnenmarkt vereinbar sind (siehe IP/09/1670). In Anbetracht des ab Ende 2008 völlig ausgetrockneten Marktes für Hybridkapitalanleihen hatte die Kommission Zweifel, dass die Vergütungen für die beiden Rekapitalisierungsinstrumente hoch genug waren. Gleichzeitig forderte die Kommission die Sparkasse KölnBonn auf, einen Umstrukturierungsplan vorzulegen, um prüfen zu können, ob die Sparkasse in der Lage sein würde, auch ohne staatliche Unterstützung langfristig rentabel zu wirtschaften.

Nach den eingehenden Untersuchungen stellt die Kommission nun fest: „Die geplante Umstrukturierung gewährleistet die Wiederherstellung ihrer langfristigen Rentabilität, da die Hauptursachen für die Schwierigkeiten – die in der Regionalentwicklung tätigen Tochtergesellschaften und die Volatilität bestimmter Investitionen – durch Veräußerung der betreffenden Investitionen und Tochtergesellschaften und einen sukzessiven Ausstieg aus diesen Aktivitäten angegangen werden.“

Die Sparkasse leiste mit dem Verkauf von Vermögenswerten und die geplanten Kosteneinsparungen einen angemessenen Eigenbeitrag zu den Kosten der Umstrukturierung. Die Verlustteilnahme der privaten Investoren und der Verkauf rentabler Tochtergesellschaften trügen zu einer angemessenen Lastenverteilung bei.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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  • Als kleiner Unternehmer (wiederverkäufer) muß ich leider berichten, daß man von diesem institut keinen Rückhalt erwarten darf.
    Wir waren dort über 20 J. Kunde und wurden, als es zwischendurch wegen der Zahlungsmoral unserer Kunden mal knapp wurde, - es ging um 30.000.- Euro,-in unserer Not trotz guter bWA im Stich gelassen!

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