Europäische Banken
HSBC mit überraschendem Quartalsverlust

Europas größte Bank HSBC spürt das langsamere Wirtschaftswachstum in China. Das britische Geldhaus verfehlt mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen der Analysten. Im vierten Quartal 2015 steht ein Verlust zu Buche.

HongkongDie Konjunkturabkühlung in China bremst die Großbank HSBC. Der Vorsteuergewinn stieg im vergangenen Jahr lediglich um ein Prozent auf 18,87 Milliarden Dollar, wie das britische Geldhaus, das aber traditionell stark in Asien präsent ist, am Montag mitteilte. Damit wurden die Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Im vierten Quartal fiel sogar überraschend ein Vorsteuerverlust 858 Millionen Dollar an. An der Londoner Börse stürzten HSBC-Aktien daraufhin um fast fünf Prozent ab.

Auch der Verfall von Rohstoffpreisen setzte HSBC zu. Der Weg für Banken werde „holpriger“, so das Institut, das in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Rechtsstreitigkeiten, hohen Strafen und dem Abbau tausender Stellen Schlagzeilen machte. Die roten Zahlen im Schlussquartal gingen auf den Verkauf des Brasilien-Geschäfts, Wertberichtigungen bei Derivaten sowie Sonderlasten im Zuge von Rechtsstreitigkeiten und dem Umbau des Konzerns zurück. Aktivitäten in der Türkei, die zum Verkauf standen, sollen wegen zu niedriger Offerten nun doch im Konzern behalten werden. Die entsprechende Einheit soll stattdessen restrukturiert werden.

Erst vergangene Woche hatte das HSBC-Management nach monatelangen Überlegungen entschieden, den Sitz der Bank in London zu belassen und damit nicht nach Hongkong umzuziehen. Hintergrund der Überprüfung war die britische Bankenabgabe. HSBC wurde 1865 in der einstigen britischen Kronkolonie gegründet, um den Handel zwischen Asien und Europa zu finanzieren. Der Beitrag des Asien-Geschäfts zum Vorsteuergewinn von Europas größtem Kreditinstitut lag 2015 bei 83,5 Prozent und damit höher als 2014.

China spielt dabei eine Schlüsselrolle. Im Juni will die Bank Details ihrer neuen Strategie veröffentlichen, mit einer weiteren Expansion in der Volksrepublik. Die konjunkturelle Abkühlung mache dies aber schwieriger, sagte HSBC-Chairman Douglas Flint. Chinas Wirtschaft war 2015 so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Bei Banken platzen mehr Kredite als bisher.

HSBC teilte zudem mit, wie andere Institute auch von der US-Aufsichtsbehörde SEC wegen seiner Rekrutierungspraxis in Asien unter die Lupe genommen zu werden. Der Ausgang sei offen, könne aber signifikante Folgen haben. 2013 hatte die SEC eine Ermittlung gegen die US-Großbank JP Morgan eröffnet. Dabei geht es vor allem um die Einstellung und Förderung von Kindern einflussreicher Politiker und Manager in China, um dadurch an Großprojekte zu gelangen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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