Ex-Bankier Hauck

„Das Derivatewesen ist ein Krebsgeschwür“

Der Bankier Michael Hauck kritisiert den Derivatehandel im Interview scharf. Der ehemalige Gesellschafter der Bank Hauck & Aufhäuser rät der Finanzaufsicht, dieses „Krebsgeschwür“ im Auge zu behalten.
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Derivate-Händler auf dem Parkett. Quelle: APN

Derivate-Händler auf dem Parkett.

(Foto: APN)

FrankfurtDie Probleme des Euro seien nur schwer zu reparieren. Zwar hätten die Politiker die Schwierigkeiten erkannt und versuchten nun, wirtschaftliches Fehlverhalten einzelner Mitgliedsstaaten zu sanktionieren, sagt Michael Hauck, einer der großen Frankfurter Bankiers dem Handelsblatt. „Ob Strafen das richtige Mittel sind, möchte ich allerdings bezweifeln“, urteilt der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses Hauck & Aufhäuser.

Er glaubt nicht, dass das im Fall Griechenlands funktionieren kann. Trotzdem ist der 85-Jährige ein Freund des Euro. Er plädiert allerdings dafür, einzelnen Mitgliedsstaaten den Austritt aus dem Währungsverbund zu ermöglichen, falls das nötig sei. „Den betroffenen Volkswirtschaften würde es leichter fallen, sich über eine Wechselkursanpassung selbst zu helfen und wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sagt Hauck. Im engen Korsett des Euro sei das schwerlich möglich. Die D-Mark wünscht sich der Bankier alter Schule trotz allem nicht zurück.

Von dem Boom bei Derivaten hält Hauck nicht viel: „Das Derivatewesen ist - überspitzt gesagt - wie ein Krebsgeschwür, das wuchert.“ Den Finanzaufsehern rät er, genauer hinzuschauen. Der Derviatemarkt sei ein Faszinosum, bei dem nicht erkennbar sei, warum die Banken so hohe Margen kassierten. Vermutlich wüssten die meisten Anleger nicht , was sie kauften.

„Offensichtlich haben die Investoren während der Finanzkrise noch nicht genug Geld damit verloren. Denn wenn sie es hätten, würden sie die Finger von diesen Papieren lassen“, betont Hauck. Derivate, darunter Zertifikate, seien aber so gefragt wie eh und je.

 

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12 Kommentare zu "Ex-Bankier Hauck: „Das Derivatewesen ist ein Krebsgeschwür“"

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  • War das wirklich Ihre Frage oder war das nur rhetorisch gemeint?

    Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, weshalb Merkel ausgerechnet Ackermann die Geburtstagsparty ausrichtet und der Steuerzahler diese bezahlt?

    War das genug Antwort auf Ihre Frage?

  • Die Deutsche Bank ist ja im Prinzip auch nichts weiter als ein riesiger Hedgefond dessen Risikoabsicherung der Steuerzahler ist.
    Wir wissen das seit 2008 und die Politik weigert sich konsequent diesen kriminellen Zustand zu beenden.
    Wieso eigentlich?

  • Der Mann ist 85. Das muss man bedenken.

    Obwohl ich seine Meinung nicht teile, stimme ich ihm zu, dass Derivate nicht für jeden geeignet sind.

    Es gibt da Komponenten, die so schnell ablaufen, dass an eine Bank, eine Administration in einer Bank, an Vorstand und Aufsicht andere Anforderungen als früher gestellt werden. Wenn diese Anforderungen nicht erfüllt werden, darf man diese Geschäfte logischerweise nicht zulassen. Ansonsten wird wirklich ein Spielkasino betrieben.

    Es ist schon davon auszugehen, dass in Deutschland Banken eher wie Spielkasinos und nicht als Banken betrieben werden. Wie konnten sonst die Jahrhundertereignisse, die Finanzkrisen in so kurzer Folge über uns hereinbrechen können.

    Es geht also nicht um die Derivate selbst, sondern um die Administration dahinter, die vieler Orts "den Hintern" immer noch nicht hoch bekommen.

  • Zu jeder komplexen Volkswirtschaft gehört die Spezialisierung. Es gibt Spezialisierung in Nanotechnologie, in Feinmechanik, in Bildungsökonomie, in IT-Technologie, Medizintechnologie, in Biotechnologie, in alle möglichen Arten von Handwerk...
    Und es gibt selbstverständlich ebenso die Spezialisierung in Finanzprodukte.
    Das alles sollte so lange kein Problem sein, wie das Produkt, um das sich die Finanzindustrie bildet, ein frei am Markt verfügbares Produkt ist; das ist aber beim Geld als dem Rohstoff der Finanzindustrie nicht der Fall.
    Solange Geld von Politik bestimmt wird, wird die Finanzindustrie niemals funktionieren und mit ihrem Verfall werden ganze Gesellschaften in die Tiefe gerissen - aber das ist nicht die "Schuld" der Akteure an den Finanzmärkten, sondern Ergebnis des Irrglaubens in politisches Papiergeld:
    es ist nämlich nichts als Papier.


