Eurohypo Blessing zieht die Notbremse

Weil die Eurohypo weiter horrende Verluste schreibt, dampft der Commerzbank-Chef die Tochtergesellschaft ein. Nur so traut sich Blessing offenbar zu, der Verluste Herr zu werden. Doch die defizitäre Tocher ist nicht das einzige Problem der Commerzbank.
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Commerzbank-Chef Blessing baut die teure Tochter Eurohypo um. Quelle: Reuters

Commerzbank-Chef Blessing baut die teure Tochter Eurohypo um.

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FRANKFURT. Fünf Jahre nach dem Kauf der Eurohypo für vier Mrd. Euro plant die Commerzbank weitere drastische Einschnitte im Geschäftsmodell des Spezialinstituts. Das Management um Bankchef Martin Blessing kündigte gestern bei der Präsentation der Ergebnisse des dritten Quartals den Rückzug aus der Staatsfinanzierung an - eine Möglichkeit, die bislang nur erwogen worden war. Schon länger macht die Eurohypo hier kein Neugeschäft mehr. Gestern hieß es nun, das bestehende Volumen werde "über die Zeit" abgebaut. Ende 2014 soll der Bestand an Finanzierungen von 111 Mrd. Euro unter 80 Mrd. Euro sinken. Das Immobilienfinanzierungsgeschäft soll um weitere 30 Prozent auf unter 50 Mrd. Euro schrumpfen.

Nur so traut sich Blessing offenbar zu, der Verluste bei der Eurohypo Herr zu werden - und das Institut wie von der EU vorgeschrieben im Gegenzug für die Staatshilfen bis 2014 zu verkaufen. "Je kleiner das Buch ist, desto einfacher wird die Refinanzierung für einen Käufer", sagte Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz. An eine Abwicklung werde aber nicht gedacht. Einige Immobilienbanken sind seit der Finanzkrise in Not. Deswegen wurde die HRE komplett verstaatlicht, und die WestLB-Tochter Westimmo erweist sich als nahezu unverkäuflich.

Die Eurohypo, die 2010 das dritte Jahr mit Verlusten abschneiden wird, ist damit nur noch ein Schatten ihrer selbst. Den Anspruch, Europas größter Immobilienfinanzierer zu sein, hat sie längst aufgegeben. Zu Ende September fuhr die Commerzbank in den Bereichen Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierung einen Verlust von 738 Mio. Euro ein. Hinter der Summe verbirgt sich ein Teil der Bilanz der Eurohypo, die die Muttergesellschaft nicht gesondert ausweist. Die faulen Kredite im Portfolio der Commerzbank nahmen sogar zu. Ausschlaggebend dafür war nach Strutz' Worten vor allem die desolate Lage der Immobilienmärkte in Spanien und den USA. Die Ergebnisse seien "sehr dürftig", urteilten die Analysten der Investmentbank Macquarie.

Der Schrumpfkurs der Eurohypo hat für die Muttergesellschaft weitreichende Folgen. Weil die Tochter nämlich künftig weniger Ertrag liefert, muss die Commerzbank nach deutschem Handelsrecht (HGB) mindestens eine Mrd. Euro auf den Buchwert der Eurohypo abschreiben. In der Folge müssen die Steuerzahler Finanzkreisen zufolge 2010 einmal mehr mit dem Ausfall ihrer Zinsen auf die 16,4 Mrd. Euro schwere Einlage des Bundes rechnen. Rund 1,5 Mrd. Euro entgehen dem Bund so - auch wenn die Commerzbank nach internationaler Rechnungslegung bereits wieder einen Gewinn von mindestens einer Mrd. Euro ausweisen will. Die Kapitalerhöhung zur Rückzahlung von Hilfen ist in die Ferne gerückt. Bereits im Oktober hatte die Commerzbank die damit beauftragten Investmentbanken UBS und Citi wegen nur mäßig laufender Märkte zurückgepfiffen.

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