Europäische Zentralbank
EZB wird voraussichtlich Wirtschaftsprognosen anpassen

Die Europäische Zentralbank plant, ihre Wirtschaftsprognosen zu ändern – das behaupten zumindest Insider. Die Inflationsprognose soll gesenkt, die Wachstumsprognose erhöht werden. Die EZB selbst schweigt zu den Plänen.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank wird Insidern zufolge am Donnerstag wohl ihre Wirtschaftsprognosen ändern. Die EZB werde wahrscheinlich ihre Inflationsvorhersage einen Tick nach unten schrauben und ihre Wachstumsprognose etwas erhöhen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Mittwoch zu Reuters. Den Insidern zufolge werden die Veränderungen voraussichtlich eher klein ausfallen - in manchen Punkten würden sie lediglich zehn Basispunkte betragen. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" hatte zuvor schon darüber berichtet. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab.

Noch im März sagten die Notenbank-Fachleute ein Wachstum von 1,8 Prozent im laufenden Jahr voraus. Für 2018 erwarteten sie 1,7, für 2019 dann 1,6 Prozent. Sie prognostizierten zudem für dieses Jahr einen Anstieg der Verbraucherpreise von 1,7 Prozent, für 2018 von 1,6 und für 2019 von 1,7 Prozent. Doch die vor allem ölpreisgetriebene Inflation hatte sich zuletzt deutlich abgeschwächt. Die EZB strebt Werte von knapp unter zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaftsentwicklung an.

Experten gehen davon aus, dass die EZB auf ihrer Zinssitzung am Donnerstag weder an den Leitzinsen noch an den billionenschweren Anleihenkäufen rütteln wird. Sie erwarten aber, dass die EZB auf bessere Wachstumsaussichten für den Währungsraum reagiert. Die meisten Volkswirte rechnen damit, dass die EZB die Konjunkturperspektiven nun als ausgeglichen beschreiben wird. Bislang überwogen aus EZB-Sicht noch die Gefahren. Doch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Ländergemeinschaft hatte im ersten Quartal deutlich zugelegt, und Umfragen zufolge ist auch das zweite Jahresviertel gut angelaufen.

Die Inflation bleibt allerdings ein Sorgenkind für die Währungshüter. Denn im Mai ist die Teuerung wieder auf 1,4 Prozent gesunken nach 1,9 Prozent im April. Eine dauerhafte Annäherung an das EZB-Ziel zeichnet sich somit nicht ab. Eine Senkung der hauseigenen Inflationsprognosen würde dies nachzeichnen. Wegen der schleppenden Preisentwicklung erhielt die EZB am Mittwoch für ihre Politik Unterstützung von der Industriestaaten-Organisation OECD. Aus OECD-Sicht sollte die Geldpolitik wirtschaftsfördernd bleiben, bis die Inflation "eindeutig und dauerhaft" in Richtung des EZB-Zielwerts von knapp zwei Prozent ansteigt. In Deutschland wird die EZB-Politik der weitoffenen Geldschleusen dagegen schon seit längerem zum Teil heftig kritisiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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