EZB-Politik
Bankenverband warnt vor Währungskrieg

Der Bundesverband deutscher Banken hat vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank vor den Folgen der lockeren Geldpolitik gewarnt. Es drohe ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben werde.

BerlinDie deutschen Privatbanken sehen bei einer erneuten Lockerung der Geldpolitik durch die EZB die Gefahr eines Währungskrieges aufziehen. „Am Ende droht ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben wird“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Mittwoch in Berlin. Ein weiteres Öffnen der Geldschleusen könne in zahlreichen Ländern zu Gegenmaßnahmen führen. Er rät den Währungshütern in Frankfurt deshalb zu einer „Politik der ruhigen Hand“.

Die meisten Experten gehen allerdings davon aus, dass die Europäische Zentralbank an diesem Donnerstag beschließen wird, die Summe ihres Wertpapier-Kaufprogramms von aktuell 60 Milliarden Euro pro Monat zu erhöhen. Der Strafzins von derzeit minus 0,3 könnte zugleich auf dann minus 0,4 Prozent verschärft werden. Diesen müssen Banken bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Die EZB will Finanzinstitute dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und damit die Konjunktur anzuschieben sowie die niedrige Inflation anzuheizen.

Der BdB sieht noch weitere Gefahren. „Negative Notenbankzinsen können aufgrund des Wettbewerbsdrucks von den Banken kaum an die Kunden weitergegeben werden“, sagte Kemmer. „Die Erträge der Finanzinstitute geraten daher massiv unter Druck.“ Das beeinträchtige deren Fähigkeit, ihr Eigenkapital und damit längerfristig ihre Kreditvergabe zu stärken. Gesunkene Zinsmargen könnten dazu führen, dass Banken ihre Kreditzinsen erhöhen, um die Geschäftskosten zu decken. „Das wäre genau das Gegenteil von dem, was die Notenbank beabsichtigt“, sagte Kemmer.

Die deutsche Wirtschaft wächst nach Prognose der privaten Banken sowohl 2016 als auch 2017 etwas langsamer als im vergangenen Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,6 Prozent und im nächsten 1,5 Prozent zulegen, so der BdB. 2015 hatte es noch zu einem Plus von 1,7 Prozent gereicht. „Weltweit erleben wir gerade eine außergewöhnliche Bündelung von Risiken“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. „Doch handfesten Krisenszenarien können wir uns nicht anschließen.“

Stützpfeiler der Konjunktur in Deutschland ist der private Konsum. Rekordbeschäftigung und niedrige Inflation sollen ihn um jeweils mehr als zwei Prozent wachsen lassen. Dagegen dürfte der Außenhandel bremsen. Die Exporte sollen zwar zulegen, aber nicht so stark wie die Importe. Das bremst die deutsche Wirtschaft.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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