Ex-HBOS-Chef
Pleitebanker Crosby verzichtet auf sein „Sir“

Kürzlich wurde ihm vom britischen Parlament „kolossales Versagen“ attestiert – nun will der Ex-Chef der HBOS deswegen seinen Ritterschlag zurückgeben. Und das ist nicht das einzige, auf das der Banker verzichten will.
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LondonMit einer extrem seltenen Demutsgeste reagiert der Ex-Chef der kollabierten britischen Hypothekenbank HBOS auf den Vorwurf gravierender Fehler während seiner Amtsführung: James Crosby kündigte am Dienstag an, die Ehrung des Ritterschlags zurückzugeben, die ihm 2006 für seine Verdienste für die Finanzindustrie verliehen worden war. Zudem verzichtet er zeitlebens auf knapp ein Drittel seiner Rentenbezüge. Der Ritterschlag ist eine der höchsten Ehrungen, die es in Großbritannien gibt.

Crosby war 2006 als langjähriger Chef der HBOS zurückgetreten und hatte kurz darauf die Ehrung erhalten. Die Bank, einst viertgrößte des Landes, brach 2008 zusammen. In einem vergangenen Woche vorgelegten Bericht einer Kommission des britischen Parlaments wurde dafür ein "kolossales Versagen" des HBOS-Managements verantwortlich gemacht. Als einer der Hauptverantwortlichen war Crosby namentlich genannt worden.

Der heute 57 Jahre alte Ex-Banker erklärte am Dienstag, angesichts dieser Entwicklung halte er es für angemessen, die Ehrung zurückzugeben. "Die Geschehnisse bei der HBOS und die daraus resultierenden Konsequenzen für meine ehemaligen Kollegen, die Aktionäre, Steuerzahler und die Gesellschaft allgemein tun mir zutiefst leid."

Er werde zudem bis zu seinem Lebensende auf 30 Prozent seiner Pension von umgerechnet rund 680.000 Euro pro Jahr verzichten. Die zuständigen Stellen müssten klären, ob das Geld guten Zwecken zugeführt werden solle oder den Aktionären.

Die HBOS wurde zum Höhepunkt der Finanzkrise durch eine von der Regierung eingefädelte Übernahme durch den Rivalen Lloyds aufgefangen. Lloyds kam dadurch selbst ins Straucheln und überlebte nur dank einer staatlichen Nothilfe im Volumen von 20 Milliarden Pfund. In dem jüngsten Parlaments-Bericht hieß es, die HBOS sei so schlecht geführt worden, dass sie auch ohne die damalige Liquiditätsknappheit kollabiert wäre.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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