Falsche Versprechen der Finanzbranche
Banken verschleppen Kampf gegen Geldwäsche

Geldwäsche-Skandale erschüttern die Bankenwelt. Doch trotz verschärfter Gesetze gehen viele Institute das Problem kaum an. Einer Umfrage zufolge stocken nur wenige Banken ihre Mittel im Kampf gegen Betrugsfälle auf.
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DüsseldorfBanken sind für die Bekämpfung der Geldwäsche oft nur schlecht gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Bearing-Point unter 55 deutschen Finanzinstituten, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt. Demnach wollen fast 60 Prozent der befragten Banken kein zusätzliches Geld für entsprechende Schulungen, Computersysteme und Personal ausgeben. Dem steht aber eine steigende Zahl an Verdachtsfällen auf Geldwäsche gegenüber. Die Institute melden laut Bearing-Point einen Anstieg um 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren.

Angesichts der steigenden Fallzahlen müssten die Geldhäuser nach Ansicht der Bearing-Point-Experten deutlich mehr Mittel in die Bekämpfung der Geldwäsche stecken. Zudem erhöhen die verschärften gesetzlichen Bestimmungen den Druck auf Finanzdienstleister massiv. Sowohl in Deutschland als auch EU-weit und global wurden die Regeln und Richtlinien gegen Geldwäsche und Betrug deutlich erweitert.

„Fehlende Ressourcen und eine mangelnde Investitionsbereitschaft führen aber dazu, dass die meisten Banken nur einen begrenzten Schutz vor Betrug, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und den daraus resultierenden Image- und Vermögensschäden vorweisen können“, sagt Oliver Engelbrecht, verantwortlicher Partner bei der Management- und Technologieberatung. Bearing-Point befragte zum dritten Mal binnen drei Jahren die wichtigsten Banken des Landes zum Thema Geldwäsche.

Mehrere Skandale hatten in der letzten Zeit die Bankenbranche erschüttert. Etablierte Großbanken gerieten ins Visier der Ermittler, so auch die Deutsche Bank wegen ihrer Iran-Geschäfte. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel soll das größte deutsche Geldhaus mehrere Hundert Millionen Euro für drohende Strafzahlungen wegen möglicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen der USA zurückgestellt haben. Auch die Commerzbank und die Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank stehen unter Verdacht.

Die britischen Geldhäuser HSBC, Royal Bank of Scotland (RBS) und Standard Chartered sowie die niederländischen ABN Amro und ING oder die Schweizer Crédit Suisse mussten bereits Strafen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar zahlen. Sie sollen Geldgeschäfte mit dem Iran abgewickelt und so geholfen haben, die Sanktionen gegen das Land zu umgehen.

Der HSBC wird zudem vorgeworfen, Geld von mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern verschoben zu haben. Allein dafür zahlte HSBC eine Strafe von 1,9 Milliarden Dollar an die US-Behörden. Auch Affären wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung kommen die Banken teuer zu stehen. So musste die Schweizer UBS eine Buße von mehreren Hundert Millionen Euro wegen Steuerbetrugs begleichen.

Die Offshore-Leaks-Enthüllungen offenbarten zudem, wie zahlreiche große Geldhäuser wie Deutsche Bank, JP Morgan oder UBS Firmengeflechte in Steueroasen entworfen haben. Mehr als 100.000 wohlhabende Menschen aus mehreren Ländern haben über solche Kanäle Geld am Fiskus vorbeigeschleust.

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Sechs Milliarden Dollar aus dunklen Kanälen

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  • @blacksabbath: Sie haben da einiges voll missverstanden. Erstens ist die Rolle Judas die wichtigste des Neuen Testaments! Judas ist außerordentlich systemrelevant! Ohne ihn keine Kreuzigung, keine Auferstehung! Gottes Sohn Jesus wäre nichts als ein Sozialromantiker mit Taschenspielertricks. Auch die Banken spielen eine außerordentlich wichtige Rolle. Ohne Banken käme das Geld der Organisierten Kriminalität nicht in den Geldkreislauf. Es würde als Gold und Diamanten gehortet werden. Die so gebrandmarkte Steuerhinterziehung die von den banken organisiert wird ist meist legal und sie verringert das verfügbare Steueraufkommen nicht unerheblich. Stellen sie sich vor wie viel Geld der staatlichen Verschwendung durch inkompetente Politiker damit entzogen wird. Damit vermeiden die Banken eine Fehlallokation der finanziellen Ressource Geld. Und empörend finde ich ihre Einstellung zu den Menschen- und Bürgerrechten. Sippenhaft ist wohl zusammen mit Kinderschändung das übelste das kranke Diktatorenhirne ausgebrütet haben. Sie sollten mal einen Therapeuten besuchen. Es kann doch nicht sein dass Herr Mallath wegen einer Anzeige gegen Geldwäsche bereits 7 Jahre in der Klapse weggeschlossen ist und so etwas wie sie läuft noch frei herum,

  • Ohne Banken keine Geldwäsche! Sollen hier Böcke zu Gärtnern
    gemacht werden? Unglaublich!

  • brav argumentiert und mit doch ganz gewiss belastbar unterfütterten Daten weiter ausführbar.

    Indes: verlieren Banken Vertrauen begeben sie sich ihrer Geschäftsgrundlage.

    Und eben daran scheint man in Banken munter weiter zu arbeiten: Pranger ist dreckig, stinkt und absolut inkommensurabel.

    Banken indes haben sich ihren Ruf teuer erkauft: eine Bank im Boot zu haben bedeutet faktisch den Ruin vor Augen zu haben.

    Und für solche Glanzleistungen braucht man keine Bank.

    Da reicht ein feines Standing das einen Filialleiter darauf hinweisen könnte auf das was er ist: ein Angestellter.

    So etwas tut man nicht.

    In Bankinstituten gehören Realisierungsverluste der wert beworbenen Kundschaft nachgerade zur Geschäftsgrundlage.

    Ich hab da kein Problem mit wenn Plüsch und Plumm Kultur reklamieren für ihr Treiben.

    Worauf das hinauslaufen wird, das wird der komplette
    Vertrauensverlust sein, der eine Bank ins Stolpern geraten lassen wird, ohne dass es dafür eines Runs bedürfen müßte.

    Ladies: its ur party!

    not ours one

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