Euro-Rettung
Münchener-Rück-Chef fordert schärfere Bankenregulierung

Mit deutlichen Worten hat sich Münchener-Rück-Chef von Bomhard zur Eurokrise geäußert. Er fordert von der Politik mehr Anstrengungen bei der Rettung der Währungsunion. Notfalls sollten Banken auch pleite gehen können.
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MünchenSo konkret wie bislang kein Chef eines Dax-Konzerns fordert Münchener-Rück -Boss Nikolaus von Bomhard weitere politische Reformen, um den Euro zu retten. Vor allem die Banken will der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers eng an die Leine legen, indirekt spricht er sich sogar für eine Zerschlagung der Deutschen Bank aus.

Die Politik müsse eine Vision für mehr Europa entwickeln und diese den Menschen näher bringen, sagte von Bomhard in München. Für EU-Länder bedeute dies: Mehr Souveränitätsrechte abgeben, mehr Automatismen schaffen, den Europäischen Rat, in dem die nationalen Interessen der Regierungschefs immer wieder scharf aufeinanderprallen, umgestalten und die Exekutive in Brüssel teilweise vom Volk wählen lassen.

Der Euro werde überleben, sagte von Bomhard. „Unklar ist aber in welcher Form.“ Er sei für Europa ein wichtiger Mosaikstein, aber wohl zu früh eingeführt worden. Die Maastricht-Kriterien habe maßgeblich auch Deutschland aufgeweicht. Von den Politikern in den europäischen Hauptstädten forderte der bestens vernetzte Manager, dessen Unternehmen mit Kapitalanlagen von mehr als 200 Milliarden Euro einer der größten Investoren überhaupt ist, mehr Führung, Transparenz und Ehrlichkeit. Das große Ganze müsse entworfen, weniger die einzelnen Schritte erklärt werden. Das sei nicht zuletzt für Investoren am Kapitalmarkt enorm wichtig - ein großes Ziel setzen und dann die Umsetzung angehen. „Mit Trippelschritten ist man nie vor der Welle.“

Die Lehre aus der Krise könne nur lauten: „Wir brauchen mehr Europa.“ Unter anderem müsse darüber nachgedacht werden, zumindest Teile der EU-Exekutive direkt vom Volk wählen zu lassen. In Deutschland seien Übertragungen von Rechten auf die EU-Ebene mit Zweidrittelmehrheit dank einer staatstragenden Opposition möglich.

Auf Ebene der Unternehmen sieht der langjährige Versicherungsmanager vor allem eine schärfere Regulierung der Banken als Schlüssel. Die unheilvolle Verknüpfung von Staaten und Banken - wie zuletzt bei der Rettung der spanischen Geldhäuser - müsse durchbrochen werden. Banken müssten auch Pleite gehen können und nicht ständig mit Steuergeldern aufgefangen werden, weil sie zu groß und vernetzt seien. Das klassische Geschäft müsse vom schwankungsanfälligen und riskanteren Investmentbanking getrennt werden.

Damit spricht sich von Bomhard, ohne den Namen des Instituts zu nennen, beispielsweise für eine Aufspaltung der Deutschen Bank aus. Investoren müssten zudem zwingend an Wertpapierverlusten beteiligt werden, damit wieder besser mit Risiken umgegangen werde. „Die Gläubigerbeteiligung ist unverzichtbar.“ Notfalls müssten Kredite teurer werden.

Von Bomhard kämpft seit längerem dafür, Banken und Versicherer anders zu behandeln, weil die Assekuranzen die Finanzkrise nicht ausgelöst hätten. Mit Blick auf seine Branche sagte er: „Wir sitzen im selben Boot wie die Sparer.“ Man könne nicht ewig mit den historisch niedrigen Zinsen leben. „Das stresst uns gewaltig.“ Für Lebensversicherer forderte er sogar, bestimmte Verbraucherschutzrechte zurückzudrehen, um den Firmen wieder mehr Luft zu verschaffen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Euro-Rettung: Münchener-Rück-Chef fordert schärfere Bankenregulierung"

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  • Die genannte "unheilvolle Verknüpfung von Staaten und Banken" ist genau der kritische Punkt.
    Die Vermischung von klassischem Bankgeschäft und Investmentbanking ist unter den Gesetzen der Ökonomie und der Moral höchst verwerflich. Insbesondere durch den darin implizierten versteckten Betrug an Bankkunden, die bewusst niemals ihr der Bank als vermeintlich sicher anvertrautes Geld auf Girokonten, Festgeldkonten und Sparbüchern in den Investmentsektor begeben würden.
    Andererseits! Wie sollen Regierungen, die bei ihrer Schuldenfinanzierung/-refinazierung auf das Investment der Banken in Staatsanleihen angewiesen sind, die Kraft aufbringen, diese zu zerschlagen, um sich damit selbst den Gelhahn abzudrehen.
    Die "unheilvolle Verknüpfung" ist gleichzeitig auch eine schwer zu trennende.
    Wenn wir jedoch so weitermachen, werden auch die Banken so weitermachen und die Banker werden weiterhin spekulieren, kassieren und sich von den Steuerzahlern retten lassen.
    Die Frage ist: Wer rettet die Steuerzahler vor dieser unseeligen Allianz?

  • alles RICHTIG was er sagt,
    doch wie sollen die Politik dies umsetzen?
    es fehlt an Verständnis, Kompetenz, Mut & Entschlossenheit.
    Auf der anderen Seite stehen "verwöhnte bis gierige" Banken die nicht nur auf beiden Seiten kassieren sondern auch noch die Richtung vorgeben.
    Es liegt eine nicht ungefährliche Mischung aus Politikversagen und Marktversagen (finanzwirtschaftlicher Sektor)vor. Wenn man diese Melange nicht versteht kann man auch nicht rettend eingreifen, wie wir nun seit 2008 sehen.

  • Nein Vandale,
    das Hauptproblem ist die Quasinullzinspolitik der EZB und Fed, die dreht den Versicherungen die Luft ab. Ihre Fehlinvestionen in den Südländern können die Versicherer an ausländische Tochterfonds weiterverkaufen und uber mehrere Jahre sukzessive abschreiben.Die Versicherer sind, wie andere Leute auch, auf die Propaganda der Investment Banker reingefallen und haben ihre stabilen Industriebeteiligungen verkauft. (Man denke an die Zerschlagung von Hoechst).Auf der Perle MesserGriesheim etc. sitzen heute die Franzosen (AirLiquide)

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