Fast kein Gewinn

Deutsche Bank wird mächtig durchgerüttelt

Das größte deutsche Geldhaus leidet unter juristischen Auseinandersetzungen. Der Gewinn purzelt, der wichtige Handel mit Anleihen implodiert. Am längeren Vertrag für Co-Chef Jürgen Fitschen ändert das nichts.
Update: 29.10.2013 - 12:09 Uhr 32 Kommentare
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Juristische Auseinandersetzungen haben den Konzern weiter im Griff. Quelle: dpa

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Juristische Auseinandersetzungen haben den Konzern weiter im Griff.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Deutsche Bank hat von Juli bis September einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 51 Millionen Euro erzielt. Das sind 93 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Hauptgründe: Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und schwaches Geschäft im Anleihehandel. An der Börse herrschte Ernüchterung. Die Titel des deutschen Bankenprimus fielen im Tagesverlauf am Dax-Ende um 2,37 Prozent auf 35,05 Euro.

Am Dienstagmittag gab das Geldhaus die Vertragsverlängerung für den Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen bekannt. Der Aufsichtsrat verlängerte wie erwartet Fitschens Vertrag um zwei Jahre bis März 2017. Die Doppelspitze mit Anshu Jain hat damit weiter bestand. „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“, sagte Aufsichtsratschef Paul Achtleitner.

Überraschender als die Vertragsverlängerung waren jedoch die Zahlen: Insgesamt 1,2 Milliarden Euro stellte die Bank für juristische Auseinandersetzungen zurück. Mehrere hundert Millionen legte das Institut wegen Verfahren rund um US-Immobilienpapiere bei Seite. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf über vier Milliarden Euro. Unter anderem steht zudem noch eine Strafzahlung im Verfahren um den manipulierten Zinssatz Libor aus. Auch die Auseinandersetzung mit den Erben des Kirch-Medienimperiums ist noch nicht endgültig beigelegt.

Quartalszahlen

Ergebnisse der Deutschen Bank (nach Steuern)

in Milliarden Euro


Zum Thema Libor erklärte der Vorstand im Zwischenbericht: „Die laufenden Untersuchungen könnten die Verhängung hoher Geldstrafen und andere Auswirkungen für die Bank nach sich ziehen.“ Die Bank sei sich bewusst, dass die zähen Verfahren „Investoren frustrieren“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause während einer Telefonkonferenz. Die Bank setze aber alles daran, möglichst rasch Klarheit zu schaffen.

„Im dritten Quartal standen wir vor mehreren Herausforderungen“, zitiert die Bank die Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen in einer Mitteilung. „Wir haben substanzielle Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten verbucht und verzeichneten geringere Gewinne im Investmentbanking.“ Die Erträge gingen im Sommer auch wegen des beschleunigten Abbaus von Risikopositionen um zehn Prozent auf 7,75 Milliarden Euro zurück. Vor Steuern stand noch ein Gewinn von 18 Millionen Euro, 98 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor. Damit verfehlte der deutsche Branchenprimus die Erwartungen von Analysten.

Auch die Kapitalausstattung der Bank geriet unter Druck. Bei einer vollständigen Umsetzung der so genannten Basel-III-Richtlinien liegt die Kapitalquote der Bank nach eigenen Angaben jetzt bei 9,7 Prozent, im zweiten Quartal waren es noch 10,0 Prozent. „Wir bleiben unserem Ziel einer Eigenkapitalquote von zehn Prozent bis 2015 verpflichtet, aber wir erwarten auf dem Weg dahin einige Schwankungen“, sagte Krause.

Investmentbanking darbt, Postbank mit Ertragsrückgang
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Fast kein Gewinn - Deutsche Bank wird mächtig durchgerüttelt

32 Kommentare zu "Fast kein Gewinn: Deutsche Bank wird mächtig durchgerüttelt"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie kommt es nur, das ich den verdacht habe, das die ganz viel Gewinn in der Karibik gemacht haben...

  • Es ist an der Zeit, die für die rasant gestiegenen "Rechtsrisiken" der Bank Zuständigen zur Verantwortung zu ziehen. Auch wenn nicht jeder Prozess zu einer Verurteilung führen dürfte, der bereits erlittene Reputations-und Vertrauensschaden ist enorm. Wieso sind eigentlich die Verantwortlichen, die diese teilweise mehr als dubiosen Geschäfte eingegangen sind, immer noch auf z.T. höchster Ebene tätig? Ein echter Kulturwandel ist nur mit neuem Personal glaubwürdig!

  • Die Überschrift ist lächerlich!

    Verlogene Plünderer werden sich gegenseitig niemals etwas antun! Und da unser Justiz, Anwälte ebenfalls die Mitte plündern, Claqueure der Reichen sind, wird der DB auch nichts weiter passieren.

    Worauf sollen solche Schlagzeilen denn abzielen?? Auf eine erneute Plünderung der Sparguthaben, weil die Eliten mit der Oberschicht, dem ÖD die Masse, die Renten, Sozialleistungen schlechthin bereits geplündert haben?! Will man die absolute Armut und damit wieder mittelalterliche Verhältnisse schaffen?!

  • Als im Kapitalmarktrecht tätiger Anwalt stelle ich fest, dass die Rechtsstreitigkeiten gegen die Deutsche Bank in meiner Kanzlei in den letzten Monaten drastisch angestiegen sind.

