EZB-Kredit für Banken

Draghis Billionengeschütz verpufft

Mit einer Billion Euro wollte EZB-Präsident Draghi Europas Banken helfen. Nach drei Monaten ist die Wirkung verpufft, die Euro-Krise und neue Aufsichtsregeln lassen den Banken kaum Luft zum Atmen.
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EZB-Präsident Mario Draghi: Experten bezweifeln, dass die Banken den riesigen EZB-Kredit 2015 alleine umschulden können. Quelle: Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi: Experten bezweifeln, dass die Banken den riesigen EZB-Kredit 2015 alleine umschulden können.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDicke Bertha hat der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, seinen eine Billion Euro großen EZB-Kredit für die Banken genannt - in Anlehnung an eine deutsche Riesenkanone aus dem Ersten Weltkrieg. Doch die Wirkung von Draghis Geschütz ist angesichts der hartnäckigen Staatsschuldenkrise nach drei Monaten längst verpufft.

Europas Banken konnten sich im zweiten Quartal dieses Jahres am Kapitalmarkt kaum noch Geld ohne Sicherheiten leihen. Während sie sich im ersten Quartal verteilt über alle Währungen 109,8 Milliarden Euro holen konnten, waren es im zweiten Quartal gerade einmal 26,2 Milliarden Euro. Früher machten unbesicherte Anleihen im Durchschnitt die Hälfte der Fremdkapital-Finanzierung aus. In der zweiten Jahreshälfte 2011 waren es laut einer Studie von DB Research nur noch 38 Prozent.

Vorläufig hilft es den Instituten, dass viele ihren Jahresfinanzbedarf dank des EZB-Kredits schon im ersten Quartal gesichert haben. Eine Dauerlösung ist das nicht. Denn eine mögliche Folge der teureren Kapitalmarktfinanzierung könnte laut DB Research sein, dass Banken Aktiva abbauen, sprich: mit Krediten knausern.

Die Aussichten sind trübe. "Ich erwarte nicht, dass sich das Umfeld für Bank-Anleihen kurzfristig verbessert", sagt Philipp Lingnau, der für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand bei Morgan Stanley in Deutschland. Die Analysten von DB Research prophezeien, dass die Finanzierung von Banken über den Kapitalmarkt "dauerhaft teurer" werden wird.

"Was unbesicherte Bankanleihen derzeit generell so unattraktiv macht, ist deren starke Schwankungsanfälligkeit", sagt Oliver Piquardt, Spezialist für Bankanleihen bei der DZ Bank. Denn immer wenn Risikoaufschläge insgesamt steigen, dann steigen die der Bankanleihen besonders stark. Piquardt beobachtet eine Zweiteilung im Markt. "Es gibt Länder und einzelne Banken, die man einfach nicht kaufen will", sagt er.

Das trifft vor allem die Banken aus Krisenländern wie Spanien, Portugal oder Italien. "Natürlich gibt es noch immer Probleme mit der Kapitalmarktfinanzierung", sagt Giovanni Sabatini, Generaldirektor des italienischen Bankenverbands ABI. "Doch das liegt an der politischen Krise in Europa, nicht an der Lage der italienischen Banken selbst", sagte er dem Handelsblatt.

Neue Regeln für Bankanleihen schüren die Unsicherheit zusätzlich. Denn die EU-Kommission will Anleihebesitzer stärker als bisher zur Kasse bitten, wenn eine Bank in Schieflage gerät. Aber viele Details der Regeln, die ab 2018 gelten sollen, sind noch offen. "Solange Investoren nicht wissen, wie riskant eine Anleihe ist, dann kaufen sie sie nicht", sagt ein Topbanker.

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10 Kommentare zu "EZB-Kredit für Banken: Draghis Billionengeschütz verpufft"

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  • Wir haben den Fehler korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

    - Die Redaktion

  • Immer diese Beschwerden. Das HB hat lediglich dazugelernt und festgestellt, dass der gleiche Artikel eventuell bereits in 4 Wochen neu veröffentlicht werden muss. Der Umformulierungsbedarf ist dann klitzeklein. Statt "einer Billionen" heißt es dann "zwei Billionen".

    Wir sollten diese Vermischung von Singular und Plural also eher als Blick in die Kristallkugel betrachten.

  • Isch sach euch:

    die Klauns von die Hetchfongs haben die Kriese veruhrsacht !!!!!

    (Übrigens alles Originale aus den Blogs)

  • Der kleinste orange Grammatikduden wird bald Billionen Euro kosten. Dann werden auch Deutschlehrer merken, dass der Inhalt wichtig ist.