  • ..Schnarchies... glaubt ihr wirklich, great america laesst sich von verzockten Derivaten in den Abgrund führen ?... Das geht rucki zucki und paar Anleger stürzen sich in den nächsten Rausch....

  • Derivate dienen einzig und allein dazu, die Macht und die Provisionen der Banken zu erhöhen. Die Realwirtschaft verliert immer mehr an Bedeutung. Gewinne sind nur noch über die Verschuldung Dritter realisierbar und nicht mehr durch das Erzeugen eines tatsächlich vorhandenen Mehrwerts.
    Dieses System ist 2008 kollabiert und wird nur noch von Lobbygruppen und deren willfährigen Politkern, gegen das Interesse der Allgemeinheit, am Leben gehalten.

    Angela Merkel´s und Wolfgang Schäuble`s Politik in diesem Bereich, wird der politischen Mitte in Deutschland mittelfristig den denkbar grössten Schaden zufügen.

  • Als 85 Jähriger wird man dann auf einmal ein bisschen ehrlicher. Genau wie Warren Buffet - nur vorher 20 Jahre den Derivate Quatsch groß aufziehen. Aber im Prinzip hat er recht, die Leute wissen nicht was sie kaufen. Dann sind sie es selber schuld. z.B. wenn ca. 1000 Leute das Derivat von der Bank kaufen und die Bank das Underlying besitzt??? Und plötzlich finden Kursrichtungen des Underlyings statt, die nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun hat...

    add: HB dass Bild mit den Tradern a la Hollywood könnnen sie auch mal streichen und durch ein Bild mit Servern ersetzen. Llambi beschäftigt sich ja mittlerweile auch lieber auf RTL als Tänzer.

  • Wären es Hütchenspielertricks, würden die "Macher" schon lange einkassiert sein. So sind es aber nur "gestylte" BankerINnen, letztere einmal Mehr in der Minderheit, die dem Rest der Welt zeigen, wie Leben geht.

    Für diese Art von Geschäftsgrundlagen, die so manchem Banker in der Vergangenheit verborgen, bleibt nur ein letzter Besuch im Casino Royal und dann ab in die Antarktis. Nein, kein Schirm darf mitgenommen werden, nur ein Fallschirm, damit auch sichergestellt sei, die Scholle hat sie aufgefangen. Nun kann Leben erneut gewinnen. Gäbe es da Ureinwohner, ich würde glatt wetten, die würden denen ein Lieferversprechen für Kühlschränke eruieren und warten bis ein Schiff vorbeikommt und sie aus der "Seenot" befreit. Könnte heiter werden, aber bis dorthin haben mindestens Generationen für die Dummheit derer bezahlt, die sich auf eine Entdeckungsreise warm eingepackt haben und nun dort die versprochenen Goldreserven abholen wollen. Ja sicher, es geht noch solange die Gier das Hirn frißt, scheint nichts unmöglich.

    Oder aber diese Truppe stellt bei der Wiedereingliederung als Rückkehrer in heimatlichen Gefilden fest, die Revolution hat wieder einmal ihre Kinder gefressen. Ob Frau Merkel zu dem ZEITpunkt noch da ist, traue ich zu bezweifeln.

  • Au man(n)!
    Wieder jemand bar jeglicher Kenntnis und voller undifferenzierter Vorurteile!
    Viele Derivate erfüllen ein sinnvolle Funktion, um Geschäfte ab zu sichern.
    Andererseits ja, es gibt eine ganze Menge Konstrukte, die nur die Emittenten reich machen.
    Also bitte differenziert argumentieren!

  • Wir brauchen die Banken. Sie erfüllen eine wichtige Funktion in unserer Volkswirtschaft. "Wetten dass - Produkte" gehören jedoch in das Repertoir von Spielbanken, die wir in unserer Volkswirtschaft nicht brauchen, sondern allenfalls tolerieren können. Was wir auf keinen Fall brauchen und auch nicht tolerieren sollten, ist eine Vermischung aus Banken und Spielbanken, wo mit (sicheren) Spareinlagen der Kunden Spielbank gespielt und darauf vertraut wird, notfalls vom Steuerzahler gerettet zu werden. Eine klare Trennung von Banken und Investmentbanken ist daher mehr als überfällig. Danach könnte sich das BAFIN auf die Banken konzentrieren und die Zocker dem freien Spiel der Spielbanken überlasssen.

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