Euro-Krise
Top-Banker schreiben Brandbrief an Schäuble

Die deutsche Kreditwirtschaft wendet sich in einem Brandbrief an Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sie warnt vor falschen Schlüssen aus dem aktuellen Stresstest. Josef Ackermann macht der Politik schwere Vorwürfe.
  • 24

BerlinIn einem Brandbrief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die deutsche Kreditwirtschaft ihrem Unmut über mangelnde politische Unterstützung Luft gemacht. Der Brief liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Die Banken befürchten im Kern, dass aus den laufenden Stresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA falsche Konsequenzen gezogen werden und die Bundesregierung nichts dagegen unternimmt. Derzeit prüft die EBA die Risiken, die sich bei großen europäischen Banken aus dem Besitz von Staatsanleihen ergeben.

Bislang wird der staatliche Zahlungsausfall bei den Kapitalquoten der Banken ausgeblendet. Dem Vernehmen nach pocht die EBA dabei auf die Einhaltung einer Kernkapitalquote von neun Prozent, was einen milliardenschweren Rekapitalisierungsbedarf europäischer Banken nach sich ziehen würde.

Der Spitzenorganisation der deutschen Bankenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, pocht in dem Brief darauf, dass die EBA für die Bemessung der Risikotragfähigkeit nicht „einen erst für die Zukunft vorgesehenen Eigenkapitalbegriff zu Grunde legt“, heißt es.

Die Beurteilung sollte „auf Basis des derzeit gültigen Eigenkapitalbegriffs“ erfolgen und nicht Anforderungen nach Basel III vorwegnehmen, die erst ab 2019 in voller Höhe gelten sollen. „Es kann nicht im Interesse der Stabilisierung der Finanzmärkte liegen, durch eine künstliche Verschärfung des Eigenkapitalbegriffs eine vermeintliche Schwäche der europäischen Kreditwirtschaft zu fingieren“, warnt die Branche. Eine entsprechende Klarstellung durch die deutsche Regierung hält der Verband für „sachgerecht und geboten“.

Gleichzeitig sollte bei einem möglichen Eigenkapitalbedarf von Banken eine bestimmte Reihenfolge beachtet werden: Zunächst sollten die Banken sich selbst um mehr Eigenkapital kümmern und dafür ausreichend Zeit haben. Staatliche Eingriffe in Eigentümerrechte sollten auch im Interesse der Regierungen vermieden werden, rät der Branchenverband.

Sollte die Kapitalisierung aus eigener Kraft misslingen, sei das jeweilige Land gefragt, erst in letzter Konsequenz dürfe der europäische Rettungsfonds EFSF als Kapitalgeber auftreten. Sollte der EFSF früher eingreifen, entstünde eine Umverteilung von Vermögenswerten in Europa, die dem deutschen Steuerzahler nicht zugemutet werden sollte.

Unterschrieben haben den Brief alle fünf Verbandschefs der privaten Banken, Landesbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Pfandbriefbanken.

Kommentare zu " Euro-Krise: Top-Banker schreiben Brandbrief an Schäuble"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Deutsche Bank ist schon lange keine deutsche Bak mehr.
    Die Aktienmehrheit liegt längst in ausländ. Händen.
    Von daher muß die deutsche Bank den Namen erst einmal aufgeben, denn er ist Lüge.
    Ackermann hat aus der einstmals Deutschen Bank ein weltweites Zockerunternehmen gemacht,welchesn wie gesagt nicht mehr deutsch ist.
    Die deutschen Bank in den USA war beteiligt an der Immobilienblase dort
    Aber nicht die Banken alleine sind Schuld an dem ganzen Zirkus, sondern in erster Linie die Politk.
    Und es müssen endlich die Ursachen ausgesprochen werden.
    Seit Einführubng des Euro liegt bei uns der Binnenmarkt am Boden, seit Einführung des Euro in unterschiedlichen Ländern aber zu gleichen Bedingungen ist z. B. der Griechenland-Urlaub keineswegs mehr preiswert. Hier ging den Greichen viel Geld verloren
    Wenn also nicht endlich der Euro entweder abgeschafft oder endlich richtig nachjustiert wird, ist jeder Rettungversuch einzelner Länder so, als wurden wir das Geld gleich im Rhein versenken.
    Die Lügerei unserer nichtsnutzigen Politkr muß endlich ein Ende haben
    Und dieser Barosso? Er kommt aus der maoistischen Parti, war jahrelang Mitglied. Mit demokratie hat der nicht viel am Hut wie auch unsere FDJ-Merkel
    In Europa setzen sich offenkundig mehr und mehr Despoten durch, nennen sich abr cvhristliche Parteien oder Sozialemokraten.

  • Herr Ackermann hat recht. Besonders sollte man herausstellen, was auch im 1. Abschnitt des Artikels erwaehnt wird. Hybridkapital, sogenanntes T1, ist nach Basel III nicht mehr anrechenbar (ab 2013 -2019), es zaehlt nur noch hartes Eigenkapital. In dem Blitz-Test soll dies dann schon vorgezogen werden und dieses Kapital nicht beruecksichtigt werden. Das ist grotesk! Und ..Und...das erinnert mich irgndwie an eine Mastfarm - man fuettert die Banken an, verbietet Dividenden und Boni, doch der Staat goennt sich 9-10% Zins dafuer, und gleichzeitig erlassen sich die Vereinigten Staaten von Europa Schulden (durch deren Missmanagement generiert) welche dann wiederum von den Banken zu bezahlen sind. Dumme sind dann wieder Kleinanleger, Angestellte am Bankschalter usw. Papa Staat ueberfaellt somit die Bank.

  • Also, wer allen Ernstes "Schall und Rauch" als Quelle seiner "Erleuchtung" so offenherzig nennt, der gehört sicher nicht zu den 99%.

    Er gehört zu denen, die an wirre Verschwörungstheorien glaubt und jetzt als Trittbrettfahrer auf einen fahrenden Zug aufspringen möchte.

    Weia, "Schall und Rauch", ich fass es nicht. Wie blöd muss man sein, um den Mist, den die Truther dort verzapfen auch nur eine Sekunde lang für bare Münze zu nehmen ...

    Und nicht, daß du denkst, ich sei Verschwörungstheorien abgeneigt - Verschwörungen finden tatgtäglich statt, aber die in S&R ausgebreiteten sind unterstes Kindergartennniveau für Leichtgläubige, die am 5.12. noch den Stiefel vor die Tür stellen und sich wundern, wie der Nikolaus das bloß alles zur gleichen Zeit schafft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%