Expansion in Deutschland
Die Bankfiliale lebt

Die österreichische Oberbank baut gegen den Branchentrend ihr Zweigstellennetz aus. Das auf den Mittelstand spezialisierte Geldinstitut erwartet sein bestes Ergebnis – im siebten Jahr in Folge.
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Während viele Großbanken ihr Filialnetz ausdünnen, geht die die österreichische Oberbank den umgekehrten Weg. Das in Linz ansässige Geldinstitut will sein bisheriges Netz an Zweigstellen auch in Deutschland ausbauen. „Derzeit schauen wir uns Standorte im Rhein-Main-Gebiet an. Dort gibt es eine exzellente mittelständische Struktur, die uns nützen wird. Auch in Ungarn und in Tschechien werden wir neue Filialen eröffnen. Die Filialen in Ungarn und Tschechien zählen zu unseren renditestärksten“, sagte Vorstandschef Franz Gasselsberger dem Handelsblatt.

Er will in diesem Jahr bis zu acht neue Filialen in den beiden Ländern mit hohem Wirtschaftswachstum eröffnen. In den ungarischen Markt ist die Oberbank erst relativ spät im Jahr 2006 eingestiegen. Das hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Konkurrenten wie der Raiffeisen Bank International oder der Ersten Group mit den umstrittenen Franken-Krediten kein Problem hatte.

Der umtriebige Vorstandschef, der im Nebenberuf auch Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Linz ist, glaubt auch im digitalen Zeitalter an die klassische Bankfiliale. „Unsere Kunden wie mittelständische Betriebe und Familienunternehmen schätzen die persönliche Nähe. Darum setzen wir entgegen dem Trend in der Bankenbranche auf das Filialgeschäft“, sagt der kostenbewusste Manager. Derzeit betreibt die Bank mit über 2.000 Mitarbeitern insgesamt 159 Zweigstellen. Die Kundeneinlagen beliefen sich zuletzt auf 26 Milliarden Euro.

Die Einrichtung einer Filiale ist vergleichsweise preiswert. Nach Unternehmensangaben kostet eine Zweigstelle nicht einmal eine Million. Der Druck auf die Zweigstelle ist allerdings hoch „Eine neue Filiale erreicht in eineinhalb Jahren die Gewinnzone. Manchmal wie im Falle unserer Filialen in Ulm oder Erfurt geht es auch schon innerhalb von zwölf Monaten“, sagt der Oberbank-Chef.

Gasselsberger steht seit 15 Jahren an der Spitze der börsennotierten Bank. Erzählt zu den dienstältesten CEOs in der mitteleuropäischen Finanzwirtschaft. Der 57-Jährige strebt eine weitere Vertragsverlängerung an. Der Österreicher hat die Oberbank zu einem renditestarken Finanzinstitut ausgebaut. „Im Jahr 2016 werden wir voraussichtlich das beste Ergebnis im siebten Jahr in Folge erzielen“, kündigt er an. Im Jahr zuvor erzielten die Österreicher einen Nettogewinn von 166 Millionen Euro.

Im hart umkämpften Heimatmarkt in Österreich scheut sich Oberbank nicht vor Schließungen. So entschied die Bank kürzlich,  drei untereinander nahe gelegene Standorte im Raum Wels (Oberösterreich) zum 31. Januar zuzusperren. CEO Gasselsberger kümmert sich intensiv persönlich um das Filialnetz. „Ich bin das ganze Jahr landauf, landab unterwegs“, sagt der Bankchef, der häufig Deutschland weilt. Bislang ist die Oberbank vor allem in Bayern präsent. „In einer sich schnell verändernden Welt suchen viele Kunden verlässliche Werte, die wir als mittelständisches Bankhaus bieten“, meint er. „Gegenüber den Großbanken haben wir den Vorteil der Schnelligkeit und Flexibilität.“

Die intensive Kenntnis der Firmenkunden und ihrer Geschäftsmodelle über Jahre führe zu niedrigen Kreditrisiken, die im harten Wettbewerb einen Vorteil darstellen würden. Ende vergangenen Jahres hatte das Finanzinstitut eine Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt. Der unter Druck stehende Großaktionär Unicredit hat diese Kapitalerhöhung allerdings nicht mitgemacht. So erhöhte sich der Anteil des Streubesitzes der Oberbank AG auf rund 36 Prozent. „Das macht uns attraktiver für die Börse“, freute sich Gasselsberger.

Die Vorzugsaktien der österreichischen Bank, die zuletzt einen erstaunlichen Anstieg verzeichneten, erfreuen sich als stabiler Dividendenbringer einer gewissen Popularität. Daran wird sich auch in diesem Jahr nicht ändern. „Weniger Dividende wird es in diesem Jahr nicht geben. Wir haben unsere Aktionäre in der vergangenen anderthalb Jahrzehnten noch nie enttäuscht“, sagte Gasselsberger. Wie hoch die vorgeschlagene Dividende für die Hauptversammlung im Mai genau ausfallen wird, darüber wollte der Bankchef allerdings keine Angaben machen. Die Oberbank besitzt eine Marktkapitalisierung von fast zwei Milliarden Euro.

In Österreich gehen die Banken generell wieder optimistischer ins Jahr, da sich  die Konjunkturaussichten nach Einschätzung heimischer Wirtschaftsforscher verbessern. „Die Kreditnachfrage erreichte im vierten Quartal 2016 in unserer seit vier Jahren regelmäßig durchgeführten internen Befragung einen neuen Höchststand. Offensichtlich planen viele österreichische Unternehmen aktuell zu investieren“, sagte der österreichischen Volksbanken-Chef Gerald Fleischmann am Dienstag. Auch die Oberbank merkt die Tendenz. Ihr Kreditvolumen wuchs im dritten Quartal des vergangenen Jahres um über sieben Prozent auf knapp 14 Milliarden Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Expansion in Deutschland: Die Bankfiliale lebt"

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  • Traditionelles und daher gesundes Geschäftsmodell, ohne Personalwasserkopf wie viel Sparkassen. Es erstaunt mich immer wieder wie deutsche Banken sich selbst umi hre Marktkompetenz bringen, in dem sie das lokale know how der Mitarbeiter gezielt zerstören um dieses Wissen durch unpersönliche statistische Werte zu ersetzen.
    Das macht halt den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust aus.

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