    Bis ins Jahr 2013 waren bei mir keine Mandate gegen die Deutsche Bank zu verzeichnen.

    Seit etwa einem halben Jahr geht es aber rund mit der Deutsche Bank und die Durchsicht der Unterlagen meiner Mandanten zeigt für die vergangenen vier Jahre ein höchst unsolides Geschäftsgebaren der Deutsche Bank.

    Auch wenn es in vielen Fällen nicht zu Haftungen der Deutsche Bank kommen wird, so ist der Ruf dieser Bank bereits heute erheblich beschädigt.

  • Geldverleiher konnte kein Geld schöpfen...

    Was die Banken machen, ist schlimmer

  • ueber die veroeffentlchungen wundertsic niemand,der die niederlassung(besser gesagt saustall) in kuala lumpur malaysia erlebt hat.dort wird gehurt in den bueroraeumen 3 stunden mittags fressen Vorstand und aufschtsrat,ueberlassen die bank ihrem schicksal.morgens ruehrt in der verwaltung vor 11 uhr niemand die hand,zu spaaet kommen ist obligatorisch wie frueher nah haus gehen

  • Merkwürdig^^
    Mwwwuuauuaahahahaha^^

    Ob es vielleicht damit zusammenhängt, daß so ein multinationales Unternehmen seine Gewinne beliebig versteuern kann?

    Z.B. ist es ja aus der Unternehmens-Sicht äußerst sinnvoll, seine Gewinne niedriger zu versteuern als die Verluste?

    ...oder eben auch Gewinne gar nicht zu versteuern?

    Boahr, ist das alles dämlich geworden. Wie wollen wir Deutschen unser Gesundheitssystem bezahlen?

    Kleiner Tip:
    http://waronwant.org/news/latest-news/18008-boots-billion-pound-tax-dodge

  • Der Gewinn ist ja bekanntlich das, was man hat, nachdem man alle Rechnungen Geld bezahlt hat. In diesem Fall wurde sogar etwas für evtl. Kosten wie Strafzahlungen und Prozesskosten zurückgelegt.
    Die DB schreibt schwarze Zahlen, und dass obwohl sie gerade unter US-Kreuzfeuer steht und die Branche durch die Finanzkrise stark gezeichnet ist. Meiner Meinung nach sitzt die DB fest im Sattel und wird auch in der Zukunft, besonders durch die derzeitigen Bemühungen die Unternehmenspolitik nachhaltiger zu gestalten, eine stabile Institution bleiben. Natürlich geht eine Regulierung des Risikos mit Ertragseinbußen einher, schafft aber zugleich mehr Sicherheit.

  • @netshadow
    ""Die Wahrheit über die miesen Zustände der Deutschen Bank wird doch bestens verschleiert. Möchte nicht wissen wieviele Bilanzen dort bereits gefälscht wurden.""

    Es gab doch effektiv keine Gaunerei der Banken, bei der die "Deutsche Bank" nicht beteiligt war.

    -----

    "Die deutsche Bank wurde durch die "Rettung" der anderen, auch EU-Banken "gerettet".
    Hätte man diese anderen Banken tatsächlich pleite gehen lassen, oder sowas wie mit Zypern abgezogen, wären viel mehr von den wahren Verflechtungen rausgekommen."

    Das ich dem Hobbymarxisten Netzschatten mal zustimmen muss, kommt auch nicht oft vor. Aber hier hat er vollkommen recht.

    Das ganze deutsche Volk wurde von der Deutschen Bank und anderen Banken zur Geisel gemacht. Die aufgetürmten Staatsschulden und uneinbringlichen Forderungen im Eurosystem durch die Banken- und Eurorettungen werden noch unseren Kindeskindern wie ein Mühlstein um den Hals hängen.

    Eigentlich sollte im DB-Turm in Frankfurt schon lange ein Zwangsverwalter sitzen.

  • "Die Wahrheit über die miesen Zustände der Deutschen Bank wird doch bestens verschleiert. Möchte nicht wissen wieviele Bilanzen dort bereits gefälscht wurden."

    Die deutsche Bank wurde durch die "Rettung" der anderen, auch EU-Banken "gerettet".
    Hätte man diese anderen Banken tatsächlich pleite gehen lassen, oder sowas wie mit Zypern abgezogen, wären viel mehr von den wahren Verflechtungen rausgekommen.
    Die deutsche Bank kann sich also garnicht auf das ursprüngliche, mal geachtete, Bankgeschäft zurück ziehen. Sie steht quasi am Ende des so viel beschworenen Dominoeffektes.
    Und das wußten Ackermann, Schäuble und Merkel verdammt gut, daher mussten die Steuerzahler für andere Banken bürgen, und das verkauft man heute u.a. als Euro-Rettung. Und das auch mit einem moralischen Anspruch, nach dem Motto, spart euch mal schön arm, sonst wollt ihr nur noch zum kleinen Finger den ganzen Arm.
    Und diese Konstrukte wurden von über 40% gewählt, weil man ja so gut die Geldbörse zuhält, und deutsche Steuern rettet ... haha.
    Mich wundert diese Überwachung nicht, wahrscheinlich wurden Ackermann, Schäuble und Merkel allesamt überwacht, denn genauso waren die USA involviert. Nur das dort sogar Leute für solche Machenschaften vor den Kadi gehen, in Deutschland wird man dafür wieder gewählt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%