Faule Schiffskredite
HSH Nordbank fordert Befreiung von Altlasten

Die HSH Nordbank leidet wie keine andere unter der Schifffahrtskrise. Laut Insidern diskutiert die EU derzeit verschiedene Modelle, wie man sie davon befreien kann. Das Institut drängt auf Veränderungen.
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HamburgDie HSH Nordbank dringt auf Veränderungen bei ihrer milliardenschweren Staatsgarantie. Von den Altlasten werde sich das Institut nur dann dauerhaft befreien können, wenn die Eigentümer und die EU-Kommission den Weg für strukturelle Veränderungen ebneten, sagte Vorstandschef Constantin von Oesterreich am Freitag bei der Präsentation der Zwischenbilanz. „Hier gilt es, in den laufenden Gesprächen mit der EU-Kommission eine langfristig tragfähige Lösung zu finden.“ Die hohen Gebühren für die Garantie der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein setzen der HSH zu. Zudem möchte sie die Erlaubnis bekommen, Schiffskredite auch unter Buchwert zu verkaufen.

Reuters hatte vor kurzem von Insidern erfahren, dass derzeit verschiedene Modelle mit der EU diskutiert werden, wie die HSH von faulen Schiffskredite befreit werden kann. Die Landesbank, die wie keine andere unter der Schifffahrtskrise leidet, muss hohe Summen für notleidende Kredite zur Seite legen. Deswegen hatten die Länder, die zusammen 85 Prozent an dem Geldhaus halten, ihre Garantie vor zwei Jahre auf zehn Milliarden Euro wieder aufgestockt. Die endgültige Genehmigung der EU-Kommission dafür steht noch aus. Eine Entscheidung wird im Sommer erwartet. Für den Schutzschirm fallen jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Gebühren und Prämien an. Allein im ersten Quartal 2015 waren es 330 Millionen Euro. Seit der Rettung der Bank 2009 hat die HSH insgesamt 2,4 Milliarden Euro an die Bundesländer überwiesen.

Im operativen Geschäft macht die HSH Fortschritte. Die Erträge kletterten im ersten Quartal um 45 Prozent auf 342 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn der Kernbank blieb trotz steigender regulatorischer Kosten mit 109 Millionen Euro stabil. Unter dem Strich sank der Gewinn wegen diverser Sonderfaktoren minimal auf 206 Millionen Euro. Von Oesterreich bekräftigte das Ziel, auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen zu schreiben. „Wir kommen operativ sichtbar voran und haben die Kosten im Griff.“

Der Aufsichtsrat hat am Freitag zudem die Verträge von Finanzvorstand Stefan Ermisch und Kapitalmarktvorstand Matthias Wittenburg jeweils um drei Jahre verlängert. Ermisch wurde außerdem zum stellvertretenden Vorstandschef ernannt. Damit sind die Weichen für die Nachfolge von Oesterreich gestellt, sollte der 62-Jährige in den Ruhestand gehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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