Experte Stefan Best
Die Landesbanken sind zu zersplittert

„Eine Zentralbank für alle Sparkassen wäre ausreichend“, sagt der Landesbank-Experte Stefan Best. Der Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's hält die WestLB-Lösung für halbherzig.
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FrankfurtDas von Brüssel erzwungene Aus für die WestLB löst nach Einschätzung von Landesbankenexperte Stefan Best die Dauerprobleme der Sparkassen-Finanzgruppe nicht. „Die Geschäftsmodelle sind in weiten Teilen nach wie vor nicht tragfähig“, urteilte der Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Auch die restlichen Landesbanken seien abhängig von „expliziter und impliziter Unterstützung“ durch ihre jeweiligen Eigentümer.

„Die verbliebenen fünf großen Landesbanken müssen sich alle Gedanken machen, wie sie sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Regulierung und der engeren Refinanzierungsmärkte positionieren wollen“, sagte Best.

Nach dem Verschwinden der Düsseldorfer WestLB zum Ende dieses Monats teilen sich vor allem LBBW (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen), Bayern LB (Bayern), NordLB (Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt), Helaba (Hessen, Thüringen) und HSH Nordbank (Hamburg, Schleswig-Holstein) den Markt.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die das Sparkassengeschäft der WestLB übernehmen wird, könnte nach Einschätzung von Best eine gewichtigere Rolle als Zentralbank bekommen. „Aber nur mit Zentralbankgeschäft kann man die Kosten nicht decken und Geld verdienen“, gab Best zu Bedenken.

„Die Landesbanken sind zu zersplittert. Sie haben kaum Alternativen als in eher volatilen, risikoreichen Geschäftsfeldern zu arbeiten“, analysierte Best. „Eine Zentralbank für alle Sparkassen, die alle Aktivitäten bündelt, die die Sparkassen selbst nicht leisten können, wäre ausreichend. Dazu zählen beispielsweise das deutsche Firmenkundengeschäft aber auch das Fonds-, Versicherungs-, Bauspar- und Leasinggeschäft. Ähnlich ist es im Genossenschaftssektor.“

Man könne allerdings die Landesbanken in ihrer jetzigen Form auch nicht einfach zusammenwerfen. „Dafür sind die Institute zu groß und sie haben zu viele Aktiva mit schwer einschätzbaren Risiken.“ Auch politische Widerstände gegen Fusionen halten sich beharrlich: „Obwohl es in der Vergangenheit viel Geld gekostet hat, hängen die Länder immer noch an ihren Landesbanken - vermutlich als politisches Instrument. Hierfür gibt es aber bereits Förderbanken“, sagte Best.

Insgesamt werde das Aus für die WestLB die Landesbankenlandschaft nicht entscheidend verändern. „Das Ausscheiden der WestLB wurde von der EU erzwungen. Ein eigenes Konzept, um den öffentlichen Bankensektor besser aufzustellen, kann ich nicht erkennen, obwohl er einer der stärksten Bankengruppen Europas sein könnte“, sagte Best.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was wird eigentlich aus der 199% tigen Tochter der West LB, der Westimmo in Mainz?

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