Falsche Verträge
Ergo gibt Fehler bei Riester-Rente zu

Jetzt also doch. Der Versicherungskonzern Ergo hat Fehler bei Riester-Renten-Verträgen eingeräumt - die das Unternehmen zuvor dementiert hatte. Nach Informationen des Handelsblatts droht ein Millionenschaden.
  • 3

FrankfurtVon wegen Einzelfälle. Die Ergo-Versicherung hat offensichtlich ein echtes Problem mit Riester-Renten-Verträgen. Das Handelsblatt hatte berichtet, dass nach Angaben von ehemaligen Generalvertretern der Hamburg-Mannheimer in 70.000 Policen der sogenannten Kaiser-Rente mehr Verwaltungskosten berechnet wurden als in den Verträgen angegeben. Herr Kaiser war lange Jahre die Werbefigur der Versicherung, die inzwischen in der Ergo-Gruppe aufgegangen ist. Die Generalvertreter beziffern den Gesamtschaden für die Kunden auf bis zu 160 Millionen Euro. Ergo hatte die Vorwürfe bestritten.

Zunächst hieß es beim Konzern, stichprobenartige Überprüfungen hätten keine Hinweise ergeben. „Ein systematischer Fehler hätte sicherlich zu massiven Kundenbeschwerden im Anschluss an die Aushändigung der Policen geführt. Diese sind aber nicht erfolgt“, sagte Ergo-Sprecher Alexander Becker. Die Ergo gehe deswegen davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt.

Nun die Kehrtwende.

Wie es in einem Schreiben der Ergo heißt, das dem Handelsblatt vorliegt, ist der Versicherung nun "ein größerer Fehler aufgefallen". Neben dem Standardantrag habe es bei der Hamburg-Mannheimer auch einen Spezialantrag für die Riester-Rente gegeben. Im Jahr 2005, so Ergo heute, seien offenbar fehlerhafte Antragsunterlagen verwendet worden - mit nicht mehr aktuellen Kostensätze. Wie viele Versicherungsnehmer betroffen seien, werde derzeit noch geprüft.

Anlegerschützer sind besorgt. „Das Problem ist doch, dass die Kunden diese Verträge gar nicht durchschauen“, sagte Marco Cabras von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dem Handelsblatt. Er forderte die Ergo-Mutter Munich Re auf, sich der Sache anzunehmen und endlich Ordnung bei der Ergo zu schaffen. „Es ist sehr besorgniserregend, was hier passiert“, sagte Cabras. „Der Sumpf muss trockengelegt werden.“

Die Branche hat nun Angst vor einem Kollateralschaden. Ulrich Jansen, Vorstandsvorsitzender des Sparkassenversicherers Provinzial Rheinland sagte auf der Bilanz-Pressekonferenz zum Handelsblatt-Bericht: „Als ich das las, dachte ich, es darf nicht wahr sein." Sein Kollege Guido Schaefers, neuer Provinzial-Vorstand für das Lebensversicherungsgeschäft, ergänzte: „Dadurch könnte ein negatives Image auf Riester-Policen fallen. Damit ist keinem gedient.“

Seite 1:

Ergo gibt Fehler bei Riester-Rente zu

Seite 2:

Ergo kommt nicht aus den Schlagzeilen

Kommentare zu " Falsche Verträge: Ergo gibt Fehler bei Riester-Rente zu"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo, wir haben auch Probleme

    Hatten damals ein Vertrag bei der Hamburger abgeschlossen aber auch direkt widerrufen ! Danach wahr Ruhr drei Jahre später will ergo Geld haben und buchte auch ab dise Buchung habe ich zurück geholt... Hab ergo gesagt ich möchte wenigstens den Vertrag mit der Unterschrift sehen ... Weder dieses noch die Kündigung konnten sie beweisen jetzt kommen die anwälte von ergo was soll ich tun wenn ich mit denen rede kommt da eine blöde Antwort mit das müssen sie schon mit der ergo selbst klären ... Hallo ???? Es BESTEHT KEIN VERTRAG !!!!

  • Fondsgebundene Versicherungen sind geradezu Provisionsmaschinen. Unter www.fonds-etf.de findet sich ein Vergleichsrechner der aufzeigt wie Banken mit normalen Fonds hohe Provisionen erzielen, meist ohne das es die Anleger bemerken. Die Sparer und Versicherten werden so schamlos abgeschöpft. Eigentlich ein Fall für das Verbraucherministerium. Provisionen offenlegen und gesondert unterschreiben, wäre hier eine Lösung. Oder ist die Finanzlobby zu stark? Haben die Parteispenden der Finanzindustrie hier doch ihre Auswirkungen?

  • Auf jeder Riester-Rente liegen zusätzlich die Kosten für Vertrieb, Provisionen und Marketing. Zusammen mit Verwaltungszuschlägen kommt man auf rund 20 %. Wie soll das auf dem Kapitalmarkt erwirtschaftet werden. Alle Anlagen über 8 % sind so risikobehaftet, dess sie für Renten nicht taugen.

    Die Riester-Rente ist meines Erachtens Betrug zugunsten der Versicherungsunternehmen mit der Regierung als deren Gönner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%