Fahrende Geschäftsstelle
Sparkasse auf Rädern

In vielen ländlichen Gegenden lohnt sich der Betrieb von Sparkassen-Filialen nicht. Die Lösung: Wenn der Kunde nicht mehr zur Bank gehen kann, dann kommt die Bank zum Kunden – auf Rädern.
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DüsseldorfDie kleinste Sparkassenfiliale im Werra-Meißner-Kreis ist 13,50 Meter lang und 2,5 Meter breit. Das Besondere: Der Kunde muss nicht zu ihr kommen, die Filiale kommt zum Kunden. Sie steckt im Inneren eines Lkw. An fünf Tagen die Woche fährt sie acht Standorte in Nordhessen an; keiner der Orte hat viel mehr als 1000 Einwohner, eine feste Filiale würde nicht lohnen. Die Nähe zum Kunden will die Sparkasse aber auch nicht verlieren.

Also hat sie vor drei Jahren den 13,5-Tonner angeschafft, ihn Überlandsparkasse getauft, mit einem weißen Anstrich versehen - und dem roten Sparkassenlogo. Geldautomat, ein sogenanntes Multifunktionsterminal für Überweisungen und Kontoauszüge, ein Service-Point, ein kleiner Beratungsraum, alles ist vorhanden, alles ist in Sparkassen-Rot gehalten, wie in einer richtigen Geschäftsstelle.

Adelheid Kilian-Futh, rote Haare, rote Brille, steht an der kleinen Theke in der Mitte des Lasters und nimmt Überweisungsscheine entgegen. Heute steht die Überlandsparkasse in Laudenbach, 1200 Einwohner, die nächste feste Geschäftsstelle ist knapp acht Kilometer entfernt.

„Die Kunden freuen sich, dass man kommt“, sagt Kilian-Futh. Die 51-Jährige hat früher in der Geschäftsstelle in Laudenbach gearbeitet, kennt jeden mit Namen. Der regelmäßige Kontakt zu den Kunden sei ihr größtes Plus, sagt sie.

Die Zahl der Sparkassenbusse, wie es im Sparkassenjargon heißt, schätzen Experten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands auf einige Dutzende. Es sind vor allem die ländlichen Regionen, in denen sich solch mobile Filialen lohnen. Da, wo feste Geschäftsstellen nicht mehr wirtschaftlich finanzierbar sind.

Die Werra-Meißner-Überlandsparkasse hat 750.000 Euro in der Anschaffung gekostet, 180.000 Euro kostet jährlich der Betrieb. Eine Geschäftsstelle wäre mindestens doppelt so teuer - und sie erreicht im Zweifel weniger Kunden, weil gerade Ältere den Weg in den nächsten Ort nicht schaffen. Kilian-Futh schätzt die Zahl der Kunden, die täglich zu ihr kommen, auf etwa 30. Das sei „gut frequentiert“.

Der Lkw hat nur einen Nachteil: Im Sommer wird es darin sehr warm, im Winter ist es schon mal zu kalt. „Da ziehe ich mir auch schon mal Ski-Unterwäsche drunter“, sagt Kilian-Futh.

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