EZB
Erwartungen an nächste Zinssitzung gedämpft

Die Wirtschaft läuft gut, die Inflation zieht an. Die Hauptziele der EZB scheinen erreicht. Trotzdem weicht man in Frankfurt nicht von der bisherigen Geldpolitik ab. Die Hoffnung auf Änderungen im Juni wurde gedämpft.
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FrankfurtEZB-Führungsmitglieder haben am Mittwoch Erwartungen gedämpft, dass die Euro-Notenbank schon bald einen geldpolitischen Kurswechsel ankündigt. Insgesamt festige sich zwar die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet auf einer Veranstaltung in Sofia laut Redetext. „Wir müssen aber noch eine hinreichend breite und solide Informationsbasis schaffen, um Zuversicht aufzubauen, dass die vorhergesagte Inflationsentwicklung robust, dauerhaft und selbsttragend ist“, sagte der Belgier. So sei beispielsweise das Lohnwachstum im Währungsraum nach wie vor nur verhalten.

Auch EZB-Präsident Mario Draghi sieht derzeit keinen Grund für Änderungen am geldpolitischen Ausblick der Notenbank: Das machte Draghi am Mittwoch auf einer Veranstaltung in Madrid deutlich. Laut Redetext sagte er, die EZB komme bei der Bewertung negativer Folgen ihrer Geldpolitik zu keiner neuen Einschätzung. Draghi hatte zuletzt wiederholt bekräftigt, dass die Schlüsselzinsen der Notenbank weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuell niedrigen Niveau oder sogar noch darunter liegen dürften.

„Die Nebenwirkungen sind begrenzt geblieben, aber wir berücksichtigten sie in der Formulierung unserer Geldpolitik“, sagte Draghi. Er bestätigte zugleich seine Vorstellungen darüber, in welcher Reihenfolge die EZB künftig ihre geldpolitischen Maßnahmen zurückdrehen wird. Bisher ist vorgesehen, dass zunächst die großangelegten Anleihenkäufe der Notenbank gestoppt sein müssen, bevor Zinserhöhungen infrage kommen. EZB-Direktor Benoit Coeure hatte diese Reihenfolge unlängst in einem Reuters-Interview infrage gestellt. Dies sei nicht in Stein gemeißelt, hatte er gesagt

Die Währungshüter kommen am 8. Juni in der estnischen Hauptstadt Tallinn zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen. Zuletzt waren angesichts der anziehenden Konjunktur vor allem aus Deutschland die Rufe nach einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik wieder lauter geworden. Bislang plant die Europäische Zentralbank (EZB), noch bis mindestens Ende Dezember Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat aufzukaufen, um damit die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflationsrate nachhaltig nach oben zu treiben. Zudem halten die Währungshüter die Zinsen auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen.

„Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Anreize nicht vorschnell zurückfahren“, sagte der Vizepräsident der EZB, Vítor Constâncio, am Mittwoch in Frankfurt. Es sei besser, diese zu spät zurückzunehmen als zu früh, sagte der Stellvertreter von EZB-Präsident Mario Draghi. Dennoch sei dem EZB-Rat „sehr bewusst, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessert“, versicherte Constâncio. „Und das wird selbstverständlich in unseren künftigen Entscheidungen berücksichtigt.“

Die Euro-Wächter hatten bei ihrer Zinssitzung im April weder an den Leitzinsen noch an ihrem in Deutschland umstrittenen Anleihenkaufprogramm gerüttelt. Sie hatten zudem bekräftigt, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuell tiefen Niveau oder sogar noch niedriger liegen dürften. Manche Experten spekulierten zuletzt, dass die EZB im Juni vielleicht einige Änderungen an ihrem Ausblick vornimmt und etwa die Passage streicht, in der ein noch niedrigeres Zinsniveau für die Zukunft nicht ausgeschlossen wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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