EZB-Anleihekäufe
Draghi verteidigt umstrittene Rede

EZB-Vorstandsmitglied Benoît Coeuré hatte im Mai wenigen Investoren von der geplanten Aufstockung der Anleihekäufe im Sommer erzählt. Nun rechtfertigt sich Mario Draghi für das Vorgehen.
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DüsseldorfEin Wort von einem Notenbanker kann Milliarden bewegen. So auch die Rede von des EZB-Vorstandsmitglieds Benoît Coeuré am 18. Mai. Auf einer Konferenz kündigte Coeuré vor Bankern und Großinvestoren an, dass die EZB in den Sommermonaten das Volumen der im Rahmen des Anleihekaufprogramms („Quantitative Easing“), gekauften Papiere erhöhen werde. Begründung: In den Ferienmonaten sei die Liquidität auf den Märkten traditionell geringer. Das wolle die Notenbank ausgleichen, indem sie mehr Staatspapiere kauft.
Für diese Rede muss sich EZB-Chef Mario Draghi nun rechtfertigen. Der breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde Coeurés Statement erst am folgenden Tag. In einem offenen Brief an die EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly gibt Draghi deshalb zu, dass die Kommunikationspanne zu einer Reihe von Missverständnissen geführt habe. Der Brief ist auf den 10. Juni datiert.

Zuvor hatte die Ombudsfrau die Zentralbanker dafür kritisiert, nur einen kleinen Kreis von Investoren über „potenziell marktsensible Informationen“ informiert und andere Anleger außen vor gelassen zu haben. Zutritt zu der Veranstaltung hatten lediglich ausgewählte Banker und Hedgefonds-Manager, darunter Vertreter von Goldman Sachs und Citi. Journalisten blieb der Zutritt verwehrt. Besonders sauer aufgestoßen ist den Kritikern wohl, dass die Teilnehmer bereits während der Veranstaltung von ihrem Informationsvorsprung Gebraucht machten, woraufhin der Eurokurs massiv gegenüber dem Dollar verlor.

Doch Mario Draghis Meinung nach habe es den vermeintlichen Informationsvorsprung überhaupt nicht gegeben. Draghi zufolge gehören ein direkter Austausch mit der Öffentlichkeit, aber auch mit spezialisierten Zielgruppen zur notwendigen Kommunikation. „Die EZB handelt bei ihrem Anleihekaufprogramm sehr transparent“, schreibt der EZB-Chef. Das Volumen der gekauften Anleihen werde auf Wochenbasis auf der EZB-Webseite veröffentlicht. Die EZB habe die Zahlen zu dem in der ersten Maihälfte gekaufte Anleihevolumen bereits am 11. und am 18. Mai veröffentlicht. „Somit war die Aufstockung der Käufe für den Sommer für die Öffentlichkeit ersichtlich“, so Draghi.

Coeurés Rede hatte nicht nur den Euro gedrückt. Es hatte die Anleger auch erneut auf die Aktienmärkte getrieben. Sie agierten so, als hätte die EZB nicht nur eine kurzfristige Liquiditätswelle losgetreten, sondern als ob sie dauerhaft ihren Kurs geändert hätte. Für den Dax ging es bereits am 18. Mai mehr als zwei Prozent ins Plus – wegen einer Nachricht, die eigentliche keine Nachricht war. In seinem Brief schreibt Draghi, dass die Aufstockung der Anleihekäufe in den Sommermonaten keinesfalls als eine langfristige Änderung der EZB-Politik interpretiert werden könne.

Die Notenbank habe weitere Schritte eingeleitet, um ihre Kommunikation zu verbessern. „Das Direktorium wird die Ergebnisse in Kürze vorstellen“, heißt es in seinem Schreiben. Die verspätete Veröffentlichung der Coeuré-Rede führte Draghi auf einen „internen Verfahrensfehler“ zurück.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Anleihekäufe: Draghi verteidigt umstrittene Rede"

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  • Es sollte damit wohl eine "Lagerbildung in der öffentlichen Meinung" ausgeschlossen sein.

    Draghi und die EZB sind jenseits jeden politischen Anstands und bewegen sich völlig losgelöst von irgendwelchen Regularien.

  • Wenn das was die EZB im Rahmen der Peripheriestaatenkrise ("Eurokrise" stammt ja wohl eher aus der Feder angloamerikanischer Saboteure) und QE in den letzten 36 Monaten tut mal keine verbotene Staatsfinanzierung war, wie sollte diese dann aussehen. An die Hofschranzengarde des EuGH und BVerfG spart euch das Papier für umfangreiche Urteilsbegründungen, die nur davon ablenken sollen, dass man die rechtsstaatliche Kontrolle der EZB aufgegeben hat.
    Wenn schon selbstgemachte Haushaltsprobleme eines Wirtsschaftszwerges wie Griechenland als Argument zu einer beispielslosen Enteignung der Bürger zugunsten des Fiskus taugt, was eigentlich wenn mal Deutschland in einen negativen Konjunkturzyklus eintritt. Verehrte Senate einfach mal einen Kursus Volkswirtschaft für Anfänger besuchen, dann kapiert auch der politisch eingesetzte Jurist, warum sich die Cremé de la Cremé der Wirtschaftsweisen zu Sammelklagen zusammen gefunden hat. Wenn die Justiz nicht mehr in der Lage ist, dem Eigeninteresse der Politik an Vertuschung eigener Fehler durch der Schaffung monetärer Endlagerstätten endgegen zu treten, wer denn sonst. Ottonormalbürger versteht die komplexen Zusammenhänge doch nicht mehr. Eine demokratische Ahndung dieser schwerwiegender Verfehlungen der EZB ist daher durch den Wähler nicht zu erwarten. Schläft hier die Justiz eigentlich?

  • ist doch Glasklar die Sache! erst macht er die Staatsanleihen madig und die leute renn in Aktien weil man erzählt Dax bald bei 20.000? hahaha, nebenbei rauschen die nutzzlosen wertlosen Anleihen in den Keller und der Aktiencrash steht an. und den Bums überlebt keiner.

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