EZB Zinssenkungen bleiben bei Kreditinstituten hängen

Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) kommen nur begrenzt der Wirtschaft zugute. Die Banken geben die seit Anfang Oktober gefallenen Zinsen nur teilweise an Kreditkunden weiter. Die deutschen Banken haben den Rückgang der Kapitalmarktzinsen genutzt, um ihre Margen kräftig zu erhöhen.
EZB in Frankfurt. Die Banken haben die seit Oktober gefallenen Zinsen nur begrenzt weitergegeben. Quelle: ap

EZB in Frankfurt. Die Banken haben die seit Oktober gefallenen Zinsen nur begrenzt weitergegeben.

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FRANKFURT. Die EZB hat ihren Leitzins um 3,25 Prozent auf nur noch ein Prozent gesenkt. Der übliche Referenzsatz für die Preisfindung für Kredite mit Laufzeiten von über einem Jahr ist der Swap-Satz. Mit ihm lassen sich am Finanzmarkt variable Zinszahlungen in feste umwandeln. Er liegt etwas oberhalb der Rendite von Staatsanleihen entsprechender Laufzeit. Nach Berechnungen des unabhängigen Finanzanalysten Peter Barkow für das Handelsblatt ist der Aufschlag über den Swap-Satz, den die Banken für Kredite bis eine Mio. Euro fordern, seit September um gut einen Prozentpunkt auf 2,12 Prozent über Swap gestiegen.

Im gleichen Zeitraum sank der durchschnittliche Swap-Satz um knapp zwei Prozent auf 2,76 Prozent. Das bedeutet, dass etwas über der Hälfte des Zinsrückgangs zur Verdopplung der Marge diente. Die Zinsmarge der Banken für Unternehmenskredite bis eine Mio. Euro ist damit auf ein Niveau gestiegen, wie es 2003 auf dem Höhepunkt der letzten Kreditklemme vorherrschte. Bei den Krediten über einer Mio. Euro stieg die Marge weniger stark um 0,64 Prozentpunkte auf 1,63 Prozent über Swap.

Die Bundesbank hat jüngst berechnet, die Banken hätten bei den kurzfristigen Kreditzinsen immerhin 80 Prozent der EZB-Zinssenkungen weitergegeben. Zu den langfristigen Zinsen äußerte sie sich nicht.

Finanzexperte Barkow weist darauf hin, dass diese Entwicklung erheblich von automatischen Zinsanpassungen bei bestehenden Kreditverträgen getrieben sein dürfte. Bei diesen ist die Zinsmarge bereits vorher ausgehandelt. Hier können die Margen nur angehoben werden, wenn die Kreditlinie neu verhandelt wird. Bei längerfristigen Krediten zeigt sich, dass die Banken die Zinssenkungen in deutlich geringerem Maß weitergeben, als der Blick auf die Kurzfristzinsen vermuten lässt.

In welchem Ausmaß die Ausweitung der Zinsmargen darauf zurückgeht, dass die Refinanzierungskosten der Banken gestiegen sind, ist aus diesen Zahlen nicht direkt ersichtlich. Die Banken könnten so versuchen, Verluste aus anderen Geschäften zu kompensieren oder ein höheres Polster für Kreditausfälle aufzubauen. In der Regel können sich Banken mit hoher Bonität in etwa zum Swapsatz am Kapitalmarkt refinanzieren. Allerdings ist derzeit die Bonität der meisten Banken relativ schlecht. Daher müssen sie, wenn sie auf den Kapitalmarkt angewiesen sind, deutlich höhere Aufschläge über den Swapsatz kalkulieren als früher.

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