Faule Hypothekenpapiere
Vergleich zwischen Banken und US-Behörden zieht sich hin

Die Pläne europäischer Großbanken, bis Anfang November Vergleiche mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere auszuhandeln, verzögern sich. Offenbar sollte das Thema aus dem US-Wahlkampf herausgehalten werden.

Frankfurt/New YorkDer Final Countdown dauert länger als gedacht. Eigentlich wollten Europas Großbanken ihre potentiell sehr teuren Vergleiche mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere bis zur Wahl am 8. November eintüten. Doch danach sieht es jetzt nicht mehr aus. Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Vergleiche nach der Wahl, aber vor der Einführung des neuen Präsidenten kommen - also vor Ende Januar.

Denn so wird das Thema nicht im Wahlkampf zerrieben und jeder könnte sein Gesicht wahren, erklärt Professor John Coffee von der Columbia Law School: „Die alte Regierung wird sich noch damit schmücken wollen, dass sie die Fälle abgeschlossen hat und die neue Regierung dürfte froh sein, wenn jemand anderes dafür verantwortlich ist.“

Also müssen die hiesigen Institute weiter zittern. Neben der Deutschen Bank stellen sich auch andere Häuser auf Strafzahlungen ein: UBS und Credit Suisse in der Schweiz sowie die Royal Bank of Scotland. Ermittelt wird auch gegen die britischen Adressen HSBC und Barclays. Ob es am Ende einen Gruppenvergleich gibt, darüber sind sich Experten uneinig.

Die Banken selbst und das US-Justizministerium, das die Federführung hat, äußern sich nicht zu Details der Verhandlungen. Dass Deutsche Bank & Co billig davonkommen, ist allerdings nicht zu erwarten. Bill Baer, einer der ranghöchsten Beamten im Justizministerium, hatte der Branche erst vor kurzem mangelnde Kooperationsbereitschaft bei der Aufarbeitung der Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vorgeworfen.

Die Vorwürfe, die im Raum stehen, haben es in sich: Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass etliche große Investmentbanken maßgeblich zum Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 beigetragen haben - indem sie faule US-Hypotheken in intransparente Wertpapiere bündelten. Diese wurden auf einen Schlag wertlos, als der Häusermarkt kollabierte, weil viele Familien komplett überschuldet waren.

Für die Käufer der Hypothekenpapiere - darunter viele andere Banken - bedeutete das massive Verluste. Am Ende wusste quasi niemand mehr, wer welche Risiken in den Büchern hatte. Rund um den Globus gab es staatliche Rettungsaktionen für Finanzinstitute in Schieflage, auch in Deutschland.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hatte 2012 eine eigene Ermittlungseinheit aufgesetzt, um in den Trümmern des Immobilienmarktes Ursachenforschung zu betreiben, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und so zumindest einen Teil der Rettungsgelder wiederzubekommen.

Die US-Großbanken haben ihre Rechnung zum überwiegenden Teil schon bezahlt: Zehn Institute haben sich bislang verglichen - es hat sie insgesamt 46 Milliarden Dollar gekostet, die Entschädigung von Kunden und Investoren mit eingerechnet. Allein die Bank of America, die auf dem US-Hypothekenmarkt in den Boomzeiten ein besonders großes Rad gedreht hat, musste fast 17 Milliarden Dollar abdrücken.

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Geringe Rücklagen machen europäischen Banken Sorge

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