EZB und EU

Zehn deutsche Banken beim nächsten Stresstest

Europäische Großbanken müssen sich einmal wieder warm anziehen. Im Frühjahr 2016 steht bei ihnen der nächste Stresstest ins Haus. Die EZB will 53 Institute prüfen, davonzehn deutsche. Wer sich bereit halten muss.
Update: 05.11.2015 - 16:25 Uhr
53 Institute müssen aufs Neue beweisen, dass sie genug Eigenkapital-Puffer haben. Quelle: dpa
Banken-Stresstest

53 Institute müssen aufs Neue beweisen, dass sie genug Eigenkapital-Puffer haben.

(Foto: dpa)

FrankfurtNur noch die zehn größten deutschen Geldhäuser müssen sich dem nächsten Stresstest der europäischen Bankenaufseher stellen. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA wollen vom Februar 2016 an nur noch 53 Kreditinstitute auf Herz und Nieren testen, wie die Institutionen am Donnerstag mitteilten.

In der letzten Runde im vergangenen Jahr waren noch 130 europäische Banken dabei, davon allein 24 aus Deutschland. Die kleineren unter den von der EZB direkt überwachten deutschen Banken können aber nur teilweise aufatmen: Die Bankenaufseher der Notenbank wollen sie gleichzeitig einer - vom Aufwand her allerdings abgespeckten – Belastungsprobe unterziehen.

Die Behörden wollen herausfinden, ob die Banken stabil genug sind, um auch eine schwere Krise zu überstehen. Zum ersten Mal werden laut EBA dabei auch die aus Fehlverhalten erwachsenden Risiken und die Probleme mit Fremdwährungskrediten geprüft.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

Viele Institute hatten nach der Finanzkrise Milliarden zahlen müssen, weil Mitarbeiter die Märkte manipuliert hatten und die Überwachungsmechanismen lückenhaft waren. Von den Ergebnissen des Stresstests sollen auch die individuellen Kapitalpuffer abhängen, die die EZB von den Banken künftig fordern will.

Dem vollständigen Stresstest müssen sich aus Deutschland diese zehn Institute unterziehen: die Deutsche Bank, die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ Bank sowie die vier großen Landesbanken BayernLB, LBBW, Helaba und NordLB. Dabei sind auch der Autofinanzierer VW Financial Services, die Förderbank NRW.Bank und die DekaBank, der Fondsdienstleister der Sparkassen. Aus Österreich sind nur noch die Erste Bank und die Raiffeisen-Landesbanken Holding dabei.

Insgesamt stehen die geprüften Institute wie beim letzten Mal für annähernd 70 Prozent der Bilanzsumme im Bankensektor der Euro-Zone. Beim letzten Mal musste noch aus jedem Land wenigstens eine Bank dabei sein. Diesmal ist aus neun der 19 Euro-Länder keine einzige Bank vertreten.

Für elf deutsche Institute wie die Aareal Bank oder die Deutsche Pfandbriefbank, die von der EZB geprüft werden, gelten die gleichen Kriterien wie für die großen, der Aufwand soll aber geringer sein. Einige von ihnen hatten sich über die Flut der verlangten Daten beschwert.

Los gehen soll der Test im Februar. Dann will die EBA die Krisenszenarien und Kriterien veröffentlichen, unter denen sich die Banken bewähren müssen. Ergebnisse werden ab Juli erwartet. Eine einheitliche Mindesthürde, die alle Banken erfüllen müssen, gibt es nicht – damit kann formal auch kein Institut „durchfallen“.

  • rtr
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