Ex-Sal.-Oppenheim-Gesellschafter
„Wechsel zur Sal. Oppenheim war ein Fehler“

Die Aussage des ehemaligen Gesellschafter Janssen im Sal.Oppenheim-Prozess hat begonnen. Er bedauerte seinen Wechsel zu der einstmals größten Privatbank Europas. Es sei in eine ihm nicht vertraute Welt eingetreten.
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KölnIm Sal.Oppenheim-Prozess hat der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter Friedrich-Carl Janssen seinen Wechsel zu der einstmals größten Privatbank Europas bedauert. „Im Rückblick stelle ich jetzt fest, dass dieser Schritt ein Fehler war“, sagte Janssen zum Beginn seiner auf zwei Tage angelegten Aussage am Mittwoch vor dem Landgericht Köln. Er sei in eine „mir nicht vertraute Welt“ eingetreten, die von „familiären Strukturen“, „Beziehungen“ und „Traditionen“ geprägt gewesen sei. Janssen war im Januar 2004 persönlich haftender Gesellschafter des Instituts geworden.

Mitglieder der ehemaligen Führungsspitze der Bank teilen sich die Anklagebank im Landgericht Köln, auf der auch der Immobilienunternehmer Josef Esch sitzt. Im Prozess geht es um umstrittene Immobiliengeschäfte sowie Kredite an den in die Insolvenz geschlitterten Arcandor-Konzern. Untreue lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten weisen die Anschuldigungen zurück.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim habe sich gleich durch mehrere Besonderheiten von anderen Instituten unterschieden, schilderte Janssen. Alle Gesellschafter hätten für Verbindlichkeiten gehaftet, auch Familienvermögen der beiden Altgesellschafter habe im Feuer gestanden. Mitte 2002 sei ein Vertreter der Bank an den damaligen Wirtschaftsprüfer Janssen herangetreten, berichtete Janssen, der sich nach seiner Schilderung damals mit Banken noch „nicht näher befasst“ hatte. Er habe aber nach einigem Zögern die Offerte angenommen, auch weil Sal. Oppenheim einen „ausgezeichneten Ruf“ gehabt habe.

Im Herbst 2003 sei ihm dann angeboten worden, persönlich haftender Gesellschafter zu werden - Janssen akzeptierte. Die enge Verflechtung zwischen Oppenheim und dem Unternehmer Esch habe es bereits lange vor seinem Eintritt gegeben. Allein zwischen 1991 und 2005 habe die Oppenheim-Esch-Gruppe Immobilienprojekte mit einem Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro aufgelegt. Er habe diese „Struktur“ als Besonderheit begriffen, die „mehrere Jahrzehnte“ zurückreichte. „Anlass dazu, mich einzumischen, gab es nicht“, unterstrich Janssen. Er betonte zugleich, dass externe Prüfungen seines Bereichs - Janssen war unter anderem für das Risikomanagement der Bank verantwortlich - keine Beanstandungen ergeben hätten.

Die Anklage hatte Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt beanstandet - allein bei Geschäften um eine Villa in Köln sei Sal. Oppenheim ein Schaden von 8,6 Millionen Euro entstanden, hatte Staatsanwalt Benedikt Kortz gesagt. Auch Geschäfte der Bank bei der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor sind Teil der Anklage. Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, tickte auch für Sal. Oppenheim die Uhr. Die einstmals größte Privatbank in Europa wurde von der Deutschen Bank aufgefangen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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