EZB-Stresstest
Krisenbank Dexia bekommt Sonderbehandlung

Die französisch-belgische Krisenbank Dexia erhält bei im laufenden Stresstest europäischer Großbanken eine Sonderbehandlung. Damit würden die beiden Eigner Frankreich und Belgien viel Geld sparen.
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Frankfurt/ParisIm laufenden Stresstest europäischer Großbanken bekommt ein Institut eine Sonderbehandlung: Die französisch-belgische Krisenbank Dexia wird zwei Insidern zufolge nicht so hart rangenommen wie andere. Damit kämen Frankreich und Belgien um die Verlegenheit herum, das verstaatlichte Geldhaus möglicherweise mit weiteren Steuergeldern aufpäppeln zu müssen.

Die Regierungen hatten einem Insider zufolge den Antrag gestellt, Dexia zumindest zum Teil von der Prüfung auszunehmen. Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer betonte: „Das ist wirklich ein sehr einzigartiger Fall.“ Das Institut soll ohnehin abgewickelt werden. „Der Bilanzcheck soll sich schließlich vor allem mit lebenden Banken beschäftigen“, sagte ein Aufseher. Für andere Institute werde es keine Ausnahmen geben.

Dexia muss nur nachweisen, dass sie das Basis-Szenario des Tests und nicht wie andere Banken auch eine simulierte schwere Wirtschaftskrise überstehen könnte, wie zwei mit den Beratungen vertraute Personen Reuters sagten. Das bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte Aufsichtsgremium, das im Herbst nach der Prüfung der Geldhäuser die Oberaufsicht über die Banken übernimmt, habe dem EZB-Rat dieses Vorgehen empfohlen. Die Notenbank, Dexia und die belgische Nationalbank lehnten Stellungnahmen ab.

Das 1996 entstandene Institut war in der Finanzkrise in Schieflage geraten. Seither musste es mit zwölf Milliarden Euro gestützt werden. Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Im März warnte Dexia, dass die Bank bei der EU-Prüfung durchfallen könnte und deswegen vielleicht weiteres Kapital aufnehmen müsste. Dexias Bilanzsumme belief sich Ende März auf 237 Milliarden Euro - rund zwei Drittel des belgischen Bruttoinlandsprodukts.

Dass bei Dexia nun eine Ausnahme bei der Prüfung der größten 124 Institute gemacht wird, ist in doppelter Hinsicht pikant. Zum einen war die neue Chefin der europäischen Bankenaufsicht bei der EZB, Daniele Nouy, zuvor Aufseherin über die französischen Banken und hatte auch mit dem Fall Dexia zu tun. Gleiches gilt für EZB-Chefökonom Peter Praet, der vor seinem Wechsel nach Frankfurt bei der belgischen Zentralbank unter anderem für Aufsichtsthemen verantwortlich war.

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