EZB als Finanzwächter
Die extremen Ansprüche an die neue Bankenaufsicht

Die einheitliche Finanzaufsicht in Europa holpert zum Start. Eine drohende Milliardenstrafe für eine Bank zeigt, dass ein groß angelegter Stresstest Schwächen haben könnte. Sind die Ansprüche an die Zentralbank zu hoch?
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FrankfurtMehr als die Hälfte der Vorbereitungszeit für die Übernahme der Finanzaufsicht im Euroraum durch die Europäische Zentralbank (EZB) ist abgelaufen und Danièle Nouy, die ehemalige Leiterin der französischen Bankenaufsicht, schlägt sich mit Geistern der Vergangenheit herum. Die neue Rolle der EZB bei der Überwachung von Geldhäusern wird dadurch überschattet.

Denn über der französischen Großbank BNP Paribas hat sich ein Sturm zusammengebraut. Die größte Bank Frankreichs hat Nouy einst selbst beaufsichtigt. Und auch die Wirren um die Zukunft des dahinsiechenden Kreditinstituts Dexia kennt sie genau. Derweil laufen auch die Überprüfungen anderer großer Banken nicht wirklich rund.

Die Vorsitzende des Aufsichtsgremiums des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism - SSM) leitet in dieser Woche eine Sitzung des Gremiums. Kritik an dem von der EZB entwickelten Stresstest, der in diesem Sommer beginnt, Verzögerungen bei der Einstellung von Fachleuten und die Aufschiebung eines Teils der sogenannten umfassenden Untersuchung erhöhen das Reputationsrisiko für die EZB bei der Neudefinition ihrer Rolle: die Retterin des Euro wird zur Herrin über die Finanzwelt.

Vorgesehen als Säule für die aufkeimende „Bankenunion“, mit der künftige Krisen verhindert werden sollen, wird der SSM die Macht über die Banken der Region ab dem 4. November ausüben. „Es ist - gelinde gesagt - kein perfekter Prozess“, sagt Nicolas Veron, Mitarbeiter der Denkfabrik Bruegel in Brüssel und des Peterson Institute for International Economics in Washington. „Fehler passieren. Das wichtige ist nun, diese zu korrigieren, solange die günstigen Marktbedingungen anhalten.“

Auf Platz eins der Liste möglicher Gefahren für einen reibungslosen Übergang, wenn die 18 nationalen Aufseher die Kontrolle über die Banken abgeben, steht die mögliche Strafe über 10 Milliarden Dollar, die die US-Justiz offenbar von BNP Paribas für den angeblichen Bruch von Handelssanktionen verlangt. Die französische Bank zählt zu den systemrelevanten Banken, die künftig direkt von der EZB in Frankfurt überwacht wird.

Gleichzeitig gibt es Probleme bei der umfassenden Untersuchung der 128 größten Banken des Euroraums. Mit ihrer zwölf Monate andauernden und dreistufigen Prüfung will die EZB den wahren Zustand der Finanzhäuser ermitteln. Zu diesem Zweck schwärmten etwa 6000 Kontrolleure und Buchprüfer über ganz Europa aus, um rund 160.000 Kreditakten unter die Lupe zu nehmen und die Widerstandsfähigkeit der Branche gegen Schocks zu bewerten.

Selbst mit einer solchen Armee von Experten dürfte es der EZB schwerfallen, die gesetzten Ziele in dem noch verfügbaren Zeitrahmen zu erreichen.

Kommentare zu " EZB als Finanzwächter: Die extremen Ansprüche an die neue Bankenaufsicht"

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  • Schwächen haben könnte ist gut!.....man redete davon dass Banken 1,3 Billionen EK fehlen was tunlichst verschwiegen wird. die Bankenaufsicht kann man getrost in der Pfeife rauchen!

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