Experten erwarten weitere große Deals: US-Manager kreieren Finanzsupermärkte

Experten erwarten weitere große Deals
US-Manager kreieren Finanzsupermärkte

Das Fusionskarussell am US-Bankenmarkt dürfte sich nach dem Zusammenschluss von JP Morgan Chase und Bank One noch schneller drehen. In den Startlöchern steht Ken Thompson, der ambitionierte und mit 53 Jahren vergleichsweise junge Chef der US-Bank Wachovia. Laut informierten Kreisen sucht die in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ansässige Bank derzeit aktiv nach Fusionspartnern.

NEW YORK. Auch Fifth Third aus Cincinnati in Ohio gilt als möglicher Käufer, ebenso wie ausländische Akteure mit US-Filialnetz wie HSBC, Royal Bank of Scotland und ABN Amro. Darüber hinaus will Stanley O’Neal, Chef der Investmentbank Merrill Lynch, das Privatkundengeschäft stärken. Gespannt warten Beobachter, ob der 60-jährige Chef des kalifornischen Finanzriesen Wells Fargo seine Karriere mit einem großen Deal abschließt.

„Die Mega-Fusion zwischen JP Morgan Chase und Bank One bringt insbesondere die zweite Reihe der Großbanken in Zugzwang“, sagte Analyst Reilly Tierney vom Researchhaus Fox-Pitt, Kelton. Diese Banken müssten entweder durch eigene Übernahmen zu den Giganten aufschließen oder fürchten, selbst geschluckt zu werden.

Die Chicagoer Bank One wählte die letztere Alternative. Die nach Bilanzsumme sechstgrößte Bank der USA lässt sich von der Nummer zwei, JP Morgan Chase, schlucken. Nur so konnte Bank-One-Chef James „Jamie“ Dimon seine ehrgeizigen Wachstumsziele umsetzen. Seit Dimon im Jahr 2000 die Führung bei Bank One übernahm, fiel das Institut vom vierten auf den sechsten Rang der größten US-Banken zurück, trotz kräftigen organischen Wachstums. Grund: Rivalen wuchsen durch Fusionen noch schneller.

„Insbesondere die angekündigte Übernahme von Fleetboston durch Bank of America im vergangenen Oktober setzte Bank One und JP Morgan unter Handlungsdruck“, sagte Analyst Brock Vandervliet vom New Yorker Investmenthaus Lehman Brothers. Nun kreiert Dimon mit JP-Morgan-Chef William „Bill“ Harrison einen neuen Finanzgiganten, der sich auf das starke Investment-Banking von JP Morgan und das 1 800 Filialen große Privatkundennetz von Bank One stützt.

Der 60-jährige Harrison krönt mit dem Deal seine Karriere. Er hofft gleichzeitig, seinen Ruf aufzupolieren, der unter der schwierigen Fusion zwischen Chase Manhattan und JP Morgan im Jahr 2000 litt.

„Die neue Bank wird durch die Balance zwischen Firmen- und Verbrauchergeschäft wesentlich stabilere Erträge aufweisen“, sagte Harrison. Damit beschreibt der JP-Morgan-Chef auch die Ratio hinter dem allgemeinen Trend zu immer riesigeren US-Finanzsupermärkten: Größe macht die Banken unabhängiger von Flauten in einzelnen Geschäftsbereichen und Regionen. Zudem können die Größten ihren Kunden mehr Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Und mit der geballten Kraft von über einer Billion Dollar Bilanzsumme können die Giganten viel massiver in Wachstumsfelder investieren als ihre Rivalen. „Größe zählt, besonders bei Finanzdienstleistungen“, sagt der Vorstand eines großen Investmenthauses, „und das wissen die US-Bankmanager.“

Die geballte Macht der großen drei US-Finanzgruppen – Citigroup, JP Morgan Chase/Bank One und Bank of America/Fleetboston – ist enorm: Sie verfügen künftig über eine Bilanzsumme von kombiniert 3,2 Billionen Dollar. Zudem kontrollieren die großen drei rund 70 % des Marktes für syndizierte Kredite an Großunternehmen. Zum Vergleich: Die drei größten deutschen Banken – Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank – kommen zusammen auf 1,9 Billionen Euro (2,0 Billionen $ nach Wechselkurs zum Jahresende 2002). Der Börsenwert der drei größten deutschen Institute beträgt jedoch nur einen Bruchteil ihrer US-Rivalen.

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