Ex-EU-Kommissionspräsident

Barroso heuert bei Goldman an

Portugiesischer Regierungschef, Präsident der EU-Kommission und nun Aufsichtsratschef von Goldman Sachs International in London: José Manuel Barroso tritt mitten im Brexit-Trubel seinen neuen Job bei der US-Investmentbank an.
„Enorme Erfahrung und ein tiefes Verständnis von Europa“, heißt es bei Goldman Sachs über den Portugiesen. Quelle: Reuters
José Manuel Barroso

„Enorme Erfahrung und ein tiefes Verständnis von Europa“, heißt es bei Goldman Sachs über den Portugiesen.

(Foto: Reuters)

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat sich die Dienste des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso gesichert. Der 60-jährige Barroso werde Berater und „Präsident ohne Geschäftsbereich“ bei Goldman Sachs International (GSI) mit Sitz in der britischen Hauptstadt, teilte die Bank am Freitag mit. GSI ist die wichtigste Einheit der US-Investmentbank außerhalb von New York. „José Manuel bringt eine enorme Erfahrung mit und vor allem ein tiefes Verständnis von Europa.“ Er werde die Bank bei der Beratung von Kunden unterstützen, die „mit dem herausfordernden und unsicheren wirtschaftlichen Marktumfeld“ zurechtkommen müssten, erklärten die Co-Chefs von GSI, Michael Sherwood und Richard Gnodde.

Barroso war von 2002 bis 2004 Regierungschef von Portugal. Danach leitete der Konservative bis 2014 die EU-Kommission in Brüssel.

Seinen Job als GSI-Aufsichtsratbei Goldman Sachs beginnt er mitten im Trubel um das Brexit-Referendum. US-Banken trifft das Votum Großbritanniens für ein Ausscheiden aus der EU besonders. Sie nutzen das englischsprachige Finanzzentrum London bislang als Eintrittspforte zur Europäischen Union.

Die Mächtigen von Goldman Sachs
Gary Cohn
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Wer es an die Spitze von Goldman Sachs schafft, hat als Banker kaum noch Luft zur Karriere-Verbesserung. Der nächste logische Schritt? Die Politik. Diesen Weg geht nun Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt. Cohn wird fortan den Nationalen Wirtschaftsrat („National Economic Council”) leiten. Übrigens ist er nicht der einzige Goldjunge, dem Donald Trump die Türen in die Politik öffnete.

Steve Mnuchin
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Der designierte Finanzminister der Trump-Regierung ist Steve Mnuchin. Er arbeitete 17 Jahre lang bei Goldman Sachs. Anschließend leitete er einen Hedgefonds. Die Investmentbank scheint ein solides Karrieretreppchen für künftige Finanzminister zu sein – Mnuchin ist der dritte Goldjunge, der seit den Neunzigern für den Job berufen wurde. Bill Clinton hatte Robert Rubin berufen, George W. Bush sich für Hank Paulson entschieden.

Steve Bannon
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Als rechter Hardliner machte sich Steve Bannon einen Namen. Seine Internetseite „Breitbart” gibt Ultrarechten eine Meinungsplattform. Sein Kommunikationstalent kam dem ehemaligen Goldman-Banker zugute – als Wahlkampfstratege verhalf er Trump zum Sieg. Im Januar 2917 wurde er Chef-Berater Trumps, hat seitdem aber mit einigem Machtverlust zu kämpfen.

Jose Manuel Barroso
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Ein Wechsel geht auch in die umgekehrte Richtung, wie der Fall des EU-Politikers Jose Manuel Barroso zeigt. Der frühere Präsident der Europäischen Kommission wird „Non-Executive Chairman“ bei der in London sitzenden Tochter Goldman Sachs International. Seine Funktion: Er soll dem Elite-Geldhaus bei der Beratung von Kunden helfen.

Anders Fogh Rasmussen
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Vor Barroso machte ein der hochrangigsten Sicherheitspolitiker des Westens die gleiche berufliche Umorientierung: Anders Fogh Rasmussen. Erst dänischer Regierungschef, dann bis 2014 Generalsekretär der Nato. Auch er ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Personalrochaden bei der amerikanischen Bank in beide Richtungen gehen. Rasmussen arbeitet als Berater für Goldman Sachs.

Robert Zoellick
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Robert Zoellick ist Träger des Bundesverdienstkreuzes: Als Mitarbeiter des US-Außenministeriums war er Chefunterhändler der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung. Später arbeitete er unter anderem im Weißen Haus, bei der staatlichen Immobilienbank Fannie Mae und als Berater für die Investmentbank Goldman Sachs.

Unter US-Präsident George W. Bush kümmerte er sich um die Positionen der Regierung zum Welthandel und trat 2006 wieder in die Dienste von Goldman Sachs. Von Mitte 2007 bis Ende 2012 war er dann Präsident der Weltbank. Im Oktober 2013 gab Goldman Sachs bekannt, dass Zoellick Vorsitzender des internationalen Berater-Direktoriums der Bank werde. Das Gremium sondiere für Goldman-Kunden weltweit Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten.

Mario Draghi
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Als Chef der Europäischen Zentralbank hat der Italiener Mario Draghi den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Draghi hat eine lange Laufbahn als Geldverwalter hinter sich. Von 2006 bis 2011 war er Chef der italienischen Notenbank Banca d'Italia. Auch bei Goldman Sachs brachte er es weit: Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Er war damit Partner und hielt Aktien der Bank.

Spekulationen, der 60-Jährige sei vor allem verpflichtet worden, um bei der Bewältigung der Folgen des Brexit-Votums in Großbritannien zu helfen, trat das Geldhaus entgegen. Gespräche mit Barroso habe es bereits seit etwa einem Jahr gegeben, erklärte das Unternehmen gegenüber dem US-Sender CNBC. Zuvor war Barroso selbst von der „Financial Times“ mit den Worten zitiert worden, er werde alles tun, um die negativen Effekte der Brexit-Entscheidung zu lindern.

London ist auch Sitz von Goldman Sachs International. In der Tochter sind rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 5.000 in London. Goldman Sachs denkt nach dem Votum zum Austritt Großbritanniens aus der EU darüber nach, inwieweit sie von London aus noch ihr Geschäft in der EU betreiben können.

  • afp
  • dpa
  • rtr
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