Euro Finance Week
Fitschens Klartext

Selbstbewusst verteidigt Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, auf der Euro Finance Week den Einfluss seines Instituts. Zu viel Regulierung sei schädlich, große Banken könnten dagegen ein Teil der Lösung sein.
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FrankfurtFragwürdige Hypothekengeschäfte, manipulierte Zinsen, der Prozess mit den Erben des Medienunternehmers Kirch: Die Deutsche Bank muss sich derzeit an vielen Fronten verteidigen. Kein Grund für Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen auf der Euro Finance Week in Frankfurt im Büßerhemd aufzutreten. Im Gegenteil: er versuchte mit kämpferischen Worten sein Institut und die Bankenbranche gegen allzu große Zumutungen der Regulierungsbehörden zu verteidigen.

Das gilt vor allem für die zahlreichen Bemühungen von Aufsichtsbehörden, Banken zu bestrafen, die durch ihre schiere Größe zum Problem für das Finanzsystem werden könnten. „Too big to fail“ nennt man das Problem, dass manche Banken auch mit Steuergeld gerettet werden müssen, weil ihre Pleite zu gefährlich für das Finanzsystem wäre. Das Konzept von „Too big to fail“ „klingt gut, ist nur völlig daneben“, wetterte Fitschen. Es sei an der Zeit damit aufzuhören, „diesen Unsinn zu wiederholen“.

Besser sei es doch einmal über „too strong to fail“ reden, also darüber, dass manche Banken so stark sind, dass sie gar nicht erst in Schieflage geraten. „Größe kann Teil der Lösung sein“, argumentierte Fitschen. Und er verwies – ohne JP Morgan beim Namen zu nennen – an den Handelsskandal der US-Bank in London, den das Institut seinerzeit  etwa sechs Milliarden Dollar Verlust einbrockte. „Glauben Sie, das Unglück in London wäre so glimpflich ausgegangen, wenn es eine schwächere Bank getroffen hätte“, fragte Fitschen rhetorisch.

„Wenn Sie darauf keine Antwort haben, stehen Sie nicht auf sicherem Fundament“, sagte er an die beiden Wirtschaftsprofessoren gewandt, die zuvor vorsichtig Regulierungsvorhaben wie das Trennbankensystem verteidigt hatten. „Wenn Sie die Dinge trennen wollen, dürfen Sie nicht gleichzeitig die Illusion in den Raum stellen, dass die Banken dann  immer noch genauso agieren können wie vorher“, sagte er.

Fitschen mag Politik und Aufsichtsbehörden am deutlichsten kritisiert haben, der einzige war er aber nicht. Auch der Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, Wolfgang Kirsch, plädierte für mehr Augenmaß. „Mein Eindruck ist, die Krise und die Regulatorik verstellen derzeit den Blick auf das eigentliche Bankgeschäft“, sagte er. Mittlerweile seien die Belastungen so erheblich, dass die dadurch verursachten Kosten den Nutzen überstiegen.

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  • Nachtrag:
    Das Trennbankensystem ist wohl auch nur ein unnützes Feigenblatt. Die Schmiede für Finanzinnovationen (Investmentbank) schmiedet, die Geschäftsbank kauft (wie z.B. die Landesbanken, Sparkassen, etc. ) und besitzt den „Schwarzen Peter“, der zur Absicherung mit einem entsprechenden Beipackzettel versorgt ist. Wo ist der Fortschritt? Lediglich Beruhigung fürs Volk. Letztendlich ist der Steuerzahler wieder der Dumme.

  • Schon erschreckend wenn Bankvorstände genau so dümmlich argumentieren wie die Populisten. Fakt ist: Die Großbanken haben die Giftpapiere (CDOs, CDS etc.) lanciert, Landesbanken, Kleinbanken und andere haben sie aus Gier (hohe Renditeversprechen!) (ohne das Risiko zu beachten) gekauft. Jeder Privatanleger muss die Verluste bei solchen Geschäften selbst tragen. Nur die Banken konnten die Verluste auf die Steuerzahler abwälzen. Zur Belohnung werden werden sie mit fast zinslosem Geld gefüttert(beschenkt), um kräftig Eigenkapital zu bilden. Hätte ich auch gerne! Konsequenz: Joggen die Aktienmärkte rauf und runter anstatt die Industrie anzukurbeln. Blase voraus, der Ausstieg wird heftig sein. Wer steht dann wieder zur Stützung bereit? Und dann diese Töne??? Lösung: Alle Bankeinlagen (insbesondere die von Privatleuten) werden als Sondervermögen behandelt und sind vor Insolvenz gesichert. Bank hat dafür entsprechende Sicherheiten zu hinterlegen.

  • Das sagt einer, dessen Haus 40% der Sub-Primes refinanziert hat und damit zum Katalysator der Finanzkrise wurde.

    To strong to fail? Sicher, aber dann brauchen wir keine Regierungen mehr, dann kommen die Anweisungen an die Behörden direkt aus den Vorstandszimmern der Banken.

    Das ist also der Kulturwandel in der Deutschen Bank, einem Institut, das nicht nur Geschäftspartner, sondern Städte und Gemeinden - und vor allem die eigenen Kunden belogen und betrogen hat? Merkt Fitschen eigentlich nicht, daß seine Forderungen auf nichts anderes als einen puren Finanzfaschismus hinaus laufen?

    Unternehmensethos bei der Deutschen Bank: Wie beginnen die meisten Märchen - Es war einmal....

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