  • @MERBOD
    "Der Deutschteufel hat mal wieder zugeschlagen: 'Mit einer Billionen Euro wollte ...' liest man hier."

    Wieso mal wieder? Der ist hier ZU HAUSE!

    Was hier zum Teil sogar in Überschriften und Teasern roh vertippt wird, bereitet beim Lesen zuweilen schon körperlichen Schmerz!

    Offenbar hat beim HB, wie bei vielen anderen Printmedien auch, irgend ein vorbeiziehender Wander-Controller auf Praktikantenhonorar darauf erkannt, daß die Redaktion eines Artikels, also das Redigieren desselben, nur unnötig Zeit kostet. Und deshalb die verantwortungsgeladene Aufgabe des Korrigierens kurzerhand an die Autoren delegiert.

    Ab dem fünften Fehler wird man bekanntlich blind. Und deshalb gibt's für den schleichend erblindenden Leser ganz zum Schluß dieses Artikels auch nochmal was auf die Augen:

    "Solange Investoren nicht wissen, wie riskant eine Anleihe ist, dann kaufen sie sie nicht", sagt ein Topbanker.

    1. "Solange ..., dann ..." ist miese Grammatik.
    2. ", sagt ein Topbanker" ist hier die falsche Zeit.

    Bitte Texte VOR der Veröffentlichung gegenlesen lassen. Von jemandem, der den Text noch nicht kennt.

  • Der Deutschteufel hat mal wieder zugeschlagen: "Mit einer Billionen Euro wollte ..." liest man hier. Was soll der Unsinn? Muss man den Redakteuren (und natürlich -innen) noch Deutsch beibringen? Der Singular (falls so etwas den Redakteuren etwas sagt) lautet: ein Hundert, ein Tausend, eine Million, eine Billion usw. - ein Hunderte, ein Tausende, eine Millionen, eine Billionen ist eine Mischung aus Singularartikel und Plural und natürlich völlig daneben.

  • Deutschland muss vernünftigerweise aus der Eurozone aussteigen.

    Ich will ehrlich gesagt garnicht wissen wie es in den FPIGS-Banken aussieht. Das wissen wir zur Zeit auch nicht. Das kommt erst auf dem Tisch wenn unser Stimmvieh im Bundestag den ESM durchgewunken hat.

    Bloß wieso hören wir immer aus den FPIGS-Ländern die Rettungsschirme seien viel zu klein, ohne das sie konkreter werden weshalb?

    Das kann nur übel ausgehen. Deutschland muss sich auf einen Euroaustritt vorbereiten und sich eine Exitstrategie überlegen. Alles andere wäre organisierte Verantwortungslosigkeit. Die bisherige Strategie ist zu 100% gescheitert. Bei den FPIGS sehe ich seit 2010 keine einzige nennenswerte Reform. Sogar das Gegenteil ist der Fall (Frankreich führt wieder Rente ab 60 ein und braucht dafür zuätzlich 5 Milliarden Euro). Durch solche Reformen wird die wettbewerbsfähig Frankreichs weiter gesenkt. Das Risiko das Frankreich auch unter den Schirm muß erhöht. Die erkaufte Zeit durch deutsches Steuergeld wurde verschwendet, ja sogar verspottet und verhöhnt. Der Retter wird verspottet, verhöhnt und beleidigt. Was ist das für eine Strategie? Die Briten sind einfach ausgestiegen und niemand verhöhnt und beleidigt sie. Wir sollen uns an den klugen Briten ein Beispiel nehmen. Gute und pragmatische Politik ohne verrückte EUdSSR-Visionen!

  • Man kann die EZB mit einem Dealer vergleichen, der Heroin verteilt an Heroin-Abhängige.

    Wenn die Entzugs-Erscheinungen zu gross werden, verteilen sie neues Heroin.

    Armleuchter !!!

  • Die wahnsinnige Neuverschuldung für die diversen "Rettungsschirme" hat eigentlich nie geholfen. Trotzdem hört man nicht auf, Geld zu verteilen, weil man sich keine Gedanken über Alternativen machen will. Ausserdem freut sich doch Jeder Schuldenstaat, geld geschenkt zu bekommen.

  • Na..die dicke Bertha und deren Weiterentwicklungen waren zwar technische Wunderwerke aber in Ihrer tatsächlichen militärischen Wirkung genau so nutzlos wie jene Berthas der EZB sind und sein werden. Wann reisst sich die Politik der Euro-Länder endlich am Riemen, krämpelt die Arme hoch und bewegt was. Ich sehe in allen Krisenländern nur eine Haltung: Abwarten , bis es Milch und Honig vom Himmel regnet!

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