Ex-LBBW-Chef
Jaschinski erklärt die Finanzwelt

Siegfried Jaschinski, einst Chef von Deutschlands drittgrößter Bank, erklärt in seinem Buch "Das deutsche Finanzsystem", wie Börsen und Banken funktionieren. Und das ist größtenteils auch für Laien verständlich.
Düsseldorf

Einst war er der Chef von Deutschlands drittgrößter Bank. Doch 2009 geriet seine LBBW - die Landesbank Baden-Württemberg - in den Strudel der Finanzkrise, und Siegfried Jaschinski musste gehen. Der selbstbewusste Banker mit dem Spitznamen "Alexander der Große" - über diesen Herrn hatte er einst promoviert - heuerte Anfang 2011 dann bei der kleinen Main-First Bank an.
In der Zwischenzeit hat er ein Buch über das deutsche Finanzsystem geschrieben. Es ist ein gutes Buch geworden. Aber wer spektakuläre Thesen oder Enthüllungen aus dem mitunter unübersichtlichen Gewebe aus Landesbanken und Politik erwartet, dürfte enttäuscht werden.
Jaschinski erklärt sehr präzise, faktenreich und über weite Strecken auch für Laien verständlich, wie Banken und Börsen in Deutschland funktionieren. Man spürt: Hier schreibt einer, der das Geschäft genau kennt, aber nicht vergessen hat, wie Leute denken und sprechen, die keine Banker sind. Jaschinski gibt auch einen knappen historischen Abriss der deutschen und internationalen Finanzkrisen seit dem Fall Herstatt in den 70er-Jahren über den taumelnden Hedge-Fonds LTCM 1998 bis zum jüngsten Beinahe-Zusammenbruch des Systems. Er erläutert die Struktur der Branche in Deutschland und vergleicht sie mit anderen Ländern auf dem europäischen Kontinent.
An einigen Stellen ist Jaschinski erfrischend deutlich. Zum Beispiel wenn er über den amerikanischen Versicherer AIG schreibt: "Ohne staatliche Unterstützung der AIG zwei Tage nach dem Lehman-Zusammenbruch wäre es zu einer Existenzkrise ... einschließlich der Deutschen Bank gekommen."
Er stellt auch Entwicklungen pointiert heraus, die nicht jedem bewusst sein dürften. Etwa, dass vor der Zerschlagung der "Deutschland AG" - der engen Verflechtung deutscher Banken und Industriekonzerne - durch die rot-grüne Bundesregierung die Hauptaktionäre börsennotierter Unternehmen im Schnitt mehr als 50 Prozent der Anteile hielten - gegenüber fünf bis zehn Prozent in anderen Ländern.
Sehr originelle Thesen vertritt Jaschinski indes nicht. Er befürchtet, dass der Abbau langfristiger Firmenkredite nach der Finanzkrise das Wachstum in Deutschland ausbremsen könnte: Denn so brauchen die Unternehmen mehr Eigenkapital, und das ist für Mittelständler oft schwer zu beschaffen.
Immer wieder betont er, wie wichtig es sei, dass Banken eine eigene, möglichst stabile Kundenbasis haben. Außerdem fordert Jaschinski, in Deutschland einen starken und profitablen Bankensektor, ähnlich wie in den Nachbarländern zu schaffen, mit mindestens zwei großen Instituten neben der Deutschen Bank und der Commerzbank. Aber wie genau das gehen soll, verrät er nicht.
Siegfried Jaschinski: Das deutsche Finanzsystem. Achillesferse der Wirtschaft? Schäffer Poeschl, Stuttgart 2011, 139 Seiten, 19,95 Euro